Crones bewegte GSK-Zeit

+
Seit 2009 ist Petra Crones Arbeitsplatz als Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis 150 Olpe – Märkischer Kreis I im Reichstag. Sie fühlt sich wohl in Berlin, doch zieht es sie am Wochenende immer nach Hause.

KIERSPE - Ganz bewusst entschieden sich Petra und Michael Crone im Jahr 1972 dafür, von Lüdenscheid nach Kierspe zu ziehen.

 „Einerseits sollten unsere Kinder auf dem Land aufwachsen und andererseits faszinierte uns die Gesamtschule als damals neue moderne Schulform“, erinnert sich die Bundestagsabgeordnete. Zudem hatten sich beide sofort in das zum Verkauf stehende Gebäude der alten Schule in Vorderste Vornberg mit seiner Umlage verliebt. „Vom ersten Tag an lag auch die Meinerzhagener Zeitung bei uns auf dem Frühstückstisch“, nimmt Petra Crone Bezug auf das 100-jährige Jubiläum.

Seit der Bundestagswahl am 27. September 2009 ist ihr Arbeitsplatz in Berlin: Über ihren guten Platz auf der Landesliste kam die 61-jährige ins Parlament. Für eine Stadt ist es natürlich sehr positiv, wenn sie Politiker in Land- oder Bundestag stellt, da diese dann ihren Einfluss zu ihrem Vorteil geltend machen und so vielleicht wichtige Projekte vorantreiben können. Es ist das erste Mal, dass auch aus Kierspe mit Petra Crone eine Bundestagsabgeordnete kommt – und, das darf mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, zumindest auf absehbare Zeit wohl auch das letzte Mal. Die SPD-Politikerin ist durch ihren Einzug ins Parlament in der deutschen Hauptstadt zumindest vorläufig auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen. 1968 geheiratet, dann schnell hintereinander drei Kinder, Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, Studium der Sozialwissenschaften in Wuppertal, das in aller Kürze ist ihr privater Lebensweg, bevor sie dann ihre politische Karriere begann: 1988 trat Petra Crone in die SPD ein, damals war sie unter anderem Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, inzwischen ist sie schon mehrere Jahre zweite stellvertretende Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Märkischer Kreis sowie Mitglied im Landes- und Bundesparteirat. Bei ihrer Nominierung zur SPD-Kandidatin für die Bundestagswahl standen die Ortsvereine aus dem südlichen Märkischen Kreis genauso hinter ihr wie die aus dem Kreis Olpe. Die Bundestagsabgeordnete gehört mittlerweile zwei Ausschüssen an, unterhält mehrere Büros und beschäftigt zwei wissenschaftliche Mitarbeiter. In Vorderste Vornberg wird ein Traum wahr „Ich liebe zwar das besondere Flair von Berlin. Trotzdem werde ich aber wohl nie eine Großstadtpflanze. So atme ich immer tief durch, wenn ich nach Vorderste Vornberg nach Hause komme“, gesteht Petra Crone offen ein. In der alten Schule hoch über dem Schleipe- und Volmetal lebt sie zusammen mit ihrem Mann. Fast an jedem Wochenende geht es dorthin, obwohl sie dann meist auch viel unterwegs ist, um durch ihren Wahlkreis zu reisen. Denn sie hat sich vorgenommen, einen engen Kontakt zur Basis und zu den Menschen, die sie in Berlin vertritt, zu halten. Und das versucht sie genauso umzusetzen. Kürzlich fuhr sie wieder 1200 Kilometer durch das flächenmäßig recht große Gebiet. Die Bundestagsabgeordnete fühlt sich bis heute pudelwohl in ihrer Heimatstadt: „Die ländliche Struktur von Kierspe ist wunderschön und ich schätze auch die Menschen hier“, erklärt sie. War es damals unter anderem die Besonderheit der Gesamtschule, die sie in den Ort zog, schätzt sie deren positiven Einfluss auf das Leben in der Stadt, vor allem in kultureller Hinsicht bis heute. „Die Gesamtschule hat Kierspe nachhaltig geprägt und letztlich eben auch mich selbst“, macht sie aufmerksam. Ihr politisches Engagement begann eigentlich schon mit ihrer Arbeit in verschiedenen Elternmitwirkungsgremien, erst im Kindergarten, dann in der Grundschule und später in der Gesamtschule. Petra Crone war so Mitbegründerin des Fördervereins der Pestalozzischule. Vorbild dafür war damals der Förderkreis der Gesamtschule. „Auch an den Grundschulen gab es in dieser Zeit verstärkt Bedarf daran, dass Schüler, aber auch die Bildungseinrichtungen als solches immer öfter finanzielle Hilfe brauchten“, berichtet sie. Die SPD-Politikerin war jahrelang Vorsitzende des GSK-Förderkreises und auch der Schulpflegschaft. Gerade an der Gesamtschule gab es sehr viele Mitwirkungsmöglichkeiten für Eltern. Es kam zu immer neuen Aktionen in dieser Zeit, die von einer regelrechten Aufbruchstimmung geprägt war, wie sie beschreibt. „Ob es die Spielefeste auf dem Forum waren, Mülleimer oder die Schule innen bunt bemalt wurden“, denkt sie zurück und spürt noch deutlich die Begeisterung von damals. In der Anfangsphase der weiterführenden Kiersper Schule wurde in den Gremien heftig politisch diskutiert. Für Crone war das eine gute Vorbereitung auf ihre weitere politische Karriere. Durch ihr Engagement fiel sie den Sozialdemokraten vor Ort auf, die sie fragten, ob sie nicht in der Partei mitmachen wolle. Der Schulausschuss und der Umweltausschuss waren Petra Crones erste Betätigungsfelder. Zunächst einmal etwas gewöhnen musste sie sich an die oftmals harte Diskussionskultur in der SPD, die in der Anfangsphase von vielen Gesamtschullehrern dominiert wurde. Aber sie lernte damit klarzukommen. Durch die Politik entstanden Freundschaften zu unterschiedlichsten Menschen. „Die Politik erleichtert dies“, merkt sie an. Nachdenkliche Worte zum MZ-Jubiläum Das MZ-Jubiläum ist Anlass für ein paar nachdenkliche Worte: „Die Meinerzhagener Zeitung hat mich praktisch durch mein ganzes Leben begleitet. Gerade den Lokalteil finde ich bis heute wichtig, um zu erfahren, was in meinem Ort passiert“, ordnet Petra Crone die Bedeutung der MZ für sich ein. Es liege dabei in der Natur der Sache, dass einem als Politiker nicht immer alles, was geschrieben wird, gefällt, wirft sie lachend ein. Es gebe positive wie negative Erfahrungen, wird sie dann aber sofort ernster. Den Kontakt mit der Presse wertet sie grundsätzlich jedoch als „fruchtbares Nehmen und Geben“. Gerade durch die Berichterstatter der MZ, so sagt sie, habe sie „den Umgang mit der Presse von der Pike auf gelernt“. Davon könne sie heute auch in Berlin profitieren, gleichgültig ob sie mit der schreibenden Zunft Kontakt habe oder mit Radio und Fernsehen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare