Aktion "Miteinander - Füreinander"

Ehrenamtliche bringen Mitglieder im eigenen Awo-Taxi zu Arztterminen und Treffen

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Zum Team der ehrenamtlichen Awo-Fahrer gehören auch Hartmut Stumpe, Susanne Berndt, Gerd Hegemann, Rolf Puschkarsky, Klaus Fischer und Walter Lüsebrink (von links).

Meinerzhagen – Ein Termin beim Augenarzt, eine Untersuchung im Krankenhaus – für ältere Menschen ein Problem, wenn die Praxis nicht am Ort ist, sie kein Auto haben oder selbst nicht mehr Auto fahren können. Helfen kann dann ein Anruf bei der Awo.

„Wir sind für unsere Mitglieder da“, sagt Awo-Ortsvereinsvorsitzender Rolf Puschkarsky. „Wir“, das sind die Ehrenamtlichen, die sich für die Aktion „Miteinander – Füreinander“ engagieren. Als Fahrer und Helfer, damit ältere Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen beispielsweise ihre Arzttermine wahrnehmen oder aber auch die Veranstaltungen im Awo-Treff an der Stadthalle besuchen können. 

Die Aktion „Miteinander – Füreinander“ besteht bereits seit mehr als zehn Jahren. Die Frage einer älteren Dame habe damals den Ausschlag gegeben, erinnert Rolf Puschkarsky. Wie sie denn eigentlich zur Awo komme, habe die Seniorin wissen wollen. Einfache Frage, große Wirkung. 

„Da haben wir uns gesagt, dass wir hier etwas für unsere Mitglieder tun müssen. Wir stehen füreinander ein, wir unterstützen uns gegenseitig“, berichtet der Awo-Vorsitzende. Dank zahlreicher Sponsoren können die Fahrten für die Awo-Mitglieder mit dem ortsvereinseigenen Fahrzeug durchgeführt werden. 

„Wenn es eng wurde, haben wir aber auch schon unsere eigenen Autos genutzt“, berichtet Rolf Puschkarsky, der sich freut, dass im Sommer ein neues „Awo-Taxi“ in Dienst gestellt werden kann. Das aktuelle Fahrerteam bilden Gerd Hegemann, Hartmut Stumpe, Walter Lüsebrink, Michael Wolf, Klaus Fischer, Reinhard Mohn, Jochen Görlitz, Fred Menge, Rolf Puschkarsky und Susanne Berndt. Die meisten von ihnen sind selbst schon im Ruhestand, haben Zeit.

Fahrten sind Dienst am Nächsten

„Dienst am Nächsten“ seien die Fahrten für ihn, bringt es Walter Lüsebrink auf den Punkt. So einfach sei das. „Ich habe Zeit und mit den Fahrten kann ich anderen helfen.“ Zeit ist es auch, die die Fahrer investieren müssen. Denn Arzttermine, das wissen die Awo-Chauffeure aus eigener Erfahrung, können dauern. 

Trotzdem lohne es sich meist nicht, von Lüdenscheid, Attendorn oder Halver wieder nach Meinerzhagen zu fahren. Einen Kaffee trinken, eine Runde durch die Stadt – „wir warten dann einfach“, erzählt Klaus Fischer. Für ihn eine Selbstverständlichkeit. Und mitunter komme es auch vor, dass kleine Einkäufe oder der Besuch der Apotheke auf dem Weg gleich mit erledigt würden. „Wichtige Lichtpunkte im gesellschaftlichen Umgang und Handeln“, nennt Rolf Puschkarsky das.

Allein 246 Fahrten im Jahr 2018

Meist sind es Senioren, die das Fahrtenangebot für Awo-Mitglieder in Anspruch nehmen. „Man merkt, dass immer Dankbarkeit rüberkommt“, freut sich Klaus Fischer, wenn die ehrenamtliche Hilfe gewürdigt wird. Ein Dankeschön – mehr muss es gar nicht sein. „Manchen ist es sogar unangenehm, wenn wir auf sie warten müssen“, weiß Fahrer Klaus Fischer. 

Spürbar sei auch der Fachärztemangel, ergänzt Rolf Puschkarsky. Besonders seit nicht mehr so viele Fachärzte vor Ort seien, seien vor allem ältere Menschen auf Hilfe angewiesen. „Das merkt man schon.“ 

Auch für Hartmut Stumpe sind die ehrenamtlichen Touren eine Selbstverständlichkeit. Und wer heute hilft, bekommt vielleicht auch irgendwann einmal selbst Hilfe: „Ich selbst könnte das Angebot ja auch einmal brauchen“, denkt der 72-Jährige, der zu den Fahrern der ersten Stunde gehört und der ebenso wie Walter Lüsebrink auch als „Essen auf Rädern“-Fahrer unterwegs ist, vorausschauend. 

Mehrmals in der Woche sei der Awo-Caddy unterwegs. Fünf, sechs Fahrten, schätzt Susanne Berndt, die derzeit die Organisation in Vertretung für Gudrun Sablotny übernommen hat, würden wöchentlich durchgeführt. Dazu gehöre auch der Abhol- und Bringdienst zu den Awo-Treffen dienstags und donnerstags. 

"Jeder fährt wie er Zeit hat"

Insgesamt 246 Fahrten zu Kränkenhäusern, Ärzten und Aktionen im Awo-Treff wurden allein im vergangenen Jahr durchgeführt. Einen festen Fahrdienstplan gibt es nicht. „Jeder fährt wie er Zeit hat“, erklärt Susanne Berndt das System. Die meisten Fahrten können etwa eine Woche im Voraus geplant werden. „Und manchmal wird uns nach dem Arztbesuch auch gleich der nächste Termin in einem halben Jahr genannt.“ 

Dass kurzfristig um Fahrhilfe gebeten werde, komme eher selten vor. „Bis jetzt haben wir es aber immer geschafft, das Angebot aufrecht zu erhalten“, freuen sich Rolf Puschkarsky und seine Mitstreiter. Selbst bei Schnee sei man bisher immer problemlos durchgekommen. Da habe er allerdings einmal Schwierigkeiten gehabt, eine ältere Seniorin nach Hause zu fahren, erinnert sich Gerd Hegemann: „Wir haben kurz vor ihrem Haus eine Stunde auf der Straße gestanden und kamen nicht vorwärts.“ 

Zeit für Gespräche sei bei den Fahrten ohnehin oft. „Viele Fahrgäste freuen sich, wenn sie mit uns unterwegs sind, weil sie viel alleine sind“, weiß Rolf Puschkarsky und Vorstandskollegin Susanne Berndt ergänzt: „Man muss schon ein gutes Ohr haben.“ Der Meinerzhagener Ortsvereinsvorsitzende betont aber auch, dass die Awo kein Taxiunternehmen sei. „Das Angebot richtet sich an unsere Mitglieder und das ist auch mit den heimischen Taxiunternehmen abgesprochen, die unsere Aktion ebenfalls unterstützen.“ 

Miteinander und füreinander einstehen – das ist Rolf Puschkarskys großer Wunsch. Daher sind auch neue Helfer im Fahrerteam gern gesehen. Über „junge Senioren“ freut sich die Gruppe. Wer im Ruhestand ist, sei ein geeigneter „Kandidat“, denn dann könne man sich die eigene Zeit einteilen und mit dem ehrenamtlichen Engagement eine neue Aufgabe finden.

Kontaktmöglichkeit

Wer sich für die ehrenamtliche Tätigkeit als Fahrer bei der Arbeiterwohlfahrt Meinerzhagen interessiert, kann sich mit Rolf Puschkarsky, Tel. 0151/16838185, oder Susanne Berndt, Tel. 0172/2301986, in Verbindung setzen.

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