Eine „Zeitreise“ nach Ihne

+
Die Ortschaft Ihne stand im Mittelpunkt der Geschichtswerkstatt, die diesmal vor allem von den Einwohnern des Ortes besucht wurde. ▪

IHNE ▪ Die rund 60 Besucher der Geschichtswerkstatt, die diesmal im Gemeindehaus der Freien evangelischen Gemeinde in Ihne stattfand, konnten gar nicht genug bekommen von der Zeitreise, auf die sie der Vorsitzende des Heimatvereins, Christian Voswinkel, am Donnerstagabend mitgenommen hatte.

Ein bedauerndes Raunen ging durch die Reihen, als das letzte Foto der Ortschaft Ihne und seiner Bewohner von der Leinwand verschwand. Denn viele hatten auf den zahlreichen alten Aufnahmen Familienmitglieder, Verwandte und Bekannte erkannt und in Erinnerungen geschwelgt.

Christian Voswinkel zeigte in seinem Vortrag die Entwicklung der Ortschaft auf und ging auf die Familien ein, die damit eng verknüpft sind. 40 Jahre bevor Katasterkarten angelegt wurden, im Jahre 1790, erscheint der Ort zum ersten Mal als kaum mehr als eine Handvoll Häuser, die kaum zuzuordnen sind, auf einer Zeichnung. Auf einem Umriss von 1830, der beim Kreisarchiv Lüdenscheid käuflich erworben werden kann, sind den wenigen Häusern und Grundstücken bereits Steuerklassen zugeordnet und mit den Namen der Eigentümer vermerkt, darunter auch der Familienname Ihne, nach der der Ort benannt ist und durch den, wie häufig in Valbert, die märkisch-westfälische Grenze verlief.

Das älteste Bild von 1908 zeigte die tief verschneite Ortschaft mit der Wormger Mühle im Hintergrund. Auszüge aus einer Schulchronik ließen das Leben annodazumal lebendig werden. Sie berichtet auch von dem Brand, dem 1847 die meisten Häuser zum Opfer fielen und bei dem auch die heute vermutlich 300 Jahr alte Linde halb ausbrannte.

Bis auf wenige Handwerker, Stellmacher und Schreiner, waren die meisten Ihner Landwirte. Durch die Erbfolge wurden die Felder und Wiesen ständig kleiner. Wie ein bunter Flickenteppich umgeben sie den Ort auf einer Karte aus dem Jahre 1926.

Doch nach dem zweien Weltkrieg ändert sich das Bild. Industrie siedelte sich an, und das typische Bild des Bauern, der mit einem Ochsengespann seine Felder bestellt, verschwindet. Bald findet sich in dem Bauerndorf keine Kuh mehr. Die Chaussee nach Attendorn wird ausgebaut, während die Wegeführung sich kaum verändert.

1881, nach dem Bau einer Schule mit Lehrerwohnung, wird Ihne zum Schulort für die Kinder aus dem Ort, aus Spädinghausen, Wiebche, Pütthoff und Worbscheid. Bis 1968 wurde der Schulbetrieb fortgeführt, obwohl bereits weitere Schulen hinzukommen waren. Auf Klassenfotos sieht man, wie die Schülerzahl von gut 60 auf den ältesten Aufnahmen immer weiter abnimmt.

Wer mehr erfahren möchte über das Leben in Ihne, seine Häuser, Bewohner und besondere Ereignisse, kann in der bereits erwähnten Schulchronik nachlesen, die im Stadtarchiv einzusehen ist.

Luitgard Müller

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare