Gastwirte verzweifeln an fragwürdigem „Humor“ der Gäste

„Rosins Restaurant“ im MK? Corona macht‘s möglich...

Gastwirtin Gabriela Maurici von der Pizzeria Piccola ist nach einer Stellungnahme des Hotel- und Gaststättenverbands unsicher, welche Rechte sie im Umgang mit den Kunden hat.
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Die Gastwirtin Gabriela Maurici zeigt eine Vorlage für die Zettel, die einzeln auf den Tischen ausliegen. Sie ist nach einer Stellungnahme des Hotel- und Gaststättenverbands unsicher, welche Rechte sie im Umgang mit den Kunden hat.

In der Kabel-1-Sendung „Rosins Restaurant“ hilft Sterne-Koch Frank Rosin Gaststätten wieder auf Vordermann. Sein Name tauchte nun auch im MK auf - dank Corona.

Meinerzhagen - Meister Lampe, Mickey Mouse und Roger Rabbit – kein Mensch würde ernsthaft glauben, dass Personen mit eben diesen Namen tatsächlich in der heimischen Gastronomie verkehren. Wirklich schmunzeln können die Gastwirte über solche Einträge in den Namenslisten, die aufgrund des Coronavirus* obligatorisch sind, allerdings auch nicht. Zu groß ist die Sorge vor Konsequenzen – sei es gesundheitlich oder finanziell.

Gabriela Maurici ist Inhaberin der Pizzeria Piccola in der Fußgängerzone Derschlager Straße in Meinerzhagen. Die neuen Bußgeld-Regelungen für vermeintliche Spaßvögel mit falschem Namen sorgt bei ihr keineswegs für Erleichterung. „Ich habe doch weiterhin das Problem, dass ich nicht einfach jeden Gast nach seinem Ausweis fragen kann. Das sieht einfach seltsam aus, schließlich gibt es auch Namen, die wirklich möglich sind.“

Also Max Mustermann statt Mickey Mouse, Werner Müller statt Roger Rabbit. „Dann nach dem Ausweis zu fragen, obwohl man skeptisch ist, ist doch einfach unmöglich“, sagt Maurici. Sie hat Angst, Kunden mit einem allzu genauen Nachhaken zu verprellen. „Ich kenne viele und weiß dann auch, wenn sie etwas Falsches eintragen.“

„Rosins Restaurant“-Streich ließ sich schnell aufklären

Als einer von ihnen zuletzt „Rosins Restaurant“, der Name der Kabel-1-Sendung, in die Namensspalte schrieb, habe ein kurzer Hinweis genügt. „Er hat dann schnell den richtigen Namen eingetragen und das Thema war erledigt. Aber es sind eben nicht alle Angaben so offensichtlich falsch. Und dann? Hausverbot aussprechen oder Polizei holen?“

Es ist unklar, ob ich mir den Personalausweis überhaupt zeigen lassen darf.

Gabriela Maurici, Gastronomin

Denn: Die Identifizierung sei für Gastronomen schwerer als viele derzeit vermuten. Gabriela Maurici verweist auf eine Stellungnahme des des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Der hält es für schwer durchsetzbar, Falschangaben bei Corona-Kontaktinformationen zu bestrafen. „Es ist unklar, ob ich mir den Personalausweis überhaupt zeigen lassen darf“, sagt Maurici und zitiert damit auch Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges. Ihre Befürchtung: Sie dürfen es nicht.

Falsche Angeben in Corona-Liste: Es droht ein Bußgeld von 250 Euro

In Nordrhein-Westfalen soll bei der Angabe falscher Personendaten künftig ein Bußgeld in Höhe von 250 Euro verhängt werden. Zwar ist dieses Bußgeld nicht vom Gastronomen, sondern vom Kunden zu zahlen, der falsche Angaben macht. Aber die Wirte müssen diese Angaben auf Plausibilität überprüfen, wie es von Gesundheitsminister Karls-Josef Laumann in der vergangenen Woche hieß. Kontrolliert werden sollen die Gästelisten durch behördliche Stichproben.

Und die Kunden? Zumindest die Stammgäste der Pizzeria Piccola, die während des Interviews mit ihrer Wirtin ihr Essen genießen, haben für falsche Angaben ohnehin kein Verständnis. „Wir genießen das und wollen damit auch ein Stück Normalität zurückgewinnen. Warum sollte man das alles riskieren, indem man einen falschen Namen angibt? Am Ende schadet man auch dem Gastronomen, den man doch gerne besucht!“ *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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