Engpass

Grippe-Impfstoff ist vielerorts in Meinerzhagen "aus"

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Dr. Holger Reimann kann zurzeit nicht mehr gegen Influenza impfen.

Meinerzhagen - Husten, Schnupfen, Heiserkeit – auch viele Meinerzhagener leiden derzeit an diesen Symptomen. „Grippaler Infekt“ nennen Mediziner das Leiden. Und in einigen Fällen diagnostizierten heimische Ärzte auch „Influenza“ oder „echte“ Grippe.

Dagegen können sich alle gesunden Volmestädter eigentlich impfen lassen. Eigentlich. Denn: Der Impfstoff ist vielerorts „aus“, auch bei Dr. Holger Reimann.  „Bereits vor Weihnachten hatten wir keinen mehr, zu dieser Zeit habe ich die letzte Impfung vorgenommen“, kann auch der Sprecher der Meinerzhagener Ärzte nur noch mit den Schultern zucken, wenn ein Impf-Wunsch an ihn herangetragen wird. 

Und woran liegt das? „Es hakt wohl an der Logistik“, weiß auch der Allgemeinmediziner mit Praxis Zum Alten Teich 12 nicht ganz genau, warum der Nachschub stockt. Er hat lediglich erfahren, dass ganz Nordrhein-Westfalen betroffen sei, ebenso wie Nordhessen. „Wir hoffen, dass es im kommenden Jahr wieder besser wird“, bleibt ihm nur der Glaube daran, dass der Mangel so gravierend nicht noch einmal auftritt.

Hände waschen und nicht anniesen lassen

Was können Volmestädter also tun, um sich zurzeit vor der Influenza zu schützen? Da kann Dr. Reimann eigentlich auch nur auf bekannte Vorsichtsmaßnahmen verweisen: „Oft die Hände waschen und aufpassen, dass man nicht ,angeniest’ wird.“ Erkennen lässt sich recht schnell, dass man an der „echten“ Grippe erkrankt ist: „Typische Symptome sind hohes Fieber, starker Husten, Muskel- und Gelenkschmerzen. Dann rate ich dringend: Sofort ab zum Arzt“, sagt Dr. Reimann. Immerhin: Betroffenen Patienten kann der Doktor helfen, denn es gibt Mittel gegen die schwere Erkrankung: „Vor allen Dingen Tamiflu und Relenza“, erläutert der Mediziner.

Albert Rasche ist Inhaber der Apotheke Zum Alten Teich und Nachbar von Dr. Holger Reimann. Auch er kann bestätigen, dass Influenza-Impfstoff derzeit – zumindest bei ihm – nicht zu haben ist. Wie es zu diesem Engpass kommt, das sei nur schwer nachzuvollziehen. „Im Prinzip ist es so, dass die Ärzte etwa im April oder Mai eines jeden Jahres ihre Bestellungen bei uns abgeben. Wir ordern den Impfstoff dann.“ 

Befristetes Abweichen von den Vorgaben des Gesetztes im Einzelfall gestattet

Muss nachgeliefert werden, sei das häufig nicht möglich. „Das ist wohl ein bundesweites Problem“, glaubt Albert Rassche. Dr. Reimann hat hingegen gehört, dass nur einige Bundesländer betroffen sind: „Es heißt, dass die Lage in Ostdeutschland besser ist.“

Dass die Versorgung mit Influenza-Impfstoffen in Deutschland generell nicht ausreichend ist, hat das Bundesministerium für Gesundheit bereits am 23. November vergangenen Jahres eingeräumt. 

In einer offiziellen Bekanntmachung hieß es schon damals: „Es besteht in Deutschland ein Mangel der Versorgung der Bevölkerung mit in Deutschland zugelassenen Influenza-Impfstoffen. Die Impfung der betroffenen Personengruppen entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission ist derzeit nicht flächendeckend sichergestellt.“ Ein „im Einzelfall befristetes Abweichen von den Vorgaben des Arzneimittelgesetztes“ sei den Ländern deshalb gestattet. 

Der Grund für diese missliche Situation wird vom Ministerium gleich mitgeliefert: Damit könne man flexibel auf die Umstände des jeweiligen Krankheitsausbruchs und den Bedarf an spezifischen Arzneimitteln reagieren. Was wohl im Klartext bedeutet, dass gewisse Reserven für eine mögliche Grippewelle zurückgehalten werden.

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