„Dem Journalismus bleibe ich treu“

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Seine ersten journalistischen Gehversuche unternahm der 68-jährige Hartwig Hochstein in Meinerzhagen. 

MEINERZHAGEN - 1964 begann in Meinerzhagen die journalistische Karriere eines Mannes, der einmal einer der Großen der Branche werden sollte: Die Rede ist von Hartwig Hochstein.

 Mehrfach ausgezeichnet, erhielt der gebürtige Lüdenscheider 2005 unter anderem den Sächsischen Verdienstorden. Hochstein gilt als einer der ersten westdeutschen Journalisten, der sich für eine demokratische Zeitungslandschaft im Osten einsetzte. Gewürdigt wurde nicht nur seine prägende Handschrift als Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung, sondern auch sein Engagement für den Journalisten-Nachwuchs.

Seine ersten journalistischen Gehversuche unternahm der 68-jährige in Meinerzhagen. „Ich kann mich noch gut an meinen Start in dieser Stadt erinnern. Meine große Liebe war damals der RSV“, erzählt Hochstein. So mag es nicht verwundern, dass er sich nach seinem Volontariat bei den Lüdenscheider Nachrichten überwiegend dem Meinerzhagener Heimatsport widmete. „Das war eine spannende Zeit. Der RSV spielte damals noch hochklassig und kämpfte um die Meisterschaft“, erinnert er sich. Sportberichterstattung sei damals sehr umständlich gewesen. „Es gab keine Laptops oder ähnliches. Bei Auswärtsspielen konnte ich die erste Halbzeit noch gucken. Für den Rest musste ich einen Fan anheuern, der mir die Ergebnisse durchgab“, erinnert er sich. Auf seiner Schreibmaschine im Gepäck, habe er bereits auf der Rückfahrt angefangen zu schreiben. „Das war eine echte Herausforderung. Ich hatte eine Olympus, technisch topp, doch für den Gebrauch unterwegs äußerst unhandlich“, ergänzt er lachend.

Dann das Bekenntnis: In Meinerzhagen sei ihm seine größte journalistische Panne passiert. „Ich weiß es noch wie heute: Ich hatte ein wichtiges RSV-Spiel für den falschen Tag angekündigt. O, Mann, war das eine Aufregung. Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken“, verrät Hochstein. Und getreu dem Motto: Schlimmer geht immer, „war der damalige Verleger (Klaus Paulmann) gleichzeitig Vorsitzender des RSV“. Die Verlegerfamilie habe daraufhin einen Lautsprecherwagen organisiert. Der sei durch die Straßen gefahren und habe die falsche Berichterstattung korrigiert. Gut erinnern kann sich Hochstein auch noch an eine Großübung. „Damals wurde im Luftschutzwarnamt 4 durchgespielt, was wohl passiert, wenn in Hamburg eine Atombombe explodiert. Wir mussten alle in den Bunker. Das war wirklich eine Extrem-Berichterstattung.“

Irgendwann sei ihm allerdings klar geworden, dass Meinerzhagen zwar schön sei, es ihn jedoch in größere Städte zog. „Ich wusste: Wenn ich jetzt nicht gehe, werde ich ewig bleiben.“ Sein Weg führte Hartwig Hochstein erst zum Express nach Köln, wenig später zur Bild. Darauf folgte eine Stelle als Chefredakteur der „Neuen Presse“ in Hannover. „Eigentlich dachte ich, dass dies meine Endstation wäre, doch ich sollte mich irren.“ Damals stand die Leipziger Volkszeitung (LVZ) vor der Pleite. Der Verlag, für den Hochstein arbeitete, hielt 50 Prozent Anteile an dieser Zeitung. „Ich sollte mich ein paar Wochen um das angeschlagene Blatt kümmern, ein neues Konzept entwickeln. Aus sechs Monaten wurden dann 13 Jahre.“

Von Experten hoch gelobt sind – neben seinen Artikeln und Kommentaren – die regelmäßig weltweit ausgestrahlten Sendungen der Deutschen Welle, in denen Hochstein sich mit der Ost-West-Problematik befasste und dabei um gegenseitiges Verstehen und Vertrauen warb. Journalismus bestimmte sein Leben – auch außerhalb des LVZ-Büros: Er unterstützte den Studiengang Journalismus bei dessen Entwicklung zu einer Kombination aus Studium und Praktikum und ist Gründungsmitglied des Institutes für praktische Journalismusforschung. Auch als Mitglied im Beirat der Bertelsmann-Stiftung für Printmedien hat er sich nachhaltig für ostdeutsche und insbesondere Leipziger Interessen und Belange eingesetzt. Mittlerweile ist Hochstein in Rente: „Aber dem Journalismus bleibe ich treu. Für die LVZ schreibe ich weiter Buchbesprechungen. Am liebsten über Krimis. Und ich moderiere - „Bei Mephisto“, eine Show im Lokalfernsehen. Der Journalismus lässt mich eben nicht los.“

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