„Dieser Sommer ist ganz einfach deprimierend!“

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Dieses Foto, das am vergangenen Sonntag während des Valberter Schützenfestes von der Straße Auf der Hardt entstand aus, verdeutlicht die bisherige Großwetterlage dieses Sommers: Düster und nass! Und Besserung ist vorerst nicht in Sicht. ▪

MEINERZHAGEN ▪ „Dieser Sommer ist ganz einfach deprimierend!“ Der Meinerzhagener Wetterbeobachter Reinhard Hinz bringt damit auf den Punkt, was viele Menschen in heimischen Breiten angesichts ausbleibender Sonnentage empfinden.

Derweil bemühen sich die Experten vom Deutschen Wetterdienst noch in Schadensbegrenzung und werden nicht müde zu versichern, „dass dieser Sommer auch nicht außergewöhnlich schlecht ist“ und belegen das für ganz Deutschland auch mit entsprechenden Daten und Fakten. Für Meinerzhagen indes bleibt als bisherige Bilanz folgende ernüchternde Erkenntnis: Es gab bislang nur einen wirklichen Sommertag, der nach meteorologischer Definition eine Höchsttemperatur von mehr als 25 Grad Celsius aufweisen muss.

Reinhard Hinz, der in Redlendorf eine Messstelle im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes betreibt, die in der Vergangenheit immer wieder für deutschlandweit rekordverdächtige Werte sorgte, gibt nicht viel auf Wetterregeln. Doch einig ist er sich auch mit den Experten, wonach das Wetter am Siebenschläfertag sehr wohl Rückschlüsse auf die Großwetterlage in den folgenden Wochen zulässt. Sogar der Deutsche Wetterdienst spricht hier von einer Trefferquote zwischen 55 und 60 Prozent.

Als Datum für diesen wegweisenden Tag gilt gemeinhin der 27. Juni. Reinhard Hinz und mit ihm viele andere Wetterkundige rechnen anders: Weil es 1582 durch Einführung des Gregorianischen Kalenders eine Verschiebung um rund zehn Tage gab, hätte eigentlich auch der Siebenschläfertag neu terminiert werden müssen, was aber nicht geschah. Hinz legt für sich dafür den 7. Juli fest.

Für Meinerzhagen wird der in diesem Jahr besondere gravierende Unterschied schnell klar: Am 28. Juni, also einen Tag nach dem offiziellen Siebenschläfertag, gab’s in der Volmestadt mit einer Höchsttemperatur von 26,2 Grad den schon erwähnten bislang einzigen offiziellen Sommertag. Der 7. Juli und mit ihm viele weitere Tage indes bescherten viel Regen. Woraus sich für Reinhard Hinz die bittere Konsequenz ergibt, „dass wir frühestens ab Mitte August auf eine spürbare Wetterverbesserung hoffen dürfen“. Diplom-Meteorologin Christina Speicher vom Deutschen Wetterdienst fasste in einer Kolumne vom 27. Juni ihre Siebenschläfer-Einschätzung so zusammen: „Wenn der Siebenschläfer dieses Jahr zutreffen sollte, dann stehen uns sehr wechselhafte Wochen bevor – mit Sonnenschein, Regen und Gewittern.“ Prognosen sind das eine, Fakten das andere. Reinhard Hinz hat für die MZ wieder einiges Zahlenmaterial zum lokalen Wetter zusammengestellt.

Zunächst die Bilanz des meteorologischen Frühlings für die Monate März bis Mai. Mit nur 28 mm Niederschlag (28 Liter auf den Quadratmeter) war der März ungewöhnlich trocken. Auch die Niederschlagsmengen im April mit 95 und im Mai mit 47 mm lagen deutlich über dem Monatsmittel von rund 120 mm. Selten für die heimische Mittelgebirgslage auch dies: Es fiel kein Schnee mehr und das fügte sich damit an den vorangegangenen ebenfalls deutlich schneeärmeren Winter an. Reinhard Hinz maß am 25. März eine Luftfeuchtigkeit von nur 18 Prozent. „Ein absoluter Rekordwert für unsere Breiten“, wie er hervorhebt. Im April gab’s mit insgesamt 22 Regentagen das übliche Wetter, allerdings wie schon erwähnt mit deutlich unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen.

Der Mai hatte immerhin 17 Sonnentage und brachte pünktlich zum Pfingstfest gleich drei aufeinanderfolgende Tage mit jeweils mehr als 25 Grad – und das waren dann der Definition nach richtige Sommertage schon im Frühling.

Die dadurch geweckte Vorfreude auf einen diesmal besseren Sommer als den des Vorjahres wurde indes nicht erfüllt: Im Juni fielen insgesamt 137 mm Niederschlag. An 24 von 30 Tagen regnete es. Und der Juli dürfte diese Negativbilanz noch deutlich übertreffen: Bis einschließlich Mittwoch gab es schon 107,5 mm Niederschlag. 15 von 18 Tagen brachten Regen. Besonders schlimm war es Anfang der Woche: So fielen von Montag 16 Uhr bis Dienstag 8 Uhr sage und schreibe 25 mm Regen. Das entspricht zweieinhalb Gießkannenfüllungen und das auf jeden Quadratmeter Boden bezogen!

Wie sehr aber auch manches Mal persönliches Empfinden und tatsächliche Faktenlage auseinander klaffen können, zeigt dies: Den Dienstag dieser Woche empfanden viele Volmestädter als den bisherigen Negativhöhepunkt, weil es tagsüber immer wieder kräftig schauerte. Tatsächlich summierte sich der Niederschlag von 8 Uhr am Dienstag bis Mittwoch 8 Uhr auf nur 7,5 Liter Regen auf den Quadratmeter.

Wie die Bilanz des Deutschen Wetterdienstes ausfällt, beschreibt Diplom-Meteorologin Sabine Krüger so: „Als Vergleich muss hier wie so oft ein Mittelwert herhalten, der an jeder Station seit Aufzeichnungsbeginn aus den Daten zu Temperatur, Niederschlag und Sonnenscheindauer gewonnen wird. Zudem werden auch Sommertage (Höchsttemperatur mehr als 25 Grad) und heiße Tage (Höchsttemperatur mehr als 30 Grad) registriert. Diese Auswertung zeigt für den bisherigen Sommer 2012 (1. Juni bis 9. Juli), dass er so ziemlich im Durchschnitt liegt. Im Mittel haben wir von Juni bis August eine Durchschnittstemperatur von 16,2 Grad, eine durchschnittliche Niederschlagsmenge von 243 Liter und eine Sonnenscheindauer von 615 Stunden.

Abweichung der Mitteltemperatur: +0,2 Grad. Bisher gefallene Niederschlagsmenge: 130, 5 Liter (53,8 %). Bisher registrierte Sonnenscheindauer: 219 Stunden (35,7 %). Die erste Sommerhälfte 2012 war bisher also leicht wärmer als im Durchschnitt. Die Regenmenge liegt derzeit bei etwa der Hälfte der zu erwartenden Mengen, lediglich der Sonnenschein ist bisher etwas zu kurz gekommen. Deutschlandweit haben wir etwa acht Sommertage und etwa einen heißen Tag verbuchen können.“ ▪ -fe

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