In Stadtbücherei haben E-Books (noch) keine Chance

Leiterin Karin Leßmeier (links) und viele Kunden bevorzugen „normale“ Bücher. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Mia wird bald drei Jahre alt. Und sie ist gern in der Stadtbücherei in der Stadthalle.

Gemeinsam mit ihrer Mama stöbert sie regelmäßig im Kinderbuch-Bestand.

Was sie hier besonders interessiert sind die Wimmelbücher. Die haben große Bilder und man kann herrlich Alltagsszenen anschauen, in denen es von Menschen, Tieren und Häusern nur so wimmelt. Kaum vorstellbar, dass Mia statt des dicken Buches einen kleinen Flachbildschirm in der Hand hält und sich die „Wimmelszenen“ dort betrachtet. Doch die Geschmäcker sind unterschiedlich. Mias Papa beispielsweise mag solche E-Books – im Gegenteil zu ihrer Mutter, die regelmäßig zu Gast in der Stadtbücherei ist.

Sind E-Books trotzdem die Zukunft? Für Karin Leßmeier, Leiterin der Stadtbücherei in der Stadthalle, zumindest kurzfristig nicht. Die ablehnende Haltung der Bibliothekarin ist teilweise im rein gegenständlichen Unterschied begründet: „Bücher sind etwas Sinnliches. In ihnen zu blättern ist schön. Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, an einem Bildschirm zu lesen.“

Dabei ist die Nutzung von E-Books einfach: Ganze Bücher können aus dem Internet auf den handlichen Tablet-PC heruntergeladen werden. Ob auf Reisen oder Zuhause – gegen ein Entgelt lässt sich beinahe beliebig Literatur „beschaffen“. In der Stadtbücherei gibt es allerdings noch keine E-Books zur Ausleihe. „Die sind in meinen Augen ohnehin ein eigenes Medium und keine direkte Konkurrenz zum Buch“, meint Karin Leßmeier. Einen großen Vorteil der Bücherei sieht sie auch darin, dass mit den Kunden Beratungsgespräche geführt werden können. „Das Internet hingegen ist ein anonymer Kramladen, der Kontakt zum Leser fällt dabei flach.“ Und so ein Tablet-PC ist Karin Leßmeier „einfach zu schmal“, im Gegensatz zum Buch.

Vom weitaus überwiegenden Teil ihrer Leserschaft sieht sich Karin Leßmeier in dieser Haltung bestätigt. „Aber es ist ja nicht so, dass wir keine so genannten neuen Medien haben. Im Bestand von 24 215 Medien finden sich 2700 Non-Book-Medien wie DvDs, in diesem Bereich verzeichneten wir im Jahr 2011 insgesamt 13 270 Ausleihen.“

Zumindest kurzfristig werden die Meinerzhagener in der Stadtbücherei also keine E-Books ausleihen können. Dass sich das irgendwann doch einmal ändern wird, mag auch Karin Leßmeier nicht ausschließen. „Es gibt zwar keine aktuellen Planungen in diese Richtung, aber bei den E-Books besteht schon ein gewisser gesellschaftlicher Druck.“ Sollte es dann doch einmal zur Einführung der gar nicht mehr so neuen Technik kommen, könnte sich die Meinerzhagener Büchereileiterin eventuell einen Verbund mehrerer Büchereien vorstellen. „Darüber wäre zu gegebener Zeit nachzudenken.“

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