Differenzierungskurs begeistert mit Theater

+
Zarte Bande und Gefühlschaos stellten die Schülerinnen und Schüler eindrucksvoll dar. ▪

MEINERZHAGEN ▪ „Wie stellt ihr euch die Zukunft vor“ – so lautete die dem Differenzierungskurs Kunst-Musik-Theater der Stufe acht vor einem Jahr gestellte Aufgabe.

„Die gucken schon sehr optimistisch; unterschwellig sind aber auch Ängste da“, beschreibt Christian Erdmann, der mit seinem Kollegen Thomas Erdmann das Projekt von der Fragestellung bis zum Unterrichtsergebnis leitete, die Einschätzung der Schüler. „Bis Ostern ging es um die Grundprinzipien des Theaters. Entstanden ist dann eine kompakte, vielschichtige Sache, bei der die auf der Bühne in Gruppen agierenden Mitwirkenden für Teilaspekte und Sichtweisen stehen, die sich daraus entwickelten.“ Von einem Kaleidoskop sprach Thomas Erdmann. Denn das Stück, das die Schüler so engagiert angingen, dass sie sogar Sonderproben einlegten, entbehrt jeder Handlung.

Als musikalisch begleitetes Szenen-Patchwork, bei dem Ängste und Wünsche in darstellerische Form gebracht wurden, reflektierte die Aufführung mit dem Titel „Kuchen essen – und die böse Welt vergessen“ Erfahrungen und Eindrücke, mit denen Jugendliche heranwachsen. Geeignet, der Ellenbogen-Gesellschaft und Erwachsenenwelt den Spiegel vorzuhalten, zeigte sich hier in schonungsloser Direktheit, was dort subtiler abläuft: Mobbing, Beschimpfungen, Verunglimpfung und Verhöhnung, auch Demütigung Benachteiligter bis hin zu tätlichen Angriffen. Vor allem aus einer Stärke der Gruppenzugehörigkeit heraus, gepaart mit einem Mangel an Empathiefähigkeit. Opfer, das wurde deutlich, kann jeder werden, der missfällt: Der Klassenbeste, weil kluger und fleißiger „Streber“, ebenso wie der stille, empfindsame Mitschüler oder das Kind in abgetragenen Klamotten. Zur Schau getragene Überheblichkeit; mitunter aufgrund wahnhafter Vorstellung von „Coolness“ oder geleitet von Rachegelüsten gipfelnd in Schreckenstaten wie dem Amoklauf.

„Wie besorgt bist Du, wenn Du an den Zustand der Welt in 20 Jahren denkst?“ Die Frage fördert Ängste zutage: Vor dem Tod, vor Freundesverlust, Krieg, Weltuntergang, beruflichen Zwängen oder finanziellen Unsicherheiten, die eine Familiengründung verhindern.

Wie hingegen definiert sich Glück? Ein Lottogewinn, eine Erbschaft, eine Sternschnuppe, die Wunscherfüllung verspricht? Doch mit dem Geld kommen neue Sorgen, und wahre Freundschaft kann man nicht kaufen. Falsche Freunde sind überall; auch Verliebtheit und sogar Liebe können in Täuschung und Enttäuschung enden. „Um das Glück musst Du Dich bemühen; geh' hinaus und suche danach“, könnte eine brauchbare Formel lauten. „Wir werden die Welt retten / Mal sehen wie das geht / Wir sind dabei, wir sind so frei / Und gehen unseren Weg“ versprachen die Schüler frohen Mutes im Schlusslied. Das Publikum in der voll besetzten Aula dankten mit rauschendem Applaus.

E. Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare