Medikamenten-Rückruf: Wer jetzt besser zum Arzt gehen sollte

+

Meinerzhagen - In der Behandlung von Bluthochdruck ist er für viele Ärzte der Wirkstoff Nummer eins: Valsartan hat sich bewährt „und ist ein sehr gutes Mittel“, sagt Dr. Holger Reimann, Sprecher der Meinerzhagener Ärzte. Doch einige Medikamente mit eben diesem Wirkstoff wurden jetzt europaweit zurückgerufen. Sie stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.

Betroffen sind Mittel, die den Stoff Valsartan des chinesischen Herstellers Zhejiang Huahai Pharmaceuticals enthalten. Produktionsbedingt sind sie laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit N-Nitrosodimethylamin verunreinigt.

Diesen Stoff haben sowohl die Europäische Union als auch die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft.

Beliebteste Präparate offenbar nicht betroffen

Wie der Branchendienst Deutsche Apothekenzeitung (DAZ) vermeldet, sind Präparate der Hersteller Novartis (Entresto, Exforge, Exforge HCT, Diovan, Codiovan, Dafiro, Dafiro HCT, Provas, Provas Comp), TAD Pharma (Valsacor, Valsacor comp) und Mylan (Valsartan dura, Valsartan/HCT Mylan) ausdrücklich nicht von dem Rückruf betroffen. 

Damit sind auch jene Präparate (Valsacor und Valsartan) offenbar unbedenklich, auf die laut Arzneimittelverordnungsreport 2017 im Jahr 2016 fast 60 Prozent der Tagesdosen entfielen. Doch die Liste der betroffenen Präparate (siehe Info-Kasten) ist lang und umfasst unter anderem Chargen so renommierter Firmen wie Hexal oder Stada. 

Betroffene Patienten schlecht identifizierbar

Für Ärzte wie Holger Reimann ist ungewiss, welcher Patient tatsächlich ein infrage kommendes Medikament verabreicht bekommen hat: „Die Apotheken sind verpflichtet, die von den Krankenkassen rabattierten Produkte auszugeben“, erklärt der Meinerzhagener Allgemeinmediziner. Entscheidend ist der Wirkstoff, den der Arzt verschreibt, nicht der Markenname eines Herstellers. 

Daher informiert etwa die Praxis von Holger Reimann nun sämtliche Patienten, die Valsartan verschrieben bekommen haben, über den Rückruf. „In unserem Fall sind das 98 Personen“, sagt der Mediziner, der aber auch alle anderen Bluthochdruck-Patienten aufruft, ihren Arzt aufzusuchen und sich über ihr Medikament zu informieren. 

„Auf jeden Fall wird geraten, das Medikament auf keinen Fall sofort abzusetzen. Das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, ist unweit größer als die Gefahr, wirklich eine betroffene Charge einzunehmen und daran zu erkranken“, betont Holger Reimann abschließend.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare