Tag der Einheit auch Tag der offenen Moschee

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Rund 20 deutsche Besucher kamen am „Tag der offenen Moschee“ in die Türkisch-Islamische Gemeinde in Meinerzhagen. ▪

MEINERZHAGEN ▪ „Seit 1997 ist der „Tag der Deutschen Einheit“ auch der „Tag der offenen Moschee“, begann Bürgermeister Erhard Pierlings seine Grußworte in der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Meinerzhagen.

„Die islamische Bevölkerung ist in Deutschland so zu Hause, wie alle anderen auch.“ Es ginge nicht darum, sich voneinander abzugrenzen, auch nicht, um jemanden auszugrenzen. Eine falsch verstandene Integration führe dazu, dass von diesen Menschen erwartet werde, ihre eigenen Wertvorstellungen aufzugeben. Dabei befand Bürgermeister Erhard Pierlings, dass es viele gemeinsame Wertvorstellungen in beiden Religionen gebe. Die Worte des Bundespräsidenten Christian Wulff empfand er treffend, der sagte: „Lasst uns gemeinsam das Neue weben, das uns zusammen hält.“

Gut 20 Frauen und Männer, die der Türkisch-Islamischen Gemeinde nicht angehören, waren gestern zum „Tag der offenen Moschee“ gekommen, um sich ein Bild von ihren Mitbürgern und Nachbarn zu machen. Als sie kamen, waren die Muslime in ihrem Betraum gerade dabei, ihr Mittagsgebet zu halten. Die zumeist christlichen Besucher konnten in einem eigens dafür vorgesehenen Teil des Raumes diesem Gebet folgen. „Assalamu Alaikum, Friede sei mit Ihnen“, so wurden sie anschließend von der türkischen Gemeinde begrüßt. Aytac Emercan vom Vorstand der Türkisch-Islamischen Gemeinde gab ihnen einen Überblick über das Verständnis der Muslime zu ihrer Religion. „Auf fünf Säulen steht unser Glaube“, begann er mit seinen Erklärungen. „Die erste Säule ist das Pilgern nach Mekka, die zweite Säule das Glaubensbekenntnis, die dritte Säule das Fasten im Ramadan, die vierte Säule fünfmal täglich zu beten und die fünfte Säule, 1/40 seines Einkommens für den Nächsten abzugeben.“ Diese fünf Glaubenssäulen erklärte er den Anwesenden und begann außerdem, die Räume der Moschee zu beschreiben. So erwähnte er, dass 1986 die Türkisch-Islamische Gemeinde in Meinerzhagen gegründet worden sei und eine ehemalige Autowerkstatt erworben habe, die 1992 umgebaut wurde. 1999 wurde der Komplex noch einmal erweitert. Heute ist in ihm nicht nur ein Gebetsraum, auch ein soziales Begegnungszentrum und eine Koranschule haben Platz in ihm.

„Seit dem 17. Juni werden bei uns die Predigten zum großen Teil in deutscher Sprache gehalten“, wies er auf die neuesten Veränderungen in der Gemeinde hin. „Ein Grund liegt auch darin, dass wir transparenter sein wollen. Wir wollen auch etwas zum Dialog zwischen den Deutschen und Türken beitragen.“ Das Wort Islam bedeutet übersetzt Friede, das ist es, was wir Muslime in Meinerzhagen wollen.

In einer „Fragestunde“ interessierte es die deutschen Besucher, ob es bei den Muslimen ähnlich wie bei den Christen unterschiedliche Glaubensrichtungen gebe. Auch wollten sie wissen, wie ihre Einstellung zu Gewalttaten sei. Aytac Emercan gab darüber Auskunft, dass die Meinerzhagener der sunnitischen Richtung angehörten, die etwa 80 Prozent der Muslime ausmachten. Ihr Verständnis von Gewalt sei ein ganz anderes, als das der radikalen Glaubensbrüder, die ihrer Meinung nach den Koran falsch auslegen würden.

Nach einer ausgiebigen Aussprache waren die deutschen Besucher von den Meinerzhagener Muslimen zu einem gemeinsamen Mahl eingeladen, welches die türkischen Frauen mit viel Liebe zusammen gestellt hatten. ▪ GeG

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