„Runder Tisch“ diskutiert Flüchtlingshilfe

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Mitarbeiter der Verwaltung und der Vorstand des „Mittendrin“ gaben Auskunft über die Situation der Flüchtlinge und sammelten Anregungen. Von links Silvia Markus, Hans-Erich Schmidt, Hermann-Josef Lobner, Rolf Puschkarsky und Matthias Scholand.

Meinerzhagen -  Das Interesse an der Situation der Flüchtlinge in Meinerzhagen und die Bereitschaft, daran mitzuarbeiten diese zu verbessern, war größer als erwartet. Die Veranstaltung, zu der der Vorstand des Sozialen Bürgerzentrums „Mittendrin“ eingeladen hatte, hatte aufgrund der großen Beteiligung kurzfristig in den Ratssaal verlegt werden müssen.

Von Luitgard Müller

Der Vorsitzende Rolf Puschkarsky freute sich über die zahlreichen Anregungen und konkreten Vorschläge und Angebote, die die Teilnehmer bei dieser ersten Sitzung bereits unterbreiteten.

Hans-Erich Schmidt, Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales, erläuterte die derzeitige Situation. Nach 40 neuen Zuweisungen seit Oktober 2013 sind in Meinerzhagen zurzeit 127 Flüchtlinge aus 34 Nationen untergebracht. 71 Prozent sind alleinstehende Männer im Alter von 19 bis 40 Jahren. Weiterhin sechs Familien mit jeweils drei bis sieben Personen und eine Mutter mit Baby. Sie sind in einem Schlichthaus an der Schlenker Straße, an der Immecker Straße, der Notunterkunft in Wilkenberg sowie in zahlreichen Wohnungen, die die Baugesellschaft kurzfristig und unbürokratisch zur Vermietung zur Verfügung gestellt habe, untergebracht. Jeweils 13 kommen aus Eritrea und Algerien, zehn aus dem Libanon, alle weiteren aus unterschiedlichen Nationen. Die zehn schulpflichtigen Kinder besuchen Meinerzhagener Schulen. Der Verwaltung obliege vor allem die Sicherung der Grundbedürfnisse dieser Menschen, weitere individuelle Hilfe und Unterstützung könne aus personellen Gründen und aufgrund der mangelnden Information über die bisherigen Lebensverhältnisse, Sprachkenntnisse, Bildungsstand und Qualifikation, über die nur die Ausländerbehörde verfüge, die diese aufgrund des Datenschutzgesetzes nicht preisgeben dürfe, nicht geleistet werden, machte Schmidt deutlich.

Eine zentrale Anlaufstelle, eine „Kontaktbörse“, in der diese Informationen auf freiwilliger Basis erhoben und alle Hilfsangebote und -möglichkeiten gesammelt und gebündelt werden könnten, wünschten sich die Teilnehmer der Runde. Dazu bedürfe es neben ehrenamtlicher Hilfe, die mit einen kontinuierlichen Aufwand an Zeit, Kraft und Geld verbunden sei, auch professioneller Hilfe, möglicherweise durch hauptamtliche Mitarbeiter der Sozialverbände, die bereits mit der Problematik und Aufgabenstellung vertraut seien. Die Hilfe solle strukturiert und prozessorientiert erfolgen. Die Vermittlung von Sprachkenntnissen und Unterstützung bei der Kommunikation mit Behörden seien besonders wichtig. Dabei müssten viele Flüchtlinge auch bei vorhandenem Sprachverständnis erhebliche Hemmschwellen überwinden, da sie durch den Umgang mit Ämtern und Uniformierten in ihren Heimatländern traumatisiert seien.

Es müsse eine Willkommenskultur geschaffen werden, in der die Flüchtlinge nicht mehr als unerwünscht und Problem, sondern als Chance begriffen würden. „Wir brauchen diese Menschen, eigentlich haben wir noch viel zu wenig Zuwanderer in Meinerzhagen“, formulierte ein Teilnehmer wohl die Auffassung der meisten Anwesenden – nicht zuletzt auch im eigenen Interesse. Wie Wirtschaftsforscher deutlich gemacht hätten, benötige Deutschland künftig jährlich den Zuzug von mindestens 500 000 Menschen, um die Wirtschaftskraft und den augenblicklichen sozialen Standard dauerhaft zu sichern. Bereits jetzt drohe ein massiver Fachkräftemangel. Die Landesregierung wolle weitere 93 Millionen Euro für die Flüchtlingsproblematik ausgeben, berichtete der SPD-Landtagsabgeordnete Gordan Dudas der Versammlung, machte gleichzeitig aber wenig Hoffnung, dass davon viel in Meinerzhagen ankommen werde.

Ein weiterer Runder Tisch ist für den 17. Dezember ab 18.30 Uhr im „Mittendrin“ am Prumbomweg geplant. Dazu wird ein hauptamtlicher Mitarbeiter eines Sozialverbandes eingeladen, der der Initiative weitere Informationen für das geplante Projekt liefern soll.

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