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Einzelhandel in Meinerzhagen nicht überrascht

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Von: Jürgen Beil, Simone Benninghaus

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Im Betten- und Wäschefachgeschäft Lienenkämper wird die 2G-Regel bereits umgesetzt.
Im Betten- und Wäschefachgeschäft Lienenkämper wird die 2G-Regel bereits umgesetzt. © Benninghaus, Simone

Einkaufen? Für Ungeimpfte ist das künftig tabu. Der Zutritt zu Geschäften wird auf Geimpfte und Genesene beschränkt. Ausgenommen sind Läden des täglichen Bedarfs.

Meinerzhagen – 2G beim Shoppen – im Betten- und Wäschefachgeschäft Lienenkämper wird das bereits umgesetzt. „Wir machen das ab sofort“, kündigte Jan Lienenkämper am Freitagvormittag an. Seit die 3G-Vorgabe am Arbeitsplatz gelte, habe er diese Regelung auch für sein Geschäft eingeführt, berichtete Lienenkämper. „So wurden auch meine Mitarbeiter geschützt“, sagt Lienenkämper. Seine Kunden hätten Verständnis gezeigt. 2G sei vom Ablauf nun sehr ähnlich. Dass die Regelung erheblichen Mehraufwand bedeutet, verhehlt der Inhaber des Meinerzhagener Fachgeschäftes nicht. „Wenn ich jetzt in einem Beratungsgespräch bin und jemand kommt rein, muss ich erst zur Tür flitzen.“ Besonders für kleinere Geschäfte sei die Umsetzung aufwendiger, da mindestens zwei Mitarbeiter im Geschäft sein müssten. Für den Einzelhandel bedeuten 2G demnach Mehrkosten und zugleich Einbußen, wenn auf Kunden verzichtet werden muss, da Ungeimpfte nicht mehr in die Geschäfte kommen dürfen. „Da hat es sich die Politik etwas leicht gemacht.“ Eine Impflicht würde Jan Lienenkämper hingegen begrüßen. „Die macht Sinn. Dann hat man eine Chance, das Ganze in den Griff zu bekommen.“

Größerer Aufwand für den Einzelhandel

Dass die 2G-Regelung für den Einzelhandel größeren Aufwand bedeutet, sieht auch Buchhändler Wolfgang Schmitz so. „Aber irgendwas muss ja passieren“, meint der Geschäftsmann: „Und es ist besser als ein Lockdown. Das haben wir im letzten Jahr gehabt und es war nicht schön.“ Verglichen mit den Corona-Konsequenzen des vergangenen Winters könne man mit der Einführung einer 2G-Regel besser leben. Dass die Kunden nun am Eingang kontrolliert werden müssen, bedeute aber eben auch, dass mehr Personal eingesetzt werden müsse.

„Es wird schwieriger“

Ein Mehr-Aufwand, den nicht nur Schmitz befürchtet. „Es wird schwieriger“, befürchtet auch Jutta Huckestein, Filialleiterin des Schuhhauses Geller an der Oststraße. Das Weihnachtsgeschäft betreffe die Regelung zwar eher nicht – „Schuhe sind eher keine Weihnachtsgeschenke, höchstens Pantoffel oder Gutscheine“ – Umsatzeinbußen werde die Vorschrift allerdings nach sich ziehen, da ist sich Jutta Huckestein sicher. Und Ungeimpft seien in der Regel auch die Kinder. Damit sei das Risiko nach wie vor vorhanden. „Aber die Kinder sind sowieso die Leidtragenden der Pandemie.“

Jutta Huckeschlag schätzt, dass es wohl den meisten Einzelhändlern in Bezug auf die Einbußen ähnlich gehen werde, „und das, obwohl der Einzelhandel doch schon gebeutelt ist“. Im vergangenen Jahr habe es aufgrund des Lockdowns auch kein richtiges Weihnachtsgeschäft gegeben. Dass es in Supermärkten keine Einschränkungen gebe, in den übrigen Geschäften dagegen schon, „das kann ich nicht verstehen“, so Jutta Huckestein. „Die Gefahr besteht da doch auch“, meint sie. Im Schuhgeschäft Geller sei zudem die Fläche groß, „da können sich alle gut aus dem Weg gehen“.

Abwanderungen zum Online-Handel?

Marc Heyder vom gleichnamigen Foto-Fachgeschäft befürchtet durch 2G ebenfalls Umsatzeinbußen, Kunden könnten vielleicht zum Online-Handel abwandern. Aber er hat auch Verständnis. „Das war zwangsläufig wohl notwendig“, sagt Heyder. Wie die 2G-Kontrolle am Eingang durchgeführt wird, das hat der Geschäftsmann noch nicht abschließend festgelegt. Passfoto-Kunden dürfen übrigens laut Heyder weiter nach der 3G-Regel hereinkommen: „Das fällt in den Bereich Handwerk/Dienstleistungen, da findet die 3G-Regel dann Anwendung.“

Der heimische Foto-Spezialist will die beiden Bereiche in seinem Geschäft an der Hauptstraße nun trennen: „Die Passfotos könnten in der oberen Etage gemacht werden. Da gibt es auch einen eigenen Eingang.“ Und auch Ungeimpfte will Marc Heyder weiter zufriedenstellen: „Da wird es eine Möglichkeit geben, was die regelkonforme Bestellung und Übergabe der Waren betrifft.“ Die Kontrollen bedeuten für den Meinerzhagener natürlich eine Menge Mehraufwand. „Klar ist, dass wir 2G überprüfen müssen – und das, obwohl die Personaldecke bei uns nicht mehr so groß ist.“

„Nicht ganz einfach“

„2G wird für den Einzelhandel nicht ganz einfach“, befürchtet Peter Enders, Geschäftsführer von Mode Maiworm, der unter anderem in Meinerzhagen eine Filiale betreibt. Einerseits müsse auch aus seiner Sicht alles getan werden, damit die Impfquote steigt. Enders: „Ich hoffe, dass sich der eine oder andere dadurch entschließt, sich impfen zu lassen.“ Andererseits betont er, dass es gerade im Einzelhandel nahezu keine Infektionen gegeben habe – weil in den meisten Branchen ausreichende Abstände möglich waren und weil durchgehend eine Maskenpflicht herrschte.

Wie sich die 2G-Regel nun auf den Geschäftsbetrieb auswirkt? „Wir haben da keine Erfahrung. Die Frequenz wird vielleicht zurückgehen“, sagt Peter Enders. Immerhin: Wo zu Beginn der Herbstsaison noch viel Ware wegen Lieferproblemen in Containern statt im Laden lag, sind die Sortimente nun gut bestückt. Vor Ort gekauft werden können sie nun eben aber nur von 2G-Kunden.

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