So gehen Unternehmen mit Corona und Schnelltests um

Im Zweifel in die „Fuchs-Quarantäne“

Patrick Koerschulte wurde für die Durchführung der Tests vom Betriebsarzt der Otto Fuchs KG unterwiesen und ist auch als Betriebssanitäter tätig.
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Für Corona-Testungen freigestellt: Patrick Koerschulte wurde für die Durchführung der Tests vom Betriebsarzt der Otto Fuchs KG unterwiesen und ist auch als Betriebssanitäter tätig. Hier testet er Fuchs-Mitarbeiter Christoph Lüsebrink.

Diese Pflicht kam bei vielen Unternehmen gar nicht gut an: Seit vergangener Woche müssen sie ihren Mitarbeitern mindestens einen Covid-Selbsttest zur Verfügung stellen. Manche Unternehmensverbände drohten daraufhin mit einer Klage, betonten, dass viele Firmen ihre Mitarbeiter doch schon längst regelmäßig testeten. Aber wie klappt es mit den Tests in den großen Meinerzhagener Unternehmen?

Meinerzhagen - Stefan Laartz ist Personalchef des Automotive- und Aerospace-Zulieferers. Er betont, dass Fuchs seinen Mitarbeitern bereits seit November 2020 ein Testangebot mache – und damit zu jenen 30 Prozent der Arbeitgeber gehören würde, die schon vor der Pflicht dazu seinen Mitarbeitern regelmäßige Tests angeboten haben.

„Als die ersten Antigen-Schnelltests in Umlauf kamen, haben wir sofort gehandelt“, sagt Laartz. Mitarbeiter, die auch nur die kleinsten Anzeichen einer Erkrankung hatten, werden seither zum Test geschickt. Und um den kümmere sich ein Mitarbeiter, der nur für dieses Angebot freigestellt worden sei. Und auch die Familien der „Füchse“ profitierten früh von der Corona-Politik des Arbeitgebers: „Durch eine Kooperation mit der Praxis von Dr. Reimann konnten sich auch die Angehörigen schon vor Einrichtung der Testzentren kostenlos testen lassen“, erklärt Stefan Laartz.

Wir halten nichts davon, den Arbeitnehmern einfach nur einen Test dahin zu legen und dann abzuwarten, was passiert.

Stefan Laartz, Personalleiter Otto Fuchs KG

„Wir halten nichts davon, den Arbeitnehmern einfach nur einen Test dahin zu legen und dann abzuwarten, was passiert. Deshalb haben wir jetzt auch eine Kooperation mit dem Schnelltestzentrum in der Stadthalle“, sagt Laartz. Damit zündet Fuchs sozusagen eine weitere Stufe der Testungen: Im Firmen-Netzwerk können die Mitarbeiter auf eigene Terminkorridore zugreifen und dort ihren Schnelltest buchen. Dieses Angebot ersetze allerdings nicht den schon seit langem etablierten Test-Service im Unternehmen, sondern ergänze diesen nur. „Wer unsicher ist und während der Arbeit Anzeichen bemerkt, die ihn unsicher machen, kann weiterhin jederzeit zum Test in der Firma gehen“, betont der Personalleiter.

Allerdings sollte es so weit erst gar nicht kommen, denn die Ansage des Arbeitgebers ist klar: „Wir haben da eine sehr stringente Vorgehensweise. Beim geringsten Verdacht oder einem Kontakt zu einer Person mit Symptomen, lassen wir unsere Mitarbeiter zu Hause“, sagt Stefan Laartz. Diese „Otto-Fuchs-Quarantäne“ bei voller Lohnfortzahlung bis zum Vorliegen eines PCR-Testergebnisses habe sich bewährt. Die Corona-Fälle im Unternehmen seien so auf ein Minimum reduziert worden, sagt der Personalchef. Zuletzt habe die Zahl der gemeldeten Positivfälle im unteren einstelligen Bereich gelegen – bei etwa 2700 Mitarbeitern. „Die Infektionen fanden dabei aber nicht im Unternehmen statt“, so Laartz.

GWK weiß um Aufwand - und Notwendigkeit

Um die Bedeutung der Schnelltests weiß auch ein anderer großer Arbeitgeber in Meinerzhagen: Bei GWK wird nach Aussage von Geschäftsführer Dr. Michael Zaun seit Anfang April getestet. „Die Verfügbarkeit war jedoch trotz vieler freier Händler eingeschränkt, sodass wir erst am 16. April endlich eine größere Anzahl an Schnelltests erhielten, die uns in den nächsten Wochen helfen werden“, so Zaun, der die Notwendigkeit zwar sieht, aber auch den Aufwand. „Wir können dies durch das gute Teamwork unseres Betriebsrats, unserer Fachkraft für Arbeitssicherheit und unserer Personalreferentin gut lösen. Bedeutend größer sind aber die Störungen durch die Abwicklung innerhalb der Arbeitszeit. Wir verlieren hier erhebliche Betriebsleistung, was Kosten und Störungen in der Terminsicherheit mit sich bringt.“ Letztlich wolle man aber einen Beitrag zum Schutz der Mitarbeiter leisten und auch weiteren Ansteckungen entgegentreten.

Wie bei Otto Fuchs, so gingen die Mitarbeiter mit der Situation auch bei GWK sehr verantwortungsbewusst um, so der Geschäftsführer. Mitarbeiter, die einer Ansteckungsgefahr ausgesetzt waren und daher befürchten müssen, andere anzustecken, würden sich umgehend melden. Vor allem, wenn sie Kollegen, Kunden oder Dienstleister persönlich treffen. Auch bei ersten Symptomen werde umgehend gehandelt. Die Resonanz auf die Schnelltests nennt Michael Zaun als „angemessen gut“. Die Anzahl der Mitarbeiter lasse sich über das „Corona-Schutzteam“ gut betreuen.

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