Plädoyer für eine „einmalige Gelegenheit“

So könnte er einmal aussehen, der Platz vor der Meinerzhagener Stadthalle, wo jetzt noch die vierspurige Straße „An der Stadthalle“ verläuft. - Fotos: Müller

MEINERZHAGEN -   Nur die ersten Reihen blieben im Otto-Fuchs-Saal der Stadthalle bei der Einwohnerversammlung leer, die nach einer Unterschriftensammlung gegen die Umbaupläne im Stadthallenumfeld und einer kontroversen öffentlichen Diskussion in der letzten Ratssitzung angekündigt worden war.

Von Luitgard Müller

„Obwohl in den letzten zwei Jahren versucht wurde, umfassend über die Planungen zu informieren, besteht offensichtlich immer noch ein deutliches Bedürfnis“, begründete Bürgermeister Erhard Pierlings diese Entscheidung. Der Dialog mit den Bürgern sollte deshalb im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen.

Dreieinhalb Stunden hatten die Bürger Gelegenheit, den an der Planung beteiligten Fachleuten, Hans-Rainer Runge (Verkehrsplanung), Christoph Gruny (Landschaftsbau), Volker Bünermann (Straßenbau), Friedrich Rothaar und Jürgen Tischbiereck (Technischer Service der Stadt) sowie Anna Lerch und Jutta Gruss-Rinck vom Architekturbüro ASS für Stadtplanung und Stadtentwicklung Fragen zu stellen.

Letztere erläuterte einmal mehr das Regionale 2013-Projekt „Oben an der Volme“, das unter der Federführung des beauftragten Planungsbüros ASS von den vier Gemeinden Meinerzhagen, Kierspe, Halver und Schalksmühle gemeinsam entwickelt wurde, um diese Region über ihre Grenzen hinaus konkurrenzfähig zu etablieren. Im März des vergangenen Jahres wurde ihm als detailliert ausgearbeitetes und realisierungsfähiges Konzept der dritte Stern verliehen, womit der bevorzugte Zugang zu Fördermitteln für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen, darunter auch die Neugestaltung des Stadthallenumfeldes, eröffnet wurde. Insgesamt wollen Kommunen, Bund, Land, die Bahn und weitere Träger von Projektbausteinen 65 Millionen Euro in Städtebau, Infrastruktur, Kultur, Ökologie und Tourismus investieren.

„Damit haben wir die einmalige Möglichkeit, strukturelle Probleme anzugehen. Ohne diese Fördermittel, insgesamt 17 Millionen, davon für Meinerzhagen rund fünf Millionen, entwickeln wir gar nichts“, machte Pierlings klar. Die geplante Umgestaltung stehe unter der Überschrift „Urbanisierung“ in Zusammenhang mit der Wiedereröffnung der Volmetalbahn, die bereits ab 7. Dezember wieder verkehren soll, dem Bau des ZOB und der Fußgängerbrücke zur Weststraße, der Aufwertung des Parks und der Villa, dem Bau des Volmetalradweges, dem Quartiersmanagement, der Offenlegung der Volme und der Einstellung eines Kulturmanagers. Alles Maßnahmen, die als Ganzes betrachtet werden müssten, mit dem Ziel, die Stadt und die Region künftig attraktiver und wettbewerbsfähig zu gestalten und auch junge Menschen an sie zu binden. Ein Schritt, der auch von den gut aufgestellten Unternehmen vor Ort erwartet werde, da die Lebens- und Aufenthaltsqualität am Arbeits- und Wohnort für den Zuzug von Fachkräften heute entscheidend sei. Für die Eigentümer, die bei dieser Entwicklung auch Verantwortung übernehmen müssten, rechne sich jeder investierte Euro, zeigte sich der Bürgermeister überzeugt.

Den Argumenten einer Befürworterin des geplanten Bürgerbegehrens, mit dem die Umgestaltung verhindert werden soll, hielt er entgegen: „Wenn sie die Frage die auf den ausliegenden Listen gestellt wird, nämlich ,Soll das Umfeld der Stadthalle betreffend Verkehrsführung und architektonischer Gestaltung in seiner derzeitigen Form bzw. Aufteilung erhalten bleiben?’ mit ,Ja’ beantworten lassen, zementieren sie damit sie derzeitigen Verhältnisse. Dann bleibt es die nächsten 20 bis 30 Jahre so, wie es ist. Das ist das Ende jeder Bürgerbeteiligung.“

Die soll es, so Pierlings, in Form einer Ideenwerkstatt und eines Wettbewerbs bei der konkreteren Gestaltung, nach erfolgtem Ratsbeschluss bereits Ende des Jahres geben. „Wir reden hier in keiner Weise über ein bereits fertiges Produkt“, betonte er.

Zur Kernfrage der Finanzierung, die mit vier Millionen veranschlagt ist, wovon die Stadt einen Eigenanteil von 1,3 Millionen tragen wird, sagte der Bürgermeister: „Die Finanzplanung ist bereits aufgestellt, ausgewiesen und vom Rat beschlossen.“

Bedenken äußerten die interessierten Bürger zum geplanten Kreisverkehr im Bereich Hauptstraße, Linden- und Birkeshöhstraße, wo es aufgrund der Steigung im Winter zu Verkehrsproblemen kommen könne. Volker Bünermann erläuterte dazu, dass sich an den jetzigen Gegebenheiten kaum etwas ändere, die Steigung sich eher um ein bis zwei Prozent verringere. Diese Stelle werde zudem bereits heute von den Räumfahrzeugen bevorzugt angefahren, ergänzte Jürgen Tischbiereck.

Zur geplanten Verkehrsregelung durch eine Ampel an der Einmündung der neuen Straße hinter der Stadthalle erklärte Hans-Rainer Bunge, dass ein Kreisverkehr hier nicht möglich sei, ohne die Volme erneut zu deckeln und Parkplätze zu reduzieren. Der Wegfall von Parkplätzen östlich der Stadthalle würde durch neue Parkplätze auf der anderen Seite wieder aufgefangen. Da der Markt nach der Baumaßnahme vor der Stadthalle stattfinde, könne zudem auch auf seinem augenblicklichen Standort geparkt werden.

Ein weiteres Thema war die Fußgängerbrücke vom ZOB zur Weststraße. Wie Friedrich Rothaar erläuterte, sei eine andere Lösung nicht machbar und viel zu kostspielig gewesen, da die Brücke sonst in fünf Metern Höhe hätte gebaut werden müssen, ohne eine Möglichkeit der Anbindung auf der anderen Seite der Weststraße, da das Grundstück in Privatbesitz sei. Der Fußgängerüberweg, der vor allem von den Schülern des Gymnasiums genutzt wird, sei daher in einer Breite vom zehn bis zwölf Metern und einer kurzgeschalteten Ampel vorgesehen.

Neben kritischen Stimmen waren aber auch zustimmende Äußerungen zu hören. Kreisdirektorin Barbara Dienstel-Kümper, die sich hier als Valberter Bürgerin zu Wort meldete, freute sich, dass es nun mit dem Flair der 70er Jahre, der an ein orange-grün gekacheltes Bad und Fototapeten denken ließe, vorbei sein. Eine Äußerung, die mit viel Applaus quittiert wurde.

Eine weitere Bürgerin, die zufälligerweise auch noch das Schlusswort bei der Versammlung hatte, brachte es so auf den Punkt: „Wenn ein Häuslebauer sein Eigentum mit, sagen wir 50 000 Euro, in Schuss bringen will und dabei 40 000 Euro vom Staat bekommen kann, ist klar, wie er sich entscheiden wird“.

Die detaillierten Planungen sind auch im Internet einzusehen unter der Adresse www.meinerzhagen.de auf der Homepage der Stadt.

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