Viele gute Nachrichten aus der kleinen Slum-Schule

+
In einem Kellerraum im Haus der Familie Nicolay lagern afrikanischen Kunstgegenstände wie diese Krippe, die bald auf heimischen Weihnachtsmärkten verkauft werden sollen.

MEINERZHAGEN -   Zuerst, vor vielen Jahren, waren sie „Einzelkämpfer“ für die gute Sache, inzwischen zieht ihre Hilfsbereitschaft weite Kreise. Das Ehepaar Karin und Fritz Nicolay aus Echternhagen freut sich, dass sich immer mehr Menschen für ihre Slum-Schule im Elendsviertel der kenianischen Hauptstadt Nairobi einsetzen.

Von Jürgen Beil

Vom 18. Oktober bis zum 4. November besuchten die Nicolays „ihre“ Kinder von der Hupendo-Schule erneut, diesmal hatten sie „Verstärkung“ mitgebracht. Darunter auch ein Ehepaar aus Rinkscheid und befreundete Lehrerinnen aus Halver, Lüdenscheid und Aachen.

„Die Lage an der Schule hat sich inzwischen stabilisiert. Aber natürlich darf man nicht vergessen, dass die Einrichtung in einem Slum liegt. Unsere Begleiter waren dann auch regelrecht erschrocken, als sie die Zufahrt zu unserer Schule sahen. Doch die Einrichtung selbst ist wie eine Oase. Dort ist alles sauber und ordentlich“, berichtet Fritz Nicolay.

400 bis 450 Kinder und Jugendliche gehen inzwischen zur Hupendo-Schule, jetzt baute der erste Jahrgang dort sogar das Abitur. „Und das ist in Kenia wirklich nicht einfach“, erzählen die Nicolays. „Die einheitlichen Prüfungsaufgaben werden von der Regierung an die Schulen geliefert. Dort stehen während der Prüfungen dann Wachleute vor den Räumen und lassen niemanden hinein. Gerade als wir kamen lief die Prüfung. Als wir uns den Gebäuden näherten, wurden auch wir argwöhnisch beobachtet.“ Alles ging schließlich aber problemlos über die Bühne und jetzt hoffen Karin und Fritz Nicolay, dass ihre Schützlinge zum besten Drittel des Landes gehören. „Dann werden ihre Namen in den Zeitungen veröffentlicht – eine gute Voraussetzung, um einen Job zu finden.“

Der 44-jährige Schuldirektor Alfred Nyrere und sein Kollegium haben aber auch noch einen weiteren Grund, sich zu freuen. Von der Organisation „Labdoo“ in Mühlheim bekamen die Nicolays 20 gebrauchte und überholte Laptops, die an die Slum-Schule geliefert wurden. Damit haben die Kinder und Jugendlichen nun die Möglichkeit, modernes Arbeitsgerät im Unterricht einsetzen zu können. An der Schule selbst steht ein weiteres wichtiges Projekt an: Regenrinnen sollen an den Gebäuden angebracht werden. Damit, so die Planungen, kann Niederschlagswasser aufgefangen werden. Für die Versorgung der Schulgemeinde mit Flüssigkeit ein wichtiger Meilenstein. In Kenia brennt nicht immer die Sonne, es kann auch kalt werden. Dann kommen die Wollmützen zum „Einsatz“, die die Nicolays diesmal ebenfalls im Gepäck hatten. Die Kopfbekleidung wurde von Frauen aus dem Volmetal gestrickt. Einen Lichtblick gibt es auch in Sachen Stromversorgung: Die Leitungen liegen bis zur Hupendo-Schule, jetzt müssen die Gebäude noch angeschlossen werden.

Und eine Zusage freut die Nicolays besonders: „Wir haben einen Sponsor gefunden, der die Schulverpflegung für ein ganzes Jahr bezahlt“, berichten die Echternhagener. Der Wohltäter kommt aus Essen, möchte aber offiziell nicht in Erscheinung treten. „Er hat Kontakt mit uns aufgenommen und gesagt, dass es für ihn an der Zeit sei, mal wieder etwas zu tun.“

Eine Feststellung ist den Nicolays besonders wichtig: „Wir nehmen ausschließlich Slumkinder auf, die auch kommen dürfen, wenn sie kein Schulgeld bezahlen können. Zur Not springen wir dann selbst ein. Die Schule ist an keine Konfession gebunden. Es handelt sich um eine Privatschule, die von der Regierung anerkannt und dort auch registriert ist.

Viel Geld ist nötig, um die Einrichtung weiter betreiben zu können. Wie in den vergangenen Jahren verkaufen Karin und Fritz Nicolay deshalb auch in diesem Jahr wieder mitgebrachte afrikanische Kunstgegenstände auf diversen Weihnachtsmärkten in der Umgebung. Vom 29. November bis zum 1. Dezember steht ihr Stand in Halver, am 30. November auf dem „Markt der guten Taten“ in Lüdenscheid. Am 7. und 8. Dezember wird in Kierspe verkauft und vom 11. bis 15. Dezember in Attendorn. In Valbert und Meinerzhagen hingegen sind die Nicolays nicht mit von der Partie. „Dort hätten wir eine eigene Hütte aufbauen müssen. Das ist in unserem Alter zu strapaziös“, mussten die Planungen „begraben“ werden.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare