Sicherer „Hafen“ Haus Nordhelle

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Christian Graf (links) freut sich, dass Adel Suliman (2. von links), Azat Suliman (3. von links) und Mhamad Bakar (rechts) in Valbert in Sicherheit sind. Fady Salama von der Stadt (2. von rechts) übersetzte die Geschichte der drei Flüchtlinge.

Valbert - „Deutsche sind nicht aggressiv. Das sind nette Leute, die offen sind für Ausländer.“ Mhamad Bakar sagt das. Er ist 20 Jahre alt, kommt aus Syrien und wohnt seit einigen Tagen in Haus Nordhelle in Valbert. Dort besucht er aber keine Tagung. Bakar ist Flüchtling und er ist der Überzeugung, in Meinerzhagen willkommen zu sein.

Zusammen mit Azat Suliman (26) und dessen Vetter Adel Suliman (39) wurde der junge Mann kürzlich im Evangelischen Tagungszentrum untergebracht. Nordhelle-Geschäftsführer Christian Graf erläutert, wie es dazu kam: „Bürgermeister Nesselrath suchte eine Unterkunft – wir konnten eine bieten. Mit unserer großen Immobilie wollten wir damit auch ein Zeichen setzen, wenngleich wir natürlich wissen, dass das nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist.“ Untergebracht sind die drei Syrer in der ehemaligen Hausmeisterwohnung.

Und wie gefällt es ihnen in Haus Nordhelle? Der Ägypter Fady Salama von der Stadt Meinerzhagen übersetzt die Antwort von Adel Suliman: „Sehr gut. Das ist wirklich ein bisschen wie Urlaub.“ Der 26-Jährige war in seiner Heimat Vorarbeiter auf dem Bau und möchte möglichst schnell auch in Deutschland arbeiten. Diesen Wunsch teilt er mit Mhamad Bakar, nach eigener Aussage gelernter Koch. Azat Suliman hat noch keine Berufsausbildung: „Ich habe mein Französisch-Studium im sechsten Semester abgebrochen“, erzählt er. In Haus Nordhelle greifen die Syrer freiwillig auch schon einmal zu Besen oder Rasenmäher, um ihre Gastgeber zu unterstützen. Auf Dauer – da sind sich alle drei sicher – sind Beruf, eine eigene Wohnung und das Nachholen der Familie aber die wichtigsten Ziele. Denn: „Nach Syrien zurückzukehren, das kann ich mir zurzeit überhaupt nicht vorstellen“, meint Mhamad Bakar.

Die drei Freunde haben eine teilweise lebensgefährliche Reise nach Deutschland hinter sich. Bereits vor drei Jahren flohen sie aus dem schwer umkämpften Homs in die Türkei. 15 Tage habe das zu Fuß gedauert, erinnert sich Bakar. Im Nachbarland sei man aber trotz des langen Aufenthaltes und dem Erlernen der Sprache nie richtig heimisch geworden. „Wir haben uns von den Einheimischen oft sogar bedroht gefühlt“, denkt Bakar zurück. Deshalb habe man schließlich entschieden, sich auf den Weg nach Deutschland zu machen – eben auch wegen des guten Rufes, den das Land bei Syrern genieße.

Mit dem Schlauchboot, so Bakar, sei man aufgebrochen, um Griechenland zu erreichen. Das habe geklappt, auch wenn mitten auf dem Meer das Benzin ausgegangen sei. „Ein Boot der UN mit vorwiegend niederländischer Besatzung hat uns zum Glück aufgefischt und auf eine griechische Insel in der Ägäis gebracht.“ Von dort aus ging die beschwerliche Reise weiter. Bakar: „An der Grenze zu Mazedonien haben wir – zusammen mit 5000 anderen Flüchtlingen – massive Gewalt erlebt. Neun Stunden hat der Fußweg in das Nachbarland gedauert, weil wir stets vorsichtig sein mussten.“

Die beste Zeit habe man dann in Serbien erlebt: „Dort war die Polizei nett. Man hat uns einfach durchgewinkt.“ Das Glück währte nicht lange, denn bereits in Ungarn, so die drei Syrer, habe man wieder Probleme bekommen. Bakar: „Wir hätten dort einen Antrag auf Asyl stellen können. Das hat aber niemand gemacht – aus Angst, in Ungarn bleiben zu müssen.“ Eine Ungarin habe schließlich angeboten, sie nach Deutschland zu fahren. „400 Euro hat sie von uns pro Person kassiert. Sie hat dann ein Taxi gerufen, wir sind zehn Kilometer gefahren und mussten aussteigen. Aber in Deutschland waren wir nicht...“

Weitere 500 Euro kostete es laut Bakar, bis das ersehnte Reiseziel in Passau endlich erreicht wurde. „Der Besitzer eines Hotels in Budapest hat uns für dieses Geld dorthin gebracht“, erinnern sich die drei Freunde. 2500 Euro von dem in der Türkei verdienten Geld habe man am Ende pro Person bezahlt, um das Ziel der Träume zu erreichen. Nun fehlt nur noch die Familienzusammenführung auf sicherem Boden zum großen Glück.

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