Mehr Vernetzung im Lennetal?

Einstimmiger Beschluss: Meinerzhagen im Zukunftsnetz Mobilität

+
Mathis Perkert von der Koordinierungsstelle Westfalen stellte das „Zukunftsnetz Mobilität NRW“ bei der jüngsten Ratssitzung vor.

Meinerzhagen - Auto, Bus und Bahn, Fahrrad, die eigenen Beine – wer im ländlichen Raum mobil sein möchte, hat die Wahl. Die ist allerdings durchaus eingeschränkt, denn Mobilität in Meinerzhagen und ähnlich kleinen Städten hat ihre Grenzen.

Das gilt erst recht für die bequeme Erreichbarkeit der nächsten Ballungszentren an Rhein und Ruhr, trotz Reaktivierung der Bahnstrecke nach Köln. 

Ein Zeichen setzten die Politiker im Stadtrat deshalb bei der Ratssitzung am Montag. Sie beschlossen ohne Gegenstimme, dass Meinerzhagen Mitglied im „Zukunftsnetz Mobilität“ wird. Dazu wird eine Rahmenvereinbarung mit der Westfälischen Verkehrsgesellschaft in Münster geschlossen. 

Vernetzung vor Ort

Und worum geht es dabei? Das erläuterte Mathis Perkert von der Koordinierungsstelle Westfalen des Zukunftsnetzes. Ziel ist laut Perkert die Vernetzung vor Ort und darüber hinaus. Die Städte sollen in Sachen Verkehr „entwickelt“ werden, Kontakte zu anderen Kommunen spielen dabei eine große Rolle. Finanziert wird das alles durch das Land Nordrhein-Westfalen. Die Mitgliedschaft im Zukunftsnetz ist für Meinerzhagen dabei kostenlos.

Mehr Mobilität bei weniger Kfz-Verkehr – ein wichtiges Handlungsfeld der Kooperationspartner. „Klimawandel, demografische Entwicklung, Verkehrssicherheit und Ressourcenknappheit stellen die Kommunen vor diese Herausforderung“, erläuterte Perkert, der selbst im Volmetal die Schule besuchte und deshalb mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut ist. 

Neue Radwege, E-Bike-Ladestationen, optimierte Linienbus-Taktungen und Pendler-Parkplätze – das sind nur einige Beispiele für mögliche Aufgabenbereiche des Zukunftsnetzes. Dabei möchten die Mitglieder des Zusammenschlusses durchaus über Stadtgrenzen hinweg schauen.

Gebündelt werden die Ideen dann im Zukunftsnetz, in dem Meinerzhagen seit Montag ebenfalls „mitmischt“. Etwas sperrig wird in der Sitzungsvorlage dazu ausgeführt: „ Das Netzwerk hat das Ziel, Kommunen bei der Initiierung des kommunalen Mobilitätsmanagements zu unterstützen. 

Diese Unterstützung erfolgt insbesondere durch Beratung zur verwaltungsinternen Prozessgestaltung, durch Vernetzung mit anderen Kommunen, mit Fortbildungen und mit konkreten Angeboten zu zielgruppenspezifischen Mobilitätsmaßnahmen. Weiterhin sind durch das Land geförderter Maßnahmen des Mobilitätsmanagements häufig nur Mitgliedern des Zukunftsnetzes Mobilität eröffnet.“

Ein bisschen Skepsis bleibt

Lässt sich durch die Meinerzhagener Mitgliedschaft im Zukunftsnetz in der Stadt wirklich etwas zum Positiven ändern, was die Vernetzung der Verkehrsströme betrifft? Da ließ sich während der Ratssitzung durchaus Skepsis erkennen. Rolf Puschkarsky (SPD) beispielsweise nahm klar Stellung: „Mir fehlt der Glaube. Für strukturschwache Gebiete ist bislang schon wenig herumgekommen. Werdohl wird kein ICE-Haltepunkt, Hagen wird zeitweise vom ICE-Verkehr abgekoppelt. Über eine solche Rahmenvereinbarung zum Zukunftsnetz ist das alles wohl kaum zu lösen. Aber trotzdem: Wir sollten es versuchen.“ Und Rainer Schmidt (SPD) gab zu bedenken: „In Sachen besserer Vernetzung mit dem Raum Köln und dem Ruhrgebiet können wir hier vor Ort nichts machen.“ 

„Mehr als ein Lippenbekenntnis“

Mathis Perkert allerdings glaubt durchaus an einen gewissen Einfluss kleinerer Kommunen durch den Zusammenschluss Zukunftsnetz: „Wir sind bestens vernetzt und haben auch Kontakte zu den Verkehrsverbünden. Es gibt eine Menge zu tun, aber wir sind auf einem guten Weg.“ Perkert verwies außerdem darauf, dass auch der Märkische Kreis Mitglied im Zukunftsnetz sei.

Thorsten Stracke (CDU) sieht in der Meinerzhagener Mitgliedschaft „mehr als ein Lippenbekenntnis“. Er stellte fest, dass mittlerweile auch finanzielle Mittel in den ländlichen Raum fließen würden. Raimo Benger (UWG) findet die Kosten-Nutzen-Analyse für die Stadt in Sachen Zukunfstnetz sogar optimal. „Das ist eine positive Entwicklung, es kann nur besser werden. Machen“, sagte er. 

Das Schlusswort hatte Mathis Perkert: „Ich selbst habe praktisch mein ganzes Leben lang auf die Reaktivierung der Volmetalbahn gewartet. Es gibt Felder, da dauert es halt lange. Aber es gibt jetzt große Fördertöpfe und man kann durchaus einiges bewegen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare