Drogendelikt

Einspruch erfolgreich: Aus Haft- wird eine Bewährungsstrafe

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Vor dem Amtsgericht Lüdenscheid wurde gegen den 36-jährigen Meinerzhagener verhandelt.

Meinerzhagen - Erfolg mit seinem Einspruch gegen ein Urteil des Amtsgerichts Lüdenscheid hatte ein 36-jähriger Meinerzhagener: Eine Berufungskammer des Landgerichts wandelte die gegen ihn wegen eines Drogendelikts verhängte Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten in eine Bewährungsstrafe um.

Der Angeklagte sei zwar mehrfach vorbestraft, stellte die Vorsitzende Richterin Claudia Oedinghofen in ihrer Urteilsbegründung fest. Doch die abgeurteilte Straftat liege inzwischen „erhebliche Zeit“ zurück. Und seit dem Urteil des Amtsgerichts habe der Angeklagte keine weiteren Straftaten begangen. 

Es war eine nächtliche Szenerie, die zu dem Ermittlungsverfahren gegen den Angeklagten geführt hatte: Die Polizei stellte ihn am 14. Februar 2017 nach einer Verfolgungsfahrt durch Meinerzhagen und einem kleinen Unfall an der Moschee. 

Paket mit 326 Gramm Marihuana

Im Kofferraum seines BMW fanden die Beamten ein „fußballgroßes“ Paket mit 326 Gramm Marihuana, dessen Kraut einen Wirkstoffgehalt von 17,4 Prozent aufwies. Das Landeskriminalamt rechnete vor, dass darin rund 57 Gramm Hydrocannabinol (THC) enthalten waren – rund 3800 Konsumeinheiten oder auch das Siebeneinhalbfache des strafrechtlich bedeutsamen Grenzwerts zur „nicht geringen Menge“. 

Im Landgericht erzählte der Angeklagte noch einmal die Vorgeschichte zu seiner ganz persönlichen Schmerztherapie: Bei der Verbüßung einer früheren Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Fröndenberg habe ihn der bekannte Anstaltsarzt und Krimidarsteller Joe Bausch nach einem – zunächst nicht erkannten – Blinddarmdurchbruch gerettet. Danach habe er durch eine Infektion an schmerzhaften Magen- und Darmproblemen gelitten, die er durch das Cannabiskraut gelindert habe. 

"In beruflicher Hinsicht stabilisiert"

Tatsächlich gab es keine Hinweise darauf, dass der 36-Jährige das Zeug auch weiterverkauft hatte – außer der großen Menge, die eigentlich jenseits des möglichen Eigenbedarfs lag. Auch Cannabiskraut kann vergammeln oder vertrocknen. Die Wartezeit bis zur Berufungsverhandlung hatte der Meinerzhagener genutzt, um sich beruflich auf eigene Füße zu stellen und seine beträchtlichen Schulden nach und nach abzubauen. 

„Ich habe keine Zeit, über irgendetwas nachzudenken, weil ich nur am Arbeiten bin“, erklärte er der Kammer. Arbeitsumfang und Ertrag schienen sich noch nicht so ganz zu entsprechen. Es gebe aber Aussicht auf höhere Bezüge bei seinem Spielhallen-Job und außerdem einen Plan B, erklärte er: „Ich möchte mich absichern mit einem Facharbeiterbrief als Zerspanungsmechaniker.“

Die Vorsitzende Richterin zeigte sich irritiert darüber, dass der Angeklagte darüber hinaus keine Ergebnisse von Drogenkontrolluntersuchungen vorlegen konnte, um zu dokumentieren, dass er dem Cannabis tatsächlich abgeschworen habe. Dennoch folgte die Kammer am Hagener Landgericht den Anträgen von Staatsanwalt und Verteidiger und setzte die Strafe zur Bewährung aus. „Der Angeklagte hat sich auch in beruflicher Hinsicht stabilisiert“, stellten die Richter fest.

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