Trotz Krise: Es wird fleißig gearbeitet

+
Torben Gelhausen arbeitete zuletzt an der Brücke über die Wiebelsaat.

Meinerzhagen – „Wir können uns glücklich schätzen, wenn die Bauwirtschaft am Ende des Jahres denselben Umsatz wie 2019 erwirtschaftet hat, was real immer noch einen Rückgang von etwa drei Prozent bedeuten würde. Wenn es schlechter läuft, können es auch nominal minus 2 beziehungsweise real minus fünf Prozent werden.“

Felix Pakleppa ist Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe. Und er ist sicher, dass die Branche durch Corona Einbußen hinnehmen muss. Das sieht auch Torben Gelhausen so. Der Maurermeister und über 17 Jahre selbstständige Bauunternehmer aus Haustadt hat allerdings auch in Zeiten der Pandemie zu tun. Zuletzt war er für die Firma Ahmann aus Attendorn mit der Sanierung der Brücke über die Wiebelsaat beschäftigt.

Gelhausen ist nach wie vor Insider, was die Baubranche angeht. Und er sieht die Tendenz, dass Corona alles schwieriger macht. „Aufträge werden momentan nicht mehr abgelehnt. Es wird genommen, was reinkommt“, berichtet er. Gleichwohl habe man derzeit gut zu tun – das liege auch an den Aufträgen, die bereits vor Corona eingegangen seien.

Ahmann ist im Garten- und Landschaftsbau tätig, hat auch Kunden in der Industrie, für die An-, Um- und Tiefbauarbeiten, Sanierungs-, Renovierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen geplant und umgesetzt werden. Das, so Gelhausen, sei momentan ein Vorteil, eben weil man so breit aufgestellt sei. Es komme jetzt darauf an, sich auf dem Markt genau umzublicken. „Aufträge gibt es weiterhin. Schließlich sind auch nicht alle Branchen von der Krise gleichermaßen betroffen. Die Sektoren Chemie und Lebensmittel boomen beispielsweise und führen weiter Bauprojekte durch. Andere Bereiche haben zu kämpfen, darunter die Automobilindustrie und mancher Zulieferer“, hat Gelhausen beobachtet.

Und wie steht es mit Aufträge von den Kommunen? Auch die gibt es noch. In den vergangenen Tagen war Torben Gelhausen an der Brücke über die Wiebelsaat tätig, die saniert wurde. Dass durch Corona auch Städten und Gemeinden Einnahmen wegbrechen werden, ist sicher. Das werde sich auch auf das Baugewerbe auswirken, glaubt Gelhausen. Er blickt außerdem sorgenvoll auf andere Branchen. Beispielsweise den Messebau: „Dort befindet man sich wohl durchweg in Kurzarbeit.“

Corona in Meinerzhagen: Preisspirale nach unten befürchtet

Die Pandemie wird nach Gelhausens Ansicht noch einen weiteren Aspekt zur Folge haben: „Es wird wohl eine Preisspirale nach unten geben.“ Der Maurermeister rechnet damit, dass sich viele Unternehmen künftig um weniger Aufträge bewerben werden. „Die Angebotspreise könnten dadurch sinken“, sagt Gelhausen. Seiner Firma gehe es aber gut, Kurzarbeit werde nicht geleistet. Die sei zwar angemeldet, aber noch nicht umgesetzt, berichtet der Haustädter. Dabei habe es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme gehandelt, zu der Ahmann gegriffen habe. „Auch deshalb, weil wir beobachtet haben, dass nicht mehr alle Materialien verfügbar sind“, erläutert Gelhausen und fügt hinzu: „Probleme gibt es inzwischen beispielsweise manchmal bei der Beschaffung von Zementmörtel und Estrichbeton.“

Gelhausen selbst bleibt allerdings auch in der Krise „tiefenentspannt“. „Man kann es eh nicht ändern und muss das Beste daraus machen. Es werden auch wieder bessere Zeiten kommen. Und man kann sich auch auf die Situation einstellen. Wir haben Wasser, Seife und Desinfektionsmittel auf den Fahrzeugen. Wir fahren die Baustellen mit mehreren Autos an, um zu vermeiden, dass zu viele Menschen in einem Auto sitzen. Innerhalb der Kolonnen wird Personal nicht mehr getauscht. Und wir schränken die Kontakte untereinander ein, wo immer es geht. Das läuft sehr gut“, ist Gelhausen trotz allem optimistisch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare