Drei Wochen Praxis statt Theorie

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Die Praktikantinnen fühlen sich im Kindergarten an der Otto-Fuchs-Straße wohl. ▪

MEINERZHAGEN ▪ Drei Wochen nicht in die Schule gehen. Das hört sich für viele Schüler in Meinerzhagen wahrscheinlich erstmal sehr gut an. Für 59 Neuntklässler der Hauptschule heißt das aber zurzeit teilweise „noch“ früher aufstehen oder bis in den Abend arbeiten. Denn die Schüler absolvieren derzeit ihr Betriebspraktikum in Betrieben, Arztpraxen, Geschäften oder Restaurants der Umgebung.

Erfreulich ist dabei aus Sicht der Schule, dass fast alle Jugendlichen sich ihre Praktikumsstelle selbst ausgesucht haben. So auch der 16-jährige Julian Vollmerhaus, bei dessen Wunsch in einem Restaurant in den Beruf des Kochs hineinzuschnuppern, Familie und Freunde zunächst den Kopf schüttelten. „Weißt du denn, was da für Arbeitszeiten auf dich zukommen“, fragten auch die Mitschüler. Doch Julian war sich sicher und fühlt sich bei seiner dreiwöchigen Arbeitsstelle, dem Restaurant Máro in der Stadthalle, gut aufgehoben. Hier kümmert sich der Jugendliche schon selbstständig um das Salatbüfett. Arbeiten wie Spülen, Geschirr wegräumen und das Säubern des Arbeitsplatzes gehören natürlich auch zu seinen Aufgaben. „Ich habe das schon lange überlegt und ich koche sehr gerne“, beschreibt Julian seine Beweggründe als Koch zu arbeiten. Ob es sein Berufswunsch bleibt, will der 16-Jährige erst nach Ablauf des Praktikums entscheiden. Gelernt hat der Schüler schon einiges. Zum Beispiel wie man schnell und richtig mit den sehr scharfen Messern umgeht oder wie zwei Teller gleichzeitig auf dem Arm transportiert werden.

Kyra Pawlowski hat sich bei ihrem Praktikum für eine ganz andere Aufgabe entschieden. Die 16-Jährige arbeitet in den drei Wochen in der Kleintierpraxis von Christian Klaus. Den Ausschlag gaben dafür ihre eigenen Tiere (Kaninchen, Wellensittiche) und natürlich ihre Tierliebe. „Hier gibt es jeden Tag etwas Besonderes“, weiß Kyra zu berichten und man merkt ihr an, dass ihr die Arbeit mit Schildkröten, Hunden oder Katzen gefällt. Ihr Aufgabenbereich ist natürlich begrenzt, doch mit Hilfstätigkeiten wie dem Anreichen von Instrumenten oder dem Festhalten der tierischen Patienten macht sich die junge Frau nützlich. So hat sich auch ihr Berufswunsch Tiermedizinische Fachangestellte schon verfestigt. Auch ihr Chef Christian Klaus ist mit der Hilfe von Kyra zufrieden. „Wir nehmen regelmäßig Praktikanten auf“, sagt der Tierarzt, „und sind in der Regel zufrieden“. Ausnahmen gibt es natürlich auch: So konnte ein Praktikant kein Blut sehen. Mit Kyra ist Klaus aber sehr zufrieden: „Bei ihr merkt man das Interesse“.

Auch Gülcan Yorulmaz, Lemonia Stavridou und Eveline Warkentin sind glücklich mit der Wahl ihres Praktikumsplatzes. Alle drei helfen im Kindergarten an der Otto-Fuchs-Straße und kommen vor allem bei den kleinen Schützlingen gut an. So werden sie von den Kindern schonmal mit einem Bild überrascht. Gülcan freute sich sogar schon über eine kleine Liebeserklärung. Die Schülerinnen sind dabei wenn gesungen, gebastelt, geturnt und gegessen wird. Die Jugendlichen helfen außerdem bei der Vorbereitung von Aktionen und in der Hauswirtschaft. Als schwierig erweist sich für die jungen Helferinnen noch das Streitschlichten. „Sind sie da nicht konsequent, wickeln sie die Kinder um den kleinen Finger. Wichtig ist auch, dass die Praktikanten offen auf die Kinder zu gehen“, so die Kindergartenleiterin Edda Dahlhaus. ▪ ds

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