Durchschnittlicher Sommer

Wirklich schönes Freibadwetter hat es in diesem Sommer nur an einigen wenigen Tagen gegeben. Trotzdem sind die Daten bislang nicht ganz so katastrophal wie es das persönliche Gefühlsbarometer vieler Menschen, die sich nach Sonne sehnen, ausdrückt. ▪ Archivfoto

MEINERZHAGEN ▪ Der Sommer 2011 macht seinem Namen bislang wenig Ehre. Wenig Sonnenschein, viel Regen. Dabei hatte ein außergewöhnlich sonnenscheinreicher und niederschlagsarmer Frühling im Anschluss an eine diesmal zwar wieder schneereichen und zeitweise sehr kalten, dafür aber nur vergleichsweise kurze Winterperiode die Hoffnung auf mehr schöneres Wetter in der Ferien- und Urlaubszeit geweckt. Wie fällt die bisherige Bilanz aus? Die MZ informierte sich bei den Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Frankfurt und sprach auch mit dem Betreiber der DWD-Messstelle in Meinerzhagen, Reinhard Hinz.

„Deutschland konnte 2011 einen sommerlichen Frühling genießen: Kein Frühjahr seit Beginn der Messungen brachte mehr Sonnenschein und nur der Frühling 2007 war wärmer. Allerdings hat es seit 1893 in den Monaten März, April und Mai auch nicht mehr so wenig geregnet.“ So die Bilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mit Ablauf des Monats Mai nach Auswertung der Daten der rund 2000 deutschlandweit verteilten Messstellen. Zum Messnetz gehört auch die von Reinhard Hinz in Meinerzhagen-Redlendorf betriebene Station, der Anfang Juni im Gespräch mit der MZ den bundesweiten Trend auch für die Volmestadt bestätigen konnte: „Ungewöhnlich trocken und warm war der Frühling auch in unseren Breiten. Es fielen insgesamt nur 70,1 mm Niederschlag in drei Monaten. Mit einer Maximaltemperaratur von 24 Grad war es schon am 23. April sommerlich warm.“

Das machte dann Hoffnung auf einen auch schönen Sommer. Doch dieses Erwartungen sollten zumindest in den ersten beiden Sommer-Monaten nicht in Erfüllung gehen: „Der Juni war zwar im Schnitt zu warm, vor allem aber recht wechselhaft und der sechste zu warme Monat in Folge in diesem Jahr. Nur in der ersten und letzten Dekade konnten sich die Bürger über wenige sommerliche Tage freuen. Ab dem 27. Juni bescherte eine kurze, aber heftige Hitzewelle Deutschland die bisher höchsten Temperaturen des Jahres. Im restlichen Monat überwog eine sehr unbeständige, zeitweise auch etwas kühlere Witterung, in deren Verlauf örtlich extreme Wetterereignisse wie Gewitter, Starkregen, Hagel und orkanartige Böen auftraten“,. meldet der Deutsche Wetterdienst und stellt weiter fest: „Im Juni ging eine teilweise extreme viermonatige Dürreperiode zu Ende. Mit rund 85 Litern pro Quadratmeter (l/m²) wurde das für Deutschland im Juni typische Soll von 85 l/m² genau erreicht. Am 18. und 19. brachte das vom Atlantik zur Ostsee ziehende Tief Fabian vor allem Norddeutschland herbstlich anmutendes stürmisches, kühles und niederschlagsreiches Wetter.“

Deutschland erlebte dann einen trüben, besonders im Südwesten kühlen und vor allem im Osten nassen Juli. Dazu der DWD: „Es war der erste zu kühle Monat in diesem Jahr. Im Vorjahr hatte der Juli noch mit viel Sonnenschein und großer Hitze aufgetrumpft. Mit rund 114 Litern pro Quadratmeter (l/m²) übertraf die durchschnittliche Regenmenge im Juli 2011 den Klimawert von 78 l/m² um 48 Prozent. Kennzeichnend für den Monat waren Tiefdruckgebiete mit zahlreichen Niederschlagstagen und Starkregenfällen. Vor allem Tief Otto, das eine nahezu kreisrunde Zugbahn über Mitteleuropa einschlug, sorgte vom 19. bis zum 24. in einigen Teilen Deutschlands für viel Regen. Betroffen war am 19. Mittelfranken mit bis zu 103 l/m² wie in Gräfenberg-Kasberg, am 20. die Oberlausitz mit bis zu 98 l/m² in Kubschütz, am 21. das östliche Brandenburg mit bis zu 68 l/m² in Müncheberg und am 22. Mecklenburg mit bis zu 111 l/m² in Rostock-Warnemünde. 50 km weiter nord-östlich lag der nasseste Ort im Juli 2011: Mit 291 l/m² übertraf die Regenmenge in Barth den alten Stationsrekord um mehr als das Doppelte.

In Deutschland lag das Sonnenscheinmittel im Juli 2011 mit 162 Stunden um 22 Prozent unter dem Soll von 209 Stunden. Die Meteorologen des DWD konnten so den ersten sonnenscheinarmen Monat in diesem Jahr verbuchen. Es war der acht trübste Julimonaten seit Messbeginn 1951. Am längsten zeigte sich die Sonne im Süden und Osten. Rheinfelden am Hochrhein erreichte mit 230 Stunden den Spitzenplatz. Deutschlandweites Schlusslicht war übrigens die märkische Kreisstadt Lüdenscheid mit nur 119 Stunden.

Und die Bilanz für Meinerzhagen? „Nicht ganz so schlimm, eher im Normalbereich“, resümiert Wetterbeobachter Reinhard Hinz von der DWD-Messstelle in Redlendorf. Dazu die Fakten: Im Juni 128,3 Liter Niederschlag, an 28 Tagen zumindest zeitweise Sonnenschein, an 21 Tagen auch Regen. Mit 30 Grad war die höchste Temperatur am 28, Juni, die niedrigste mit 13,1 Grad am 25. Juni. Der Juli dann mit nur 19 Sonnen-, dafür 20 Regentagen und insgesamt 147,5 Litern Niederschlag, was deutlich über dem Monatsdurchschnitt von 120 Litern liegt. Davon brachte ein heftiger Gewitterschauer am 28. Juli in nur etwa 30 Minuten allein knapp 30 Liter. Am 24. Juli mit nur 11,3 Grad war es noch einmal empfindlich kalt. Die höchste Temperatur wurde am 12. Juli mit 26 Grad verzeichnet.

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