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Als das Ihnetal im Wasser versinken sollte...

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Von: Simone Benninghaus

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Der Biggesee zwischen Attendorn und Olpe aus der Luft.
Die Biggetalsperre (Foto) erhielt den Vorzug gegenüber einer Talsperre im Ihnetal. Das geht aus einer bereits 1965 erschienenen Veröffentlichung des Ruhrverbandes hervor. Dennoch war der Bau scheinbar zu Beginn der 80er Jahre immer noch ein Thema. © Ruhrverband

Wasser ist ein wertvolles Gut – das hat nicht zuletzt der Dürresommer in diesem Jahr gezeigt. Wasserreservoire sind daher wichtig. Meinerzhagen ist in dieser Hinsicht umgeben von Talsperren.

Meinerzhagen - Dabei gab es Überlegungen, eine weitere zu bauen: „Steht Rinkscheid eines Tages am Ufer einer neuen Talsperre?“, titelte die MZ im November des Jahres 1981. Rudi Lahme wohnt in Voßsiepen im Ihnetal und hat den Zeitungsbericht aufbewahrt, ebenso wie alte Pläne über den möglichen Talsperrenbau.

Die Planungen des damaligen Ruhrtalsperrenvereins waren auch zu Beginn der Achtziger bloße Zukunftsmusik. „Erst nach dem Jahr 2000 dürfte die Sache, wenn überhaupt, konkreter werden“, hieß es damals in der MZ Bezug nehmend auf eine Sitzung des Bau- und Wegeausschusses, wo der mögliche Talsperrenbau offensichtlich ein Thema war.

„Wäre eine Ihne-Talsperre gebaut worden, dann wären Vossiepen, Mühlhofe und Grotewiese versunken“, sagt Rudi Lahme. Die Sperre würde sich von der Ortschaft Ihne ab in westöstlicher Richtung erstrecken, heißt es auch im Bericht der MZ. Die Sperrmauer hätte kurz vor der Ortschaft Albringhausen gelegen. Alte Pläne, die noch von seinem Vater, der Mitglied im Stadtrat war, stammen, belegen das, bestätigt auch Rudi Lahme. Nicht nur die Ihne-Talsperre, sondern mit der Kierspe-Talsperre auch eine weitere Talsperre hatten Eingang in den Landesentwicklungsplan und Gebietsentwicklungsplan für den Märkischen Kreis gefunden. Beide Projekte wurden am Ende nie realisiert. Ob sie jemals gebaut werden würden, hänge von der Entwicklung des Wasserverbrauchs ab, hieß es seinerzeit.

Dass die Planungen zu einer möglichen Talsperre im Ihnetal schon viel älter sind und sogar auf die Zeit vor 1938 zurückgehen, belegt nach den Recherchen des Ruhrverbandes eine Passage im Heft „Die Biggetalsperre“ aus dem Jahr 1965: „Bereits am 20. Dezember 1938 hatte der Vorstand des damaligen Ruhrtalsperrenvereins beschlossen, die Biggetalsperre unverzüglich zu bauen. Diesem Beschluss ging eine große Anzahl von Voruntersuchungen voraus, die sich vor allem auf die Wasserwirtschaft, die Kraftwirtschaft und die geologischen Voraussetzungen erstreckten. Im Wettbewerb mit der Biggetalsperre stand besonders die früher geplante Ihnetalsperre, die in der Gegend von Papiermühle eine Sperrstelle bekommen sollte; nach einem Gutachten von Professor Fliegel musste das Projekt wegen der stark zerklüfteten Kalkbänke im Bereich der geplanten Sperrstelle jedoch aufgegeben werden. Die Abdichtung der sehr tief in den Untergrund hineinreichenden Höhlen würde selbst heute noch, trotz der fortgeschrittenen Technik, große Schwierigkeiten bereiten.“

Die Diskussion aus Anfang der 1980er-Jahre konnte beim Ruhrverband hingegen 40 Jahre später nicht mehr näher nachvollzogen werden. „Der sich in den 1980er-Jahren weiter forcierende Strukturwandel und der dadurch bedingte Rückgang der Wasserverbräuche machte jedenfalls weitere Talsperrenpläne unnötig“, erklärt Markus Rüdel als Sprecher des Ruhrverbandes.

Ist der mögliche Bau von Talsperren als Wasserreservoire heute überhaupt noch ein Thema für den Ruhrverband? Aktuell gebe es in dieser Hinsicht keine Überlegungen, verneint Rüdel. Durch die Deindustrialisierung und den damit verbundenen Bevölkerungsrückgang im Ruhrgebiet sei der Wasserverbrauch nach wie vor stark rückläufig. „Daran ändert auch der Klimawandel nichts. Eine möglicherweise durch Klimawandel beeinflusste Reduzierung der Versorgungssicherheit versucht der Ruhrverband durch veränderte Regelungen zu den Mindestwasserabflüssen aufzufangen“, so Rüdel. Gleichwohl würden Veränderungssperren im Landesentwicklungsplan weiterhin aufrechterhalten, um potenzielle Entwicklungsstandorte auch für nachfolgende Generationen zu reservieren.

Hinsichtlich der Wasservorräte gibt es auch nach dem regenarmen Sommer keine Befürchtungen. In diesem Herbst und Winter sei die Wasserversorgung gesichert: „Normalerweise füllen sich die Talsperren durch Niederschläge im Winterhalbjahr wieder auf“, sagt der Ruhrverband-Sprecher. Welche Niederschlagsmengen im Winter tatsächlich fallen werden, könne heute noch niemand seriös prognostizieren. „Vor diesem Hintergrund haben wir eine Absenkung der Grenzwerte zur Mindestwasserführung der Ruhr beantragt und durch das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW auch genehmigt bekommen.“ Durch die Absenkung der Mindestwasserführung muss weniger Wasser aus den Talsperren abgeben. Der „Wasserschatz“ kann so für eine mögliche Trockenperiode im Jahr 2023 länger bewahrt werden. Die Bigge ist zu etwa 64 Prozent gefüllt und damit 16 Prozent weniger als normalerweise zu dieser Jahreszeit. Der geringere Füllstand sei der langen Dürreperiode geschuldet, durch die zur Sicherstellung der Wasserversorgung höhere Wassermengen aus der Bigge abgegeben werden mussten, berichtet Markus Rüdel vom Ruhrverband.

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