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Schützenfest 2022: Dieser Mann weiß, wie das Wetter wird

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Von: Simone Benninghaus

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Günter Lüsebrink ist ein Meinerzhagener Original und Wettermacher der Schützengesellschaft
Günter Lüsebrink ist ein Meinerzhagener Original – als Wettermacher ist er in der Stadt bekannt. Seit 50 Jahren hat er dieses Amt inne und in dieser Zeit viele Erinnerungen gesammelt. Auch ein Schnaps wurde für ihn kreiert. © Benninghaus, Simone

Günter Lüsebrink ist begeisterter Schütze. Und er ist seit 50 Jahren der Wettermacher der Meinerzhagener Schützen.

Meinerzhagen - Dass es in der Volmestadt einen Wettermacher gibt und dass ausgerechnet er diesen Posten innehat – purer Zufall, erinnert sich Günter Lüsebrink noch allzu gut an das Schützenfestjahr 1972, als der Vorstand versäumt hatte, ein gutes und vor allem dichtes Zelt zu bestellen.

„Das vorhandene Zelt hatte einen wackeligen Boden, vor allem aber war es an manchen Stellen so undicht, dass man davon ausgehen musste, dass es bei Regen ungemütlich werden sollte.“ Es kam, wie es kommen musste. Es regnete, und zwar so sehr, dass auch die Krönung des Königspaares, im Jahr 1972 waren es Klaus und Christa Waschk, im Zelt statt wie normalerweise üblich draußen im Freien erfolgen musste. „Die Königin bestätigte mir, dass ihr Königinnenkleid nass wurde und sie den Abend in einem nassen Kleid verbringen musste“, erzählt der 86-Jährige. Für Günter Lüsebrink ein Unding.

Erinnerung an die Entstehung des „Wettermachers“

Während der noch im gleichen Jahr erfolgten Generalversammlung wies er auf die Missstände des Zeltes hin. „Was ich dann erlebte, war für mich überraschend“, so der Meinerzhagener Blaukittel. Der Vorstand habe nicht für das Wetter verantwortlich gemacht werden wollen, und aus der Versammlung wurde die Idee laut, „den Lüsebrink“ zum Wettermacher zu machen. Der Vorschlag sei einstimmig angenommen worden. „Mein Schützenbruder Burkhard Fickel sagte mir sofort ,Jetzt hast Du einen Posten, den Du so schnell nicht wieder loswirst’.“ Er sollte Recht behalten, denn eine Wahl hat es seither nie wieder gegeben: Günter Lüsebrink ist Wettermacher auf Lebenszeit.

Wettermacher Günter Lüsebrink mit Enkelin Lisa
Während des Festes 2018 sorgte der Wettermacher – hier mit Enkelin Lina – für Sonnenschein. © Benninghaus, Simone

Dass er dieses aus einer Laune heraus entstandene Amt seit nunmehr fünf Jahrzehnten innehat – Günter Lüsebrink sieht es mit dem ihm eigenen Humor und gibt zu: „Es macht mir einfach Spaß. Ich habe das Beste daraus gemacht und versucht, zu den Schützenfesten immer Gedichte zu verfassen oder Karikaturen vom Wettermacher zu bekommen.“ Dass er für das Wetter „verantwortlich“ ist, wisse nicht nur die ältere Schützengeneration, „dass es auch von der Jugend angenommen wird, freut mich ganz besonders.“

Kontakt zu Petrus dank gelben Telefons

Kein Wunder, sein gelbes Telefon – der Draht zu Petrus –, das an seinen Schützenstock montiert ist, ist auch nicht zu übersehen. Das Besondere: Nicht nur zum „Telefonieren“ kann der Wettermacher sein Telefon nutzen, sondern auch, um Schützenmusik abzuspielen, darunter auch das Meinerzhagener Schützenlied, das er selbst mit dem Saxofon spielte, sang und umtextete, als er sich vor 16 Jahren überlegte, dass er im Alter von 70 Jahren als Wettermacher in Rente gehen könnte. Eine CD habe er an alle Schützenzüge verteilt, „doch es wurde kein neuer Wettermacher gefunden“, so Lüsebrink. Also machte er weiter und überrascht wie eh und je mit seinen Ideen wie dem Wetterstein, den er vor seinem Haus anbrachte oder der Laternenbar, die er bauen ließ, um den vorbeimarschierenden Schützen einen traditionellen Wermut kredenzen zu können.

Brennerei Krugmann widmete dem Wettermacher einen eigenen Schnaps

Mittlerweile kann Günter Lüsebrink aber auch seinen eigenen Schnaps ausschenken, denn als seine Nachbarn, der heutige Vorsitzende Karsten Decker und Ehefrau Rachel, Königspaar waren, wurde geplant, die Majestäten zu Hause abzuholen. Die Schützen sollten auch durch die Königsberger Straße marschieren. Was kann man ihnen bei der Gelegenheit am besten anbieten, fragte sich Lüsebrink und fand schnell eine Antwort. Natürlich Schnaps. In Absprache mit der Brennerei Krugmann wurde der Sonnenklare kreiert – auf dem Etikett ist das Konterfei des Meinerzhagener Poahlbürgers, dessen Familiengeschichte bis ins Jahr 1595 zurückzuführen ist, zu sehen.

Sogar international hat der Wettermacher die Meinerzhagener Schützen vertreten. So besuchte er im Jahr 1980 als Zuschauer mit mehreren Schützen die Olympischen Spiele in Moskau. Der Aufenthalt fiel auch in die Schützenfestzeit. Grund genug, am Schützenfestsamstag zusammen mit den Schützen Jürgen Pietsch, seinem Sohn Ulrich und Gerd Fischer auf dem Roten Platz mit Krimsekt auf das Schützenfest anzustoßen. Günter Lüsebrink trug dabei natürlich auch den blauen Kittel. Bei der Rückkehr am Schützenfestmontag ging es dann vom Flugplatz direkt ins Schützenzelt. „Wir sind direkt mit dem Taxi zum Schützenplatz gefahren, und nicht etwa erst nach Hause“, erinnert sich Günter Lüsebrink, der in seiner Zeit als Wettermacher damit kein einziges Fest verpasst hat.

1985 reiste die Schützengesellschaft zur Steubenparade in die USA, auch der Wettermacher war dabei und marschierte mit seinem Sonnenblumenstock mit, wie er sich noch gut an diese besondere Reise erinnert. Bei den Brooklyn-Schützen habe er an einem Preisschießen teilgenommen und dabei den ersten Preis errungen.

In der ganzen Stadt bekannt

Nicht nur an den Schützenfesttagen wird Günter Lüsebrink für das Wetter verantwortlich gemacht. „Wenn ich durch die Stadt gehe, kann es passieren, dass ich mit den Worten ,Gutes Wetter heute’ angesprochen werde“, sagt er.

Natürlich, das Wetter ist wichtig fürs Fest. „Abhängig vom Wetter ist das Schützenfest aber nicht“, steht für Günter Lüsebrink fest. Gemeinsam feiern und dabei die Tradition in Ehren halten, darauf komme es an. Auch am kommenden Wochenende wird der Wettermacher natürlich wieder dabei sein – nur mitmarschieren wird er aus gesundheitlichen Gründen nicht. Doch ein Schützenfest ohne den Wettermacher wird es auch im Jahr 2022 nicht geben.

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