Meinerzhagen braucht neue Schöffen

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Marlene Struck war sehr gerne Schöffin, kann aber nicht eine dritte Amtszeit antreten. ▪

MEINERZHAGEN/VALBERT ▪ Nicht nur der Bundestag wird 2013 neu gewählt. Auch für die ehrenamtlichen Richter an deutschen Gerichten, die Schöffinnen und Schöffen, stehen in diesem Jahr bundesweit die Wahlen für die Amtszeit 2014 bis 2018 an. Für Meinerzhagen bedeutet dies, dass letztendlich neun Schöffenämter und die entsprechende Anzahl von Vertretern zu vergeben sind. Ausgewählt werden diese vom Schöffenwahlausschuss beim Amtsgericht. Besetzt ist dieses Gremium mit einem Richter des Gerichtes als Vorsitzenden, einem von der Landesregierung zu bestimmenden Verwaltungsbeamten, sowie sieben (kommunalen) Vertrauenspersonen als Beisitzer.

Nach Auskunft des Amtsgerichtes Meinerzhagen ist der Termin für die Sitzung des Wahlausschusses für Oktober dieses Jahres vorgesehen. Die entsprechende Auswahl der Bewerber für das „Richterehrenamt“ erfolgt an Hand einer Vorschlagsliste.

„Wir haben die im Rat vertretenen Fraktionen vor einigen Tagen um Vorschläge für die neun Schöffen und deren Vertreter gebeten. Vorab wurden diejenigen Amtsinhaber, die nicht wiedergewählt werden können, aussortiert“, so Christiane Rosenberg, bei der Stadt Meinerzhagen für die Angelegenheit zuständig, auf Anfrage der MZ.

Aber nicht nur der Weg über den Vorschlag durch eine Partei ist möglich, um auf die Vorschlagsliste zu kommen. Jeder, der die Kriterien für das Schöffenamt erfüllt, kann sich bewerben. Voraussetzung hierfür ist: Sie oder er müssen deutsche Staatsbürger und mindestens 25 und höchstens 70 Jahre alt sein. Zudem müssen sie in der Gemeinde wohnen, in der sie sich bewerben und parteipolitisch ungebunden sein. Hinzu kommt ebenfalls, dass der Bewerber in den vergangenen zehn Jahren nicht zu einer Freiheitsstrafe (auch nicht auf Bewährung) von mehr als sechs Monaten bestraft wurde oder ein entsprechendes Ermittlungsverfahren gegen ihn läuft. Eine Insolvenz oder die Abgabe einer eidesstattliche Versicherung über das persönliche Vermögen, ist ein Hinderungsgrund für die Übernahme des Schöffenamtes.

Marlene Struck, aus Rinkscheid, ist seit 2005 Schöffin am Jugendgericht Lüdenscheid. Mit Ablauf diesen Jahres endet ihre zweite Amtszeit (jeweils vier Jahre). Damit ist für sie eine Wiederwahl ausgeschlossen. Im Gespräch mit der MZ berichtet die 60jährige, verheiratete Mutter von zwei erwachsenen Kindern, über ihre Erfahrungen und Eindrücke aus der Tätigkeit als Schöffin. Die gelernte Einzelhandelskauffrau war im Rahmen ihrer Tätigkeit beim Roten Kreuz auf die Möglichkeit des Schöffenamtes aufmerksam geworden. „Einige Kollegen hatten mich gefragt, ob ich nicht Interesse an der Aufgabe haben würde. Das hatte ich und habe mich dann auch direkt als Jugendschöffin beworben“, so Marlene Struck.

Das besondere Interesse an der Jugendgerichtsbarkeit kommt bei Marlene Struck nicht von ungefähr. „Ich habe eine erwachsene Tochter und Sohn. Beide sind wirklich gut geraten und führen ein geordnetes Berufs- und Privatleben. Besonders aus diesem Grund wollte ich mich für die jungen Menschen, bei denen etwas schief gelaufen ist, einbringen“.

Rund 70 Mal hatte Marlene Struck dazu Gelegenheit. In den oft langwierigen Verhandlungen galt es dabei, neben der Klärung der eigentlichen Schuldfrage, auch bei der Strafe den erzieherischen Aspekt herauszuheben. „Strafe muss sein. Dieses Prinzip ist aus meiner Sicht wichtig. Aber die Strafe muss die Chance beinhalten, aus ihr etwas für Zukunft zu lernen“, erläutert Marlene Struck. Eine, von vielen Erkenntnissen, die Marlene Struck in ihrer Zeit als Schöffin machen konnte: „Die jungen Menschen begehen die Taten manchmal als eine Art von Hilfeschrei, um auf sich und ihre Probleme aufmerksam zu machen“.

Kein Hehl macht Struck daraus, dass die Entscheidungen in den einzelnen Fällen, nicht immer leicht zu fällen waren. „Mir hat mal direkt nach einer Verhandlung ein Vater gesagt, dass wir seiner Meinung nach das richtige Strafmaß für seinen Sohn gefunden hätten, um diesen wieder auf den einen guten Lebensweg zu bringen. Als ich ihn Jahre später vor einiger Zeit wieder getroffen habe, berichtete er mir, dass sich sein Sohn seitdem sehr gut entwickelt habe. Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut“.

Ein wenig bedauert Marlene Struck, dass nunmehr nach zwei Amtsperioden Schluss sein muss. „Wenn ich dürfte, würde ich noch eine Amtszeit dranhängen“, sagt sie etwas wehmütig. Langeweile wird aber wohl kaum bei ihr aufkommen. Denn neben ihrer beruflichen Tätigkeit ist Marlene Struck noch als Schiedsfrau für die Stadt Meinerzhagen engagiert und hat mit ihren Hobbys, zu denen der Sport in den verschiedensten Ausprägungen genauso zählt wie das Lesen, genug „Beschäftigung“.

Weitere Informationen finden Interessierte auf http://www.schoeffenwahl.de. ▪ jjh

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