Franz Müntefering referiert beim Lions-Club

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Franz Müntefering (von rechts), Petra Crone, Bürgermeister Frank Emde und der Vorstand des Evangelischen Pertheswerkes Rüdiger Schuch stellten sich unter der Leitung von Clemens Wieland nach den Vorträgen einer kurzen Diskussion.

Meinerzhagen - Unter der Überschrift „Weniger, älter, bunter – der demografische Wandel in Deutschland“ hatte der örtliche Lions-Club am Donnerstagabend zu einem informativen und unterhaltsamen Themenabend in die Stadthalle eingeladen. Prominenter Gast war Franz Müntefering.

Sein Präsident Martin Ahlhaus und der stellvertretenden Bürgermeister Volkmar Rüsche begrüßten zahlreiche interessierte Bürger und die Referenten Franz Müntefering und Petra Crone sowie den Vorstand des Evangelischen Pertheswerkes Rüdiger Schuch und den Kiersper Bürgermeister Frank Emde.

Die Frage, die wohl alle am meisten interessierte und die Diskussionsleiter Clemens Wieland aufwarf, blieb allerdings auch an diesem Abend unbeantwortet: „Woher soll das Geld kommen, um die Herausforderungen einer schrumpfenden, alternden und durch den Zuzug zahlreicher Ausländer auch bunter werdenden Gesellschaft zu meistern?“

Ohne die finanzielle Unterstützung von Land und Bund sei das von den Kommunen, die sich den spezifischen regionalen Problemen stellen müssten und die Hauptlast bei dieser gesellschaftlichen Entwicklung trügen, nicht zu meistern, darin waren sich alle einig.

Franz Müntefering, ehemaliger Vizekanzler und Bundesminister, riet ihnen deshalb, ihre Stimme auch beim nächsten Demografiekongress am 3. und 4. September 2015 in Berlin einzubringen und für ihre Interessen zu streiten.

Der 2010 von ihr initiierte Arbeitskreis „Demografie – lebenslanges Lernen“, in dem Mitarbeiter von IHK, Kirchen und Wohlfahrtsverbänden, VHS, acht Kommunen, Arbeitgeber und Gewerkschafter mitarbeiteten, sei mittlerweile aktiv dabei, ein gemeinsames Konzept, einen „Werkzeugkasten“ zu entwickeln, um die Kommunen bei der Bewältigung der Probleme im Märkischen Kreis zu unterstützen, berichtete die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone, die in Berlin auch Sprecherin der AG ist.

Die Sicherung des Fachkräftenachwuchses und damit vor allem die Förderung von Bildung und Ausbildung, Ausbau und Qualitätssteigerung der Kinderbetreuung, gute Arbeitsplätze mit angemessener Bezahlung, preiswerter Wohnraum, eine Gewährleistung der ärztlichen Versorgung und die Bewältigung des steigenden Betreuungs- und Pflegebedarfs seien nur in gemeinsamer Anstrengung und nicht durch ein Gegeneinander der Generationen zu erreichen, betonte Crone.

„Nicht jammern, sondern prunken“, die Vorzüge der Region herausstreichen, lautete das Rezept von Franz Müntefering für die Kommunen. Das Potential von jungen Frauen, Imigranten und älteren Menschen müsse außerdem verstärkt für den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft nutzbar gemacht werden.

„Das Leben hat eine ballistische Kurve“, sagte der 74-jährige Sauerländer, der für seine deutlichen Worte bekannt ist. „Laufen, lernen und das Leben lieben“, laute seine Lebenseinstellung. Anderen „(Un-)Ruheständlern“ riet er, auch weiterhin ihre Impulse in die Gesellschaft einzubringen, dabei soziale Kontakte zu pflegen und der Versuchung zu widerstehen, zurückgezogen auf dem Sofa liegend mit dem Lösen von Kreuzworträtseln einer möglichen Demenz vorzubeugen.

„Deutschland ist ein Bewegungsverhinderungsland: Im körperlichen Stillstand weltweit unterwegs“, stellte er stolze Absolvent des Sportabzeichens fest.

Da er mit einem öffentlichen Verkehrsmittel angereist war, fand die anschließende Diskussion durch die Abfahrtszeiten der Bahn ein schnelles Ende. Mit einem Vortrag der Kiersper Jugendbigband „High Vol(u)me“ unter der Leitung von Dirk Pawelka, die die Veranstaltung musikalisch begleitet hatte, klang die Veranstaltung aus. Im Foyer hatten die Besucher noch Gelegenheit zu Information und Gesprächen an den Ständen der Dienste für Alten- und Sozialarbeit, die sie mit einer Spende unterstützen konnten. - luka

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