Neue Klangwelten in der Jesus-Christus-Kirche

Hajo Hoffmann und DASKwartett mit Sabine Rau, Antje Vetter, Anna-Sophie Dreyer und Beate Wolff sowie Fritz Schmid und Tobias Link begeisterten das Publikum in der Jesus-Christus-Kirche. - Fotos: Salzmann

Meinerzhagen - In ungewöhnlicher Besetzung, experimentierfreudig und neuen Klangwelten aufgeschlossen, führten Hajo Hoffmann (Ukulele) und DASKwartett mit Sabine Rau (Violine), Antje Vetter (Violine), Anna-Sophie Dreyer (Viola) und Beate Wolff (Violoncello) – am Sonntag in der Jesus-Christus-Kirche hochvirtuos an zeitgenössische Musik heran.

Von Monika Salzmann

Auf Einladung von KuK – Verein für Kommunikation und Kultur – brillierten der bekannte Crossover-Ukulele-Künstler aus Schalksmühle und die vier Streicherinnen aus Köln, Essen und Osnabrück mit originellen Eigenkompositionen, die die instrumentale Grenzen – so es sie denn gibt – sprengten. Unbekümmert setzten sie Genregrenzen außer Kraft und führten Musikwelten unterschiedlichster Zeiten, Kulturen und Sparten zusammen. Dass sich überdies Bläser dem überraschungsreichen Tete-a-tete von Zupf- und Streichinstrumenten anschlossen, machte das Konzerterleben umso reizvoller. Als Gäste erweiterten Fritz Schmid (Alt-, Tenor- und Sopran-Saxofon), 1. Vorsitzender von KuK, und der junge Posaunist Tobias Link das Spektrum schillernder Klangfarben. Zwei Uraufführungen aus der Feder von Hajo Hoffmann, eigens für die Besetzung Ukule, Streichquartett, Saxofon und Posaune geschrieben, gerieten zu gefeierten Höhepunkten des Konzerts.

Erinnerte die Komposition „Waterfalls“ dabei stilistisch an Philip Glass und seine Minimal Music, zog bei „Forget the tears, it’s beautiful“ wunderschöne Klezmermusik à la Giora Feidman in ihren Bann. Auf ausdrücklichen Wunsch von Fritz Schmid hatte Hajo Hoffmann die klangschöne Weise für die siebenköpfige Besetzung arrangiert. Zusätzliches Schmankerl: der gefühlvolle, heiter-melancholische „Gesang“ von Sopran- und Tenor-Saxofon anstelle der bei Klezmermusik obligatorischen Klarinette. Standing Ovations gab’s für diesen hinreißenden Ohrenschmaus.

Gelungen war der Spannungsaufbau des Konzerts, das mit Solodarbietungen der Künstler begann und gleichsam in eine Zusammenführung der Projekte mündete. Angetreten, dem „hüpfenden Floh“ (Ukulele) im Konzertsaal einen festen Platz zu erobern, eröffnete Hajo Hoffmann den Reigen spannender Grenzgänge. Barockmeister Händel zeigte sich dabei offen für afrikanische Musik, Bach ließ sich auf einen Trip nach Indien ein. Mit der eigenen Stimme und einem Effektgerät, das ihm das Einspielen und Abrufen von Rhythmen erlaubte, erweiterte der gebürtige Hannoveraner sein Ausdrucksspektrum. Spieltechnisch famos zelebrierte er mehrstimmiges Spiel auf einem Instrument.

Zwischen Improvisation und Komposition bewegten sich die in jedem Konzert anders klingenden Stücke des Streichquartetts, das sich „blind“ verstand und als homogener Klangkörper auftrumpfte. Elemente von Jazz, Folklore, Klassik und Pop ließen sich in den fantasievollen Eigenkompositionen der vier Musikerinnen, die die Möglichkeiten ihrer Instrumente bis zur Neige auskosteten, ausmachen.

Werke mit klangvollen Namen wie „Rondo Mobile“, „Nubigena“ (Wolkenkind) – beide aus der Feder von Antje Vetter – oder Anna-Sophie Dreyers „Brunch mit Fisch“ (und Ukulele) schickten die Gedanken auf Reisen. Aus dem Moment heraus zauberten überdies die beiden Bläser Fritz Schmid und Tobias Link Einmaliges aus dem Hut.

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