Deutliche Trockenschäden an Buche und Bergahorn

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„Unten ist noch Leben drin“, freut sich Forstoberinspektor Matthias Borgmann. ▪

VALBERT ▪ Der rettende Regen kam „kurz vor knapp“. Ein Vitalitätstest stützt den Optimismus von Forstoberinspektor Matthias Borgmann: „Solange die Pflanze noch eine grüne Rinde hat, ist Leben drin. Dann entwickelt sie im Herbst Knospen und daraus im Frühjahr neue Triebe; vor allem die Buche regeneriert häufig. Erst dann kann man die Schadenssituation beurteilen.“

Deutliche Trockenschäden an Buche und Bergahorn, die obligatorisch im Herbst in den Boden kamen, sowie der Frühjahrspflanzung mit Eiche und Douglasie sind nicht zu übersehen. „Erstere sind bombastisch gekommen“, sagt der Revierförster im Forstbetriebsbezirk Beckerhof. Zumal sich bereits eine bodendeckende Krautschicht als Erosionsschutz erweist. Die aktuelle Frühjahrs-Kultur hingegen sei unter schwierigen Bedingungen gestartet. „Normalerweise pflanzen wir ab Februar. Da lag der Schnee noch meterhoch. Ab April stand uns dann ein Zeitfenster von maximal vier Wochen offen. Da war's schon ziemlich trocken, im Mai ebenso. Die andauernde Sommerhitze verbrannte dann Triebe und Blattgrün. Solche Witterungsextreme bringen selbst dem Hochwald enormen Stress und hinterlassen auch dort sichtbare Spuren.“

In Kammlage des Ebbe, wo meist der Wind pfeift und „Kyrill“ einen alten Fichtenbestand auf 30 Hektar Fläche komplett flachlegte, künden Wuchsschutzhüllen vom Beginn der Wiederaufforstung im Frühjahr 2009. In exponierter Lage des Staatswaldes, überwiegend der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt, begründen die ersten jungen Bäumchen auf etwa einem Viertel der Fläche eine Kultur des seltenen Berg-Mischwaldes: Bergahorn und Rotbuche, Weißtanne und Douglasie aus dem Schwarzwald, aber auch Fichte und Lärche, angekommen durch Samenanflug aus angrenzenden Beständen, sollen künftig allen Extrembedingungen wie Windwurf und Schneebruch trotzen. „Die bis zu 180 Zentimeter langen Wuchsschutzhüllen ermöglichen ein sehr aktives, wenn auch teures und daher räumlich begrenztes Aufforsten“, erklärt Borgmann. „In der von unten belüfteten Hülle aus natürlichem Material, das sich nach Jahren zersetzt, herrscht ein Gewächshausklima. Die naturnahe Waldbewirtschaftung im Staatswald, der sich das Land NRW verpflichtet hat, basiert auf einem Gesamtkonzept, das der Erkenntnis Rechnung trägt, dass nur standortgerechte, genetisch vielfältige und betriebssichere Wälder ihre Mehrfachfunktionen erfüllen können. Fichte wird geduldet, aber nicht gepflanzt.“

Vis à vis der an einen Heldenfriedhof erinnernden Kultur befindet sich eine der freien Entfaltung überlassene Versuchsfläche mit festgelegten Untersuchungspunkten samt Probekreisen. Vegetationsaufnahmen, erstellt in zweijährigem Turnus, dokumentieren hier die Entwicklung. „Das wird dann richtig spannend, wenn die aufkommenden Baumarten um Licht und Raum konkurrieren“, so Borgmann. Der wird ohne Einschränkung der Sommerlinde zugestanden, die als Alleebaum einen langen Straßenabschnitt säumen soll. Auch Wildbirne und -apfel, sogar Walnuss finden sich als Bereicherung im Zukunftswald. ▪ As

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