Einzelhändler blicken voraus

Gute Geschäfte, böse Vorahnung

Marc Heyder (rechts) bekommt „Zahnschmerzen“, wenn er an die steigenden Infektionszahlen denkt.
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Marc Heyder (rechts) bekommt „Zahnschmerzen“, wenn er an die steigenden Infektionszahlen denkt.

Zwischen Hoffen und Bangen – so lassen sich die Gefühle von Marc Heyder beschreiben, wenn er in die Zukunft blickt.

Meinerzhagen – Der Inhaber des Foto-Fachgeschäftes an der Hauptstraße hat gerade einige gute Wochen hinter sich, in denen er fast ohne Einschränkungen seinen Geschäften nachgehen konnte. „Der Sommer war bisher recht gut“, stellt er fest.

Weniger Fotos

Allerdings hat die Pandemie immer noch Einfluss auf seinen Umsatz. Denn: „Die Menschen sind lange Zeit nicht in den Urlaub gefahren. Und auch Familienfeiern fanden kaum statt. Dadurch wurden und werden weniger Fotos gemacht – und das wirkt sich natürlich aus“, erläutert der Meinerzhagener Geschäftsmann, der deutlich weniger Fotos zu „abzuarbeiten“ hat. „Und auch im Kamerabereich hakt es“, macht Heyder deutlich, dass er von Normalität immer noch ein ganzes Stück entfernt ist. „Und das seit fast eineinhalb Jahren“, zieht er eine bittere Bilanz.

Probleme nach den Ferien

Und was wird die Zukunft bringen? „Bei diesem Thema bekomme ich Zahnschmerzen“, ist Marc Heyder wenig optimistisch. Zwar glaubt der Foto-Fachmann nicht, dass es noch einmal zu einem totalen Lockdown inklusive Schließung seines Geschäftes kommen wird, dass Corona bald ganz verschwindet, kann er sich aber auch nicht vorstellen: „Ich rechne damit, dass es nach den Sommerferien vermehrt Probleme geben wird. Die Infektionszahlen im Ausland zeigen die Richtung an, in die es auch bei uns gehen könnte. Und dann bekommen die Einzelhändler als erste massive Probleme. Dann wird es wieder Einschränkungen geben. Allerdings glaube ich auch, dass es durch die steigende Zahl an Geimpften nicht so schlimm kommen wird, wie wir es schon erlebt haben.“

Ein Problem bereitet Heyder aber schon jetzt Kopfschmerzen: „Es zeichnet sich ab, dass Schnelltests bald nicht mehr kostenlos durchgeführt werden. Und wer zahlt erst 20 Euro für einen Test und kauft anschließend einen Bilderrahmen?“, fragt sich der Geschäftsmann. Er fügt allerdings hinzu: „Bei größeren Anschaffungen, wie beispielsweise einer neuen Kamera, wird sich das wohl nicht so negativ auswirken.“

Testpflicht kommt zu spät

Gute Umsätze, gute Stimmung bei den Kunden. Jan Lienenkämper vom gleichnamigen Betten- und Wäsche-Fachgeschäft an der Hauptstraße ist im Moment zufrieden, auch wenn aus seiner Sicht nicht alles optimal läuft: „Ich bin enttäuscht, dass die Regierung erst jetzt die Testpflicht für Urlaubsrückkehrer aus dem Ausland einführt. Das hätte nicht in der Mitte der Sommerferien, sondern davor passieren müssen. Man muss doch gewusst haben, dass die Zahlen durch diesen Reiseverkehr steigen.“

Dass es im Einzelhandel bald wieder zu Schließungen kommen wird, damit rechnet Lienenkämper aber nicht. „Dann würde wohl eine Klagewelle auf die Regierung zurollen, eben weil die Testpflicht zu spät umgesetzt wurde“, glaubt er.

Verunsicherung steigt

Auch wenn die Inzidenz im Land seit einigen Wochen wieder den fast normalen Kundenverkehr zulässt, hat sich im Geschäft von Jan Lienenkämper nicht viel geändert, verglichen mit den Zeiten, in denen strengste Vorschriften galten. „Wir haben immer noch nicht alle unsere Umkleidekabinen geöffnet, sondern nur zwei von drei vorhandenen. Maske, Abstand und Desinfektion der Hände – darauf achten wir nach wie vor. Und wenn sich schon viele Kunden im Geschäft aufhalten, bitten wir neue Kunden, draußen ein wenig zu warten“, erläutert der Geschäftsmann.

Dass die steigenden Infektionszahlen die Kunden beeindrucken, das glaubt Jan Lienenkämper aber schon jetzt: „Die Verunsicherung steigt“, hat er festgestellt, schränkt allerdings auch ein: „Ich gehe einmal davon aus, dass die meisten Menschen, die in unser Geschäft kommen, inzwischen doppelt geimpft sind.“

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