49. Dorffest

Steinwurf statt Gewehrkugel: Wer wird neuer König in Wilkenberg?

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In Wilkenberg wird mit Steinen auf den Holzvogel geworfen.

Meinerzhagen – Beim Dorffest in Wilkenberg werden zur Ermittlung der neuen Regenten Schusswaffen strikt abgelehnt. Alle Bewerber werfen mit Steinen auf den Holzvogel. Das hat einen Grund.

Man schrieb das Jahr 1956. Und in Wilkenberg wurden mehrere Auerhähne ausgesetzt. Das Ziel der Aktion: Die seltenen Vögel sollten im Sauerland wieder angesiedelt werden.

Ein Federvieh konnte seine Freiheit allerdings nicht lange genießen. Es wurde erschossen – von einem Bauern, der das seltsame Geschöpf mit einem Adler verwechselte und aus Sicherheitsgründen zur (geliehenen) Flinte griff. Dieses tragische Geschehen hat Auswirkungen bis in die heutige Zeit. Denn: Beim Dorffest in Wilkenberg werden zur Ermittlung der neuen Regenten Schusswaffen seitdem strikt abgelehnt. Alle Bewerber werfen mit Steinen auf den Holzvogel. 

Am kommenden Wochenende ist es nun wieder so weit: Das 49. Dorffest mit dem Vogelwerfen beginnt am Samstag um 14 Uhr. Eine halbe Stunde später greifen die Kinder dann zu den Steinen, mit denen sie dem Vogel zu Leibe rücken. Ab 17.30 Uhr ist die Jugend an der Reihe. Und ab 19 Uhr können sich die Gäste beim Vogelwerfen austoben. Wie es sich für ein Dorffest gehört, wird der Samstag mit einem zünftigen Festabend abgeschlossen, bei dem zu den Klängen der „Rockfabrik“ auch getanzt werden darf. 

Die Wilkenberger Dorfgemeinschaft startet den zweiten Festtag am Sonntag ab 11 Uhr mit dem Frühschoppen inklusive Königspokalwerfen. Ab 13 Uhr wird dann das amtierende Königspaar an seiner Residenz abgeholt. Kaffee und Kuchen gibt es ab 14.30 Uhr. Und dann folgt der Höhepunkt des Festes: Um 15.30 Uhr beginnt das Königs-Vogelwerfen. Bis 18 Uhr sollte der neue Wilkenberger Regent möglichst ermittelt sein, denn dann ist die Krönung geplant. Das muss gefeiert werden – und zwar mit einem weiteren Festabend samt Tanz. Für Musik sorgt auch am Sonntag wieder die „Rockfabrik“. 

Amtierender König ist zurzeit übrigens Frank Metzler, an seiner Seite regiert Königin Edith Metzler. Jugendkönig ist Alexander Bischkopf, das Kinderkönigspaar bilden Tim Hortmann und Julie Bienert. 

Der Landwirt, der 1956 irrtümlich den vermeintlichen Adler erlegte, kam damals übrigens mit einem blauen Auge davon: Dass er sich der Tötung eines geschützten Vogels schuldig gemacht hatte, erfuhr er, als er seine Beute zum Ausstopfen zum Präparator brachte. Letztendlich endete die Angelegenheit vor Gericht und dort in zweiter Instanz mit einem Freispruch.

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