Elementarschutz wichtig

Nach der Flut: Versichert oder nicht?

Riccardo Menzel rät dazu, Elementarschäden zu versichern.
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Riccardo Menzel rät dazu, Elementarschäden zu versichern.

„Fast jedes Haus ist falsch versichert“, meint die Verbraucherberatung und rät dazu, den Versicherungsschutz vor dem nächsten Starkregen zu prüfen – und falls nötig – anpassen zu lassen.

Meinerzhagen – Dabei rückt das Thema Elementarschadenversicherung auf traurige Weise in den Fokus. „Oftmals fehlt dieser wichtige Schutz der eigenen Immobilie und Betroffene bleiben nun auf dem Schaden sitzen“, schreibt die Verbraucherberatung und bestätigt damit eine Erfahrung, die auch viele Hochwasseropfer im besonders betroffenen Altena gemacht haben.

Elementarschutz prüfen

In Meinerzhagen rückte die Elementarschaden-Versicherung nach dem Starkregen ebenfalls in den Fokus. Das bestätigt auch Riccardo Menzel vom LVM-Versicherungsbüro Andree Müller an der Hauptstraße. Er rät: „Was versicherbar ist, sollte auch versichert werden.“ Und genau das könnte für einige Hausbesitzer auch zum Knackpunkt werden, denn: Für einige besonders hochwassergefährdete Immobilien kann ein solcher Elementarschutz-Vertrag gar nicht abgeschlossen werden. Hier kommt „Zürs“ ins Spiel. Diese Buchstaben stehen für „Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen“. Das ist ein Informationssystem zur Einschätzung von Naturgefahren, das 2001 vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) entwickelt wurde. Es weist vier Zonen beziehungsweise Gefährdungsklassen aus: In Zone 1 ist das Hochwasserrisiko hinsichtlich der statistischen Häufigkeit gering, in Zone 4 sehr hoch. Viele Versicherer versichern Häuser in der Zone 4 nicht. Ansonsten gilt: Je größer das Risiko, desto höher die Prämie.

Für jede Adresse in Deutschland lasse sich über ein entsprechendes Computerprogramm die Zürs-Zone bestimmen, sagt Menzel. „Die Juli-Flut wird – wie jedes Hochwasser- oder Starkregenereignis – in Zürs eingepflegt“, erläutert Kathrin Jarosch aus der GDV-Pressestelle. Dies dauere in der Regel aber einige Zeit, da die öffentliche Hand erst die entsprechenden Daten zu dem Ereignis liefern müsse.

Bauliche Maßnahmen

Grundsätzlich gelte, dass die Versicherer vor Abschluss einer Elementarschadenversicherung auch nach Vorschäden fragen und dann unter Umständen einen Vertrag mit Auflagen verknüpfen. „In exponierten Lagen wird die Versicherung erwarten, dass das Risiko zum Beispiel durch bauliche Maßnahmen minimiert wird“, sagt die GDV-Sprecherin und wundert sich darüber, dass viele Autos besser (weil Vollkasko) versichert sind als die Häuser der Fahrzeughalter.

Auf der Homepage des GDV findet sich ein Tool, mit dessen Hilfe sich für jede deutsche Adresse das Hochwasserrisiko ermitteln lässt. Es wird auf einem Farbbalken angezeigt, der von Grün (geringe Gefahr) über Gelb bis Rot reicht. In Meinerzhagen, so Menzel, sei davon auszugehen, dass bestimmte Gebiete in Volme-Nähe laut Zürs problematisch sind. Doch eine generelle Linie bei der Einstufung sei manchmal nicht festzustellen. So lasse sich eine Immobilie an der Lindenstraße nahe Oststraße laut Zürs gar nicht versichern, Häuser ein paar Meter weiter Richtung Kreisverkehr an der Stadthalle aber sehr wohl.

„Pauschal ist das also gar nicht zu sagen. Ein Objekt, das wesentlich höher liegt, nämlich in der Nähe der Musikschule und des Jugendzentrums, ist ebenfalls nicht versicherbar. Das muss also immer im Einzelfall überprüft werden“, fügt der Versicherungsexperte hinzu.

„Erdgebundenes Wasser“

Allumfassenden Schutz biete aber auch die Elementarschadenversicherung nicht, meint die Verbraucherberatung mit Hinweis auf einen Fall in Swistal. Dort waren in einem Haus Schäden am Keller und dem dort gelagerten Hausrat entstanden. Der Versicherer weigerte sich, sie zu regulieren. Der Haken: Das Haus war zwar gegen Elementarschäden versichert, also auch gegen Überschwemmung. In diesem Fall war aber Grundwasser über die Bodenplatte und Risse in den Kellerwänden eingedrungen. „Das war in diesem Fall leider nicht mitversichert“, sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin bei der Verbraucherzentrale NRW. „Der Eigentümer muss den Schaden daher nun selbst tragen.“ Auch aus Altena wurden Fälle bekannt, wo Versicherungen Schäden durch so genanntes „erdgebundenes Wasser“ nicht übernommen haben.

„Um sicherzugehen, dass es im Schadenfall nicht solche oder ähnliche Probleme mit dem Versicherer gibt, sollten Hauseigentümer ihren Versicherungsordner zur Hand nehmen und den Schutz des Hauses genau überprüfen – und das bestenfalls noch vor dem nächsten Starkregen. Diese Punkte gilt es dabei im Auge zu behalten“, rät die Verbraucherberatung.

Schneedruck mitversichert

Riccardo Menzel weist in diesem Zusammenhang noch auf einen Versicherungsfall hin, der in Meinerzhagen gar nicht so abwegig erscheint und der ebenfalls in die Sparte „Elementarschaden“ fällt: „Schneedruck. Das könnte in unseren Breiten verstärkt ein Thema werden, mit allen Folgen, wie Durchfeuchtungen. Was eine enorme Schneelast bewirken kann, hat man beim Einsturz des Daches der Eissporthalle in Wiehl gesehen.“ Und er rät auch dazu, den Elementarschutz auch auf die Hausratversicherung auszuweiten.

Am besten sei es natürlich, wenn ein Schaden gar nicht erst eintrete. Darin sind sich die Verbraucherschützer und der GDV einig. Sie raten dazu, das Haus, unter Umständen mit professioneller Hilfe, auf Schwachstellen und Schutzmaßnahmen zu prüfen. Die Rückstauklappe im Keller sei ebenso wichtig wie der geschützte Lichtschacht. Durch Wasser besonders gefährdete Fenster und Türen könne man auch durch Dammbalken schützen.

Frank Hegemann von der heimischen Provinzial-Versicherung an der Hauptstraße stellt nach der Flutkatastrophe fest, dass Meinerzhagen im Vergleich zum Lenne- und Ahrtal noch einmal glimpflich davongekommen sei. Auch er hat eine verstärkte Nachfrage nach dem Elementarschutz registriert. „Viele sind in dieser Beziehung nicht versichert“, weiß Hegemann und fügt hinzu: „Wir informieren unsere Kunden aber auch regelmäßig über diesen Aspekt.“

Auch der Versicherungsexperte aus der Volmestadt kennt natürlich das Zürs-System. „Das ist allerdings nicht fehlerfrei. In einem Fall konnte ein Gebäude etwa acht Meter oberhalb der Volme laut Zürs nicht für Elementarschäden versichert werden. Da gab es dann eine Einzelfallentscheidung, weil die Einstufung einfach keinen Sinn machte.“

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