Regionalbahn 25: Schwierigkeiten reißen nicht ab

Gähnende Leere am provisorischen Bahnsteig in Meinerzhagen. Der Zug um 8 Uhr am gestrigen Donnerstag kam nicht. Die Situation ist für alle Beteiligten mehr als unbefriedigend. - Foto: Isleib

Meinerzhagen - Die Bahn kommt, die Bahn kommt nicht. „Wissen Sie, ob der Zug um 8 Uhr kommt?“ Die Bahnkundin schaute am Donnerstagmorgen irritiert, schließlich stand noch kein Zug am provisorischen Bahnsteig. Ein Blick auf die Fahrgastinformationstafel gab dann Gewissheit, der Zug um kurz nach 8 Uhr in Richtung Köln fällt aus.

Die Bahnkundin nahm das allerdings gelassen, „ob der Zug um kurz nach 9 Uhr wohl fährt?“ Es sei ja schönes Wetter und sie könne warten. Ob denn die Fahrkarte, wenn sie diese jetzt zöge, wohl auch um 9 Uhr noch gültig sei?

„Wollen Sie mit dem Zug fahren“, so die Frage eines Busfahrers, der zum Bahnsteig gesprintet kam. „Ich fahre Sie nach Gummersbach, von dort läuft alles normal“, erklärte der Mann. „Ich habe aber einen Hund dabei“, warf die Frau ein. Das war aber dann auch kein Problem.

Während es in der Vergangenheit durch den Einsatz der alten Talent-Züge immer wieder zu Ausfällen kam, weil die Technik ein ums andere Mal streikte, ist seit Montag dieser Woche das Chaos noch größer geworden. Eingesetzt werden seit Wochenbeginn die neuen LINT-Züge von Alstom. Offenbar scheint es aber auch damit zu haken. Wie Bahn-Pressesprecher Dirk Pohlmann im Gespräch erläuterte, kam es seit Mittwoch verstärkt zu Bedienfehlern durch die Zugführer. Inzwischen habe man aber reagiert und zusätzliches Personal zur Unterstützung der Zugführer eingesetzt. Doch damit nicht genug. Mittwoch und Donnerstag streikte dann vermehrt die Technik der neuen Züge. Da ließen sich manchmal Türen nicht öffnen beziehungsweise schließen. Außerdem sei es zu so genannten „Phantommeldungen“ gekommen. „Da meldet das System dann eine Bremsenstörung obwohl keine vorliegt“, bedauert Pohlmann die derzeitige Situation. „Wir sind inzwischen auch im Dialog mit dem Fahrzeughersteller, um die Probleme aus dem Weg zu räumen.

Dass bei Auftreten dieser genannten Probleme Meinerzhagen oft nicht angefahren würde, liege daran, dass der größte Teil der Strecke zwischen Meinerzhagen und Köln eingleisig verläuft. Damit es nicht zur Begegnung zweier Züge auf offener Strecke kommt, muss jeweils ein Zug in einem Bahnhof den Gegenzug abwarten. Normalerweise ist dieses Prozedere minutiös geplant. Kommt es dann aber zu weiteren Verzögerungen, beispielsweise durch technische Störungen, gerät der komplette Fahrplan ins Wanken. In diesem Fall wird dann „der letzte Haltepunkt der Strecke“ nicht mehr angefahren.

„Es sollten in jedem Fall Ersatzbusse zur Verfügung stehen“, so Pohlmann. „Wir sind sehr bemüht, die Probleme abzustellen und arbeiten intensiv an einer Lösung.“

Inzwischen hat der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) einen offenen Brief an die DB Regio NRW und an den DB Regio Verkehrsbetrieb Rheinland verfasst. Darin heißt es unter anderem: „Wir sehen alle öffentlichen Anstrengungen für ein besseres Angebot des ÖPNV und SPNV massiv gefährdet, wenn es weiterhin zu Zugausfällen und damit wieder zur Abbindung der Region Meinerzhagen kommt.“ Thomas Gemke, als stellvertretender Verbandsvorsteher von NWL geht im Brief noch weiter: „Bei allem entgegengebrachten Verständnis für Einschränkungen an der Infrastruktur und für erst später erhaltene, neue Triebzüge – zu weiteren Ausfällen und Einschränkungen zwischen Marienheide und Meinerzhagen darf es nicht mehr kommen. Für den Fall von weiteren Nichtleistungen behält sich der NWL vor, bereits kurzfristig Abschlagszahlungen an DB Regio zurückzuhalten.“ - is

Bahnkunden können sich telefonisch an den Kundendienst der Bahn wenden unter 0180 6 46 40 06 (20 Cent je Anruf) oder per Mail an die Adresse ran.nrw@bahn.de

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