Demenz: Anzahl der Erkrankten steigt

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Das Haus-Mutter-Anna in der Nachbarstadt Attendorn wird von der Caritas betrieben. Das Haus ist eine Heimat für 60 Demenzerkrankte, die dort entsprechend betreut werden können. ▪

ATTENDORN ▪ Die Anzahl der Demenzerkrankungen steigt stetig an. Bis zum Jahr 2050 rechnen die Experten mit einer Verdoppelung auf rund 2,5 Millionen erkrankte Menschen in der BRD. Das Durchschnittsalter der Deutschen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erhöht und liegt derzeit (Ende 2010) für Männer bei 77,1 und für Frauen bei 82,4 Jahren.

Der Grund hierfür ist unter anderem auch die grundsätzlich gute medizinische Versorgung in der BRD und das gestiegene „Gesundheitsbewusstsein“ des Einzelnen.

Diese höhere Lebenserwartung unserer Gesellschaft führt allerdings auch dazu, dass einige Krankheiten im Alter immer häufiger auftreten.

Eine dieser Erkrankungen ist die Demenz. Zwar können von ihr auch jüngere Menschen betroffen werden, die meisten demenziellen Erkrankungen gibt es jedoch in den Altersgruppen ab 65 Jahren. Dabei liegt die Quote anfangs bei rund 1,2 Prozent und wächst bei den 80- bis 84-Jährigen bis auf 13,3 Prozent an. In absoluten Zahlen bedeutet das: Alleine in dieser Gruppe rund 300 000 Menschen in Deutschland.

Bis zum Jahr 2050 wird sich die Zahl der Demenzerkrankungen, zu denen nicht nur die Alzheimererkrankung gehört, etwa verdoppeln und dann insgesamt rund 2,6 Millionen Menschen betreffen.

Die Fachleute gehen jedoch davon aus, dass die Zahl noch höher liegen dürfte, da bisher bei mehr als der Hälfte aller Senioren (älter als 65 Jahre) mit vorhandener Demenz, eine solche Diagnose nicht gestellt wurde. In vielen Fällen sind die Angehörigen, so sie überhaupt vorhanden sind, mit der Betreuung der Demenzkranken hoffnungslos überfordert. Eine Unterbringung in einer Einrichtung wird dann unumgänglich.

Ein Beispiel dafür, dass sich in diesen Einrichtungen in den vergangenen Jahren im Umgang mit den Betroffenen positiv etwas getan hat, können Interessierte im Haus-Mutter-Anna, in der Nachbarstadt Attendorn erleben.

Dort betreibt die Caritas seit 2008 das Haus-Mutter-Anna. In bester Hanglage der Hansestadt liegt der moderne Gebäudekomplex und bietet in seinen miteinander verbunden Flügeln 60 Demenzerkrankten eine neue Heimat.

„Unsere Bewohner leben in fünf Wohngruppen zu zwölf Personen. Dabei haben wir besonderen Wert darauf gelegt, dass die Einzelzimmer auf Wunsch auch mit persönlichen Gegenständen und Möbeln eingerichtet werden können“, so Anke Maikranz-Boening, stellvertretende Einrichtungsleiterin im Gespräch mit der MZ.

Die 41 jährige, examinierte Fachaltenpflegerin für Psychiatrie, kam durch die Erkrankung ihrer Großmutter zu ihrem Beruf, der für sie gleichzeitig Berufung ist.

Gemeinsam mit den 51 weiteren Mitarbeitern in den verschiedenen Arbeitsbereichen sorgt sie für „Wohlfühlatmosphäre“ und einen menschenwürdigen Umgang mit den unterschiedlich schwer erkrankten Frauen und Männern. Bereits die Flure der einzelnen Wohngruppen sind als gemütliche Diele mit bequemen Sofas und Sesseln eingerichtet.

Optisch keine Spur von einem Pflegeheim.

Oft sind es die zusätzlich zur Demenz vorhandenen Behinderungen, die einen erheblichen Aufwand an Zuneigung und Pflege im Tagesablauf erfordern.

Dabei erleichtert die funktionelle, praktische und trotzdem wohnliche Einrichtung des Hauses, die schwere Arbeit der Beschäftigten.

„Wir versuchen auch im Einzelfall die noch in der Erinnerung der Bewohner vorhandenen Wünsche und Angewohnheiten zu erfüllen bzw. wachzuhalten“, so Anke Maikranz-Boenig.

Mit einem leichten schmunzeln erzählt die verheiratete Mutter eines achtjährigen Sohnes beispielhaft von einem Bewohner, der beim Fernsehabend nicht gerne auf seine Erdnüsse und sein russisches Ei verzichten mag.

Natürlich wird die „normale Ernährung“ der Bewohner individuell auf deren Bedürfnisse abgestimmt. Ein wichtiger Fakt dabei: Mit zunehmender Demenz verändern sich die Geschmackswahrnehmungen. Alles schmeckt bitterer.

„Wer vor seiner Erkrankung gerne saure Heringe gegessen hat, mag die als Demenzkranker in der Regel nicht mehr. Wir süßen daher auch bei individuellem Bedarf gewisse Speisen, bei denen man dieses im Normalfall nicht tun würde“, erläutert Anke Maikranz-Boenig.

Eine wichtige Rolle im Konzept der Einrichtung Haus-Mutter-Anna ist die Einbeziehung der Angehörigen, soweit sie vorhanden und zur Mitarbeit bereit sind.

„Bei uns sind Angehörige die ihre Verwandtenbesuchen kein Schreckgespenst sondern Partner bei der Betreuung und Pflege“, so Anke Maikranz-Boenig.

In diesem Zusammenhang weist sie daraufhin, dass bereits heute nur noch rund 50 Prozent der Betreuten Angehörige haben. Eine Entwicklung, die in den kommenden Jahren durch den demografischen Wandel noch „verschärft“ wird.

Wie in anderen Einrichtungen auch, ist die Nachfrage nach einem Platz im Haus-Mutter-Anna in der Hansestadt Attendorn recht groß. Zurzeit warten mehr als 20 Personen auf einen freien Platz, drei davon als akute Demenzfälle. ▪ jjh

Weitere Informationen über das Haus-Mutter-Anna in Attendorn gibt es unter der Internet-Adresse

http://www.caritas-zentrum-attendorn.de/unsere-einrichtungen/haus-mutter-anna/

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