Eine „Plattform für Zukunftschancen“

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Die Azubis des Hotel/Restaurants Berkenbaum gaben einen Einblick in den praktischen Teil ihrer Arbeit. ▪

MEINERZHAGEN/KIERSPE ▪ Manch ein Schüler war heute gezwungen, allerlei Illusionen bezüglich der eigenen beruflichen Zukunft aufzugeben

So wurde beispielsweise der Karrierewunsch „Rapper“ – zur Enttäuschung einiger junger Besucher – bei der Ausbildungsbörse in der Stadthalle nicht berücksichtigt. Wer allerdings etwas Flexibilität und Offenheit bewies, konnte sich dort bei 37 Unternehmen über deren Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten informieren und sich individuell beraten lassen.

Die Stadtmarketingvereine von Meinerzhagen und Kierspe hatten die Ausbildungsbörse in diesem Jahr zum dritten Mal gemeinsam ausgerichtet und freuten sich über eine positive Resonanz: Der Kiersper Bürgermeister Frank Emde betonte in seiner Eröffnungsansprache die hohe Bedeutung der Veranstaltung als „Plattform für Zukunftschancen“ und sicherte auch eine Fortsetzung der Börse im nächsten Jahr zu: Die Stadthalle „platze aus allen Nähten“ – daher sei es sinnvoll, Unternehmen wie auch interessierten Schülerinnen und Schülern weiterhin die Chance zu geben, Werbung zu machen und Kontakte zu knüpfen.

Den potenziellen Azubis und Studenten, die sowohl von Haupt-, Real- und Förderschule als auch von Gesamtschule und vom Gymnasium in die Stadthalle gekommen waren, wurde ein vielfältiges Angebot präsentiert: Die bunte Palette der Firmen reichte von der Zahnärztekammer über die Meinerzhagener Stadtwerke bis hin zum Kiersper Gasthof „Haus Berkenbaum“, dessen Auszubildende Sarah Liesenhoff und Sjard Behnke mit interessierten Schülerinnen und Schülern sogar kleine Kanapees zubereiteten. „Wir möchten hier aber auch beweisen, dass eine Ausbildung im Gastronomiebereich nicht nur Kochen bedeutet“, so Stefanie Pieper, Küchenchefin von „Haus Berkenbaum“, „es gibt im Gastronomiebereich beste Einstellungschancen in zahlreichen Fachbereichen.“

Auch die Firma „Fuchs“ war natürlich als größtes heimisches Unternehmen vertreten: Der stellvertretende Ausbildungsleiter Stefan Küster lockte mit einem ausgestellten Porsche Spider mit den charakteristischen „Fuchs-Felgen“ Besucher zum betriebseigenen Stand. Dort informierten er und der Leiter der Personalentwicklung, Stefan Laartz, über Ausbildungsmöglichkeiten und Plätze in Verbundsstudiengängen, die „Fuchs“ jährlich an vier Abiturienten vergibt.

Über ihre Universitäten und Ausbildungsmöglichkeiten gab außerdem die Bundeswehr Auskunft: Hier waren Stabsfeldwebel Stefan Bongardt und Hauptfeldwebel Daniel Kusmierczyk „im Einsatz“: „Für uns ist es wichtig, Präsenz zu zeigen – seit die allgemeine Wehrpflicht abgeschafft wurde, ist es für uns deutlich schwieriger geworden, junge Menschen für die Bundeswehr zu begeistern“, so Bongardt. Nichtsdestotrotz war der Stand der beiden stets gut besucht.

Die Vertretung der Kreispolizei erfreute sich ebenfalls größter Beliebtheit: Bernd Losert, Erster Polizeihauptkommissar und Markus Müller, Polizeioberkommissar, informierten über Karriereaussichten beim „Freund und Helfer“ der Öffentlichkeit. Mit dem Werbespruch „Weiblich, intelligent, sportlich, sucht...“ ging es hier auch auf „Frauenfang“: „Vorurteile sind bei uns längst überholt“, meint dazu Markus Müller, „und Frauen haben in vielen Situationen einfach eine deeskalierende Wirkung. Deshalb sind sie bei uns immer willkommen. Das läuft bei uns alles sehr gleichberechtigt ab“, so der Polizist.

Trotz aller positiven Aspekte der Ausbildungsbörse gab es in Bezug auf die Qualität mancher Bewerber einen Konsens zwischen vielen Unternehmen: Sowohl die schulischen Leistungen als auch die soziale Kompetenz der jungen Aspiranten habe sich in den vergangenen Jahren eher zum Negativen entwickelt. So erklärte Stefan Laartz, dass in seinem Unternehmen mittlerweile „Knigge-Kurse“ für Auszubildende durchgeführt werden: „Gutes Benehmen ist längst nicht mehr selbstverständlich.“

Pia Dworaczek von der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen machte ähnliche Erfahrungen: Sie findet, dass es einem Teil ihrer Bewerber an Offenheit und Kommunikationsfähigkeit gemangelt habe. „Das ist aber unerlässliche Voraussetzung für den Beruf als Bankkaufmann oder -frau“. Und auch Stefanie Pieper von „Haus Berkenbaum“ meint, dass es nicht nur um gute Schulabschlüsse geht: „Es ist vor allem eine Sache der Teamfähigkeit und der Motivation“, so die Küchenchefin. ▪ juli

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