Eltern beklagen drangvolle Enge

Drangvolle Enge in den Schulbussen – in Valbert soll das keine Seltenheit sein.

VALBERT ▪ „Am Gerätehaus in Valbert steigen zuerst etwa 30 Kinder ein.“

„Am Breien kommen noch einmal über 20 hinzu. Und an den Haltestellen ab Wormger Mühle sind es jeweils weitere zwei bis fünf Kinder, die den Bus Richtung Attendorn nutzen.“

Kai-Uwe Kersten ist kaufmännischer Geschäftsführer von Haus Nordhelle und er wohnt mit seiner Familie in Valbert. Auch seine Kinder nutzen morgens die Linie R 61 der Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS), die als eigenständiges Unternehmen die Beförderungskonzession für diese Strecke vom Konzern „Transdev“ übernahm. Sie – und viele andere Valberter Schüler – fahren mit dem Bus zum Gymnasium nach Attendorn. Vor einigen Tagen machten sich Kersten und der Valberter Ortsvorsteher Fred Oehm selbst ein Bild davon, wie es morgens in der R 61 zugeht. Das Fazit der beiden Valberter: „Es ist unglaublich eng in dem Bus. Die wenigsten Schüler bekommen einen Sitzplatz, die meisten müssen stehen. Das ist unserer Ansicht nach sehr gefährlich.“

Nicht erst seit dem Schulbusunglück in Siegen am 10. Oktober, bei dem 30 Kinder verletzt wurden, wird die Sicherheit in solchen Fahrzeugen heftig diskutiert. Für Oehm und Kersten ist das allerdings schon lange ein Thema – ebenso wie für viele Eltern. „Es kann doch nicht angehen, dass die Ladung auf Lastwagen sorgfältig gesichert werden muss, Kinder hingegen stehend und nicht angeschnallt in Schulbussen transportiert werden dürfen“, ärgert sich Fred Oehm. Und Kai-Uwe Kersten fügt hinzu: „Ich möchte mir nach einem Unfall auch nicht vorwerfen lassen, von den Missständen gewusst und nichts unternommen zu haben.“

Sowohl Oehm als auch Kersten schränken allerdings ein, dass die VWS-Busse, die die Schüler transportieren, bei ihren Stichproben nicht überfüllt waren. „Die gesetzlichen Vorgaben wurden eingehalten“, nehmen sie die VWS in Schutz. „Es geht auch nicht darum, dem Unternehmen einen Verstoß gegen Gesetze vorzuwerfen, sondern darum, auf Gefahren aufmerksam zu machen. Und das ist ja letztlich auch im Sinne der Busfahrer“, erläutert Kersten.

Was bei einer Gefahrenbremsung oder gar einem Unfall im Inneren der „rappelvollen“ Busse passieren würde, das ist nur zu ahnen. „Die meisten Kinder haben nicht einmal die Möglichkeit, sich an irgendwelchen Stangen festzuhalten. Sie sind oft zu klein, um die Querstreben unter dem Fahrzeugdach zu erreichen. Eigentlich dürften sie auch nicht im Türbereich stehen. Bei der Enge in den Bussen geht das aber gar nicht anders“, berichtet Kersten von dem Szenario, das er und Fred Oehm bei ihren „Testfahrten“ beobachteten.

Und was ist zu tun, um Abhilfe zu schaffen? „Wir möchten erreichen, dass die VWS entweder einen größeren Bus oder mehrere Fahrzeuge einsetzen“, fordern Kersten und Oehm. Und der Gesetzgeber sollte ihrer Meinung nach endlich auch die Anschnallpflicht in Linienbussen einführen, wie sie in Reisebussen bereits seit dem Jahr 1999 gilt.

Frank Baeten, Sprecher der VWS, machte gestern auf MZ-Anfrage keine große Hoffnung auf „Besserung“ in den Bussen von Valbert nach Attendorn: „Gleichwohl werde ich mir die Situation genau ansehen und prüfen, ob hier beispielsweise große Gelenkbusse eingesetzt werden können. Die wären allerdings viele Stunden für diese Strecke gebunden, weil sie zunächst leer von Olpe nach Meinerzhagen fahren.“ Dass jeder Fahrgast zu Spitzenzeiten einen Sitzplatz bekommt, hält er für eine Illusion: „Dann bräuchten wir die doppelte Anzahl an Bussen.“ ▪ beil

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