Viele Patienten stornieren ihre Termine

Physiotherapiepraxen trotzen Coronavirus: "Wir sind weiter da!"

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Sie stehen den Patienten weiterhin zur Verfügung, müssen aber gegen Sorgen ankämpfen: Die Mitarbeiterinnen des Physiotherapiezentrums Karpovitsch und Klein führen derzeit unzählige Telefonate mit besorgten Kunden. Viele trauen sich derzeit nicht in die Praxis, obwohl eine Behandlung dringend anzuraten sei, wie Ksenia Klein sagt.

Meinerzhagen - Die Wirtschaft kommt zum Erliegen, die gesellschaftlichen Kontakte werden auf ein Mindestmaß zurückgefahren. Viele selbstständige Unternehmer fürchten um ihre Zukunft – selbst solche, die als „systemrelevant“ eigentlich zur Gesunderhaltung der Bevölkerung geöffnet bleiben dürfen.

Inhaber von Physiotherapiepraxen im ganzen Land haben derzeit dennoch große Sorgen: nicht nur um ihre Existenz, sondern nicht zuletzt um ihre Patienten. Denn die, so sagt Ksenia Klein vom Physiotherapiezentrum Karpovitsch und Klein an der Oststraße, würden derzeit zum Teil sogar medizinisch zwingend notwendige Termine aus Sorge vor dem Coronavirus einfach ausfallen lassen. 

Es habe seinen guten Grund, dass Physiotherapeuten ihre Praxen – anders als etwa Massagestudios oder Kosmetiksalons – weiterhin geöffnet haben dürfen. „Wir dürfen weiter arbeiten und die Ärzte unterstützen. Alle Therapien, die notwendig sind, werden weiterhin durchgeführt“, betont Ksenia Klein und weist etwa auf Schlaganfall- oder Rheuma- oder Krebspatienten hin, die es regelmäßig zu behandeln gelte. 

"Coronavirus versetzt in Panik und Angst"

Das Problem aus ihrer Sicht: „Die Corona-Krise schafft es, die Patienten in Panik und Angst zu versetzen. Unsere Praxen werden nicht angenommen. Wir sind da, aber die Patienten bleiben weg.“ 

Eine Situation, mit der auch Arne Kison und Alexandra Büthe von der gleichnamigen Physiotherapiepraxis an der Hauptstraße in Meinerzhagen konfrontiert sind. „Es ist gerade extrem ruhig“, sagt Arne Kison, der immer wieder mit Terminabsagen zu tun hat. 

Hat ebenfalls mit einem deutlichen Terminrückgang zu tun: Arne Kison von der Physiotherapiepraxis Kison und Büthe musste bereits Kurzarbeit anmelden. „Wir sind aber weiter für die Patienten da“, betont Kison.

„Es gibt dabei unterschiedliche Gruppen: Den Risikogruppen empfehlen natürlich auch wir, erst mal zuhause zu bleiben und ein paar Wochen zu warten. Andere wiederum könnten und sollten durchaus zu uns kommen.“ 

Auch er nennt etwa neurologische Erkrankungen oder auch Lymphdrainage-Patienten, die nicht zu lange mit der Therapie pausieren sollten. „Damit kann man vielleicht mal zwei oder drei Wochen pausieren, danach ist aber die Gefahr groß, dass man wieder bei null anfangen muss“, sagt Kison. 

Kurzarbeit auch bei Physiotherapeuten ein Thema

Derzeit plane er an der Hauptstraße „von Woche zu Woche“, doch er musste bereits Konsequenzen ziehen: Ab 1. April hat Arne Kison Kurzarbeit angemeldet. Acht seiner zehn Physiotherapeuten sind davon betroffen. Aber: „Wir sind weiterhin für die Kunden da“, betont er genauso wie Ksenia Klein. 

Und das ist auch notwendig, wie Ksenia Klein betont: „Wenn die Physiotherapiepraxen von der Gesundheitspolitik nicht finanziell unterstützt werden, dann haben die Patienten keine Versorgung mehr in der Erhaltung der Lebensqualität. Therapieverlust wäre für viele Kranke ein wahnsinniges Drama!“ Das betreffe nicht nur ältere Patienten, sondern auch Kinder und Jugendliche, die behandelt werden müssten „bevor es mit dem zunehmenden Alter zu spät wird.“

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