Corona: Die große Sorge der Azubis

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„Ausbildung ist ein wichtiges Merkmal“: Einblick in die Ausbildungswerkstatt von GWK mit dem Azubi Ikechukwu Amataobi (vorne) und Ausbilder Martin Bremicker.

Meinerzhagen/Kierspe - In Krisenzeiten trifft es nicht selten die Schwächsten. In Unternehmen sind das Leiharbeiter, aber auch befristet Beschäftigte – oder Auszubildende.

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Elke Hannack ist in Sorge, dass die ohnehin rückläufigen Ausbildungszahlen weiter ins Bodenlose fallen. „Gerade jetzt ist die Zeit, in der üblicherweise die neuen Ausbildungsverträge geschlossen werden. Schon vor Corona hat nur noch jeder fünfte Betrieb ausgebildet. Diese Zahl wird nun weiter sinken“, befürchtet sie. 

Eine Entwicklung, die auch in der heimischen Region zu erkennen ist? Nico Küls, Geschäftsführer des einstigen Kiersper und mittlerweile Meinerzhagener Unternehmens GWK, kann diesen Trend nicht erkennen. „Unsere Planstellen sind besetzt. Und das ist auch gut so, denn Ausbildung ist ein wesentliches Merkmal von GWK“, sagt Küls.

GWK: 31 Azubis in 20 Berufen

In fast 20 Berufen bilde man derzeit 31 Azubis aus – und auch Corona ändere daran nichts: „Zum neuen Ausbildungsjahr stellen wir ab August zehn neue Azubis sowie zwei neue Mitarbeiter, die zunächst eine sogenannte Einstiegsqualifizierung absolvieren, ein.“ Eine Investition in die Zukunft, wie Küls betont. 

„Wir übernehmen unsere Azubis natürlich sehr gerne. Schließlich sind sie in unsere Prozesse bereits eingearbeitet und das ist in der hohen Fertigungstiefe, die GWK aufweist, enorm wichtig.“ 

Dennoch ist auch die „Gesellschaft Wärme und Kältetechnik“ zweifellos von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen, wenn auch nicht so massiv wie manch anderes Unternehmen. „Der Anteil der Automotivesparte ist bei uns recht niedrig. Unser Verpackungs- und Extrusionbereich hat immer noch gut zu tun“, sagt Nico Küls. Ob sich das gute Auftragspolster aber halten lasse, sei noch unklar. 

„Spannend wird das dritte Quartal“, sagt der Geschäftsführer für den Bereich Vertrieb und Marketing bei GWK. Kurzarbeit musste in Teilbereichen dennoch seit Mai eingeführt werden – allerdings betreffe das nur 20 Prozent der Mitarbeiter, die wiederum immer noch auf 80 Prozent ihrer Arbeitszeit kommen. 

Auch bei Helit keine Auswirkungen des Coronavirus auf Ausbildung

Von einem coronabedingten Trend zu weniger Auszubildenden kann auch bei Helit in Kierspe nicht die Rede sein: Dass sich die Zahl der Azubis im Sommer von drei auf zwei reduzieren wird, hat mit Corona nichts zu tun. 

So blickt die im dritten Lehrjahr stehende Auszubildende ihrer Abschlussprüfung und der anschließenden Übernahme entgegen und wird es eine Azubi-Neueinstellung einzig aus betriebsinternen Gründen nicht geben. 

„Bei uns steht eine umfangreiche Softwareumstellung an, die genau in die Phase der Einarbeitung eines neuen Azubis fällt. Und weil wir auf die Einarbeitung viel Wert legen, macht das in diesem Jahr keinen Sinn“, erläutert Prokurist und Finanzbuchhalter Thomas Benninghaus.

 Vor den beiden verbleibenden Helit-Auszubildenden liegen noch ein bzw. zwei weitere Jahre – dann auch hoffentlich wieder mit geregelten Berufsschulzeiten, denn momentan gibt es anders als sonst keine festen Schultage. 

Ein Problem, mit dem genauso wie mit der Verschiebung der finalen Prüfung und der ersatzlosen Streichung aller Zwischenprüfungen natürlich auch die ebenfalls in Kierspe ansässige Firma Walter Potthoff konfrontiert ist. 

Darüber hinaus aber hat Corona dort ebenso wenig Auswirkungen auf den Ausbildungssektor: „Zu unseren augenblicklich zwei Azubis kommt im Herbst wie geplant ein dritter hinzu“, berichtet Sarah Dittmann, die in dem Unternehmen an der Friedrich-Ebert-Straße für das Personal verantwortlich ist

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