Freibäder im MK: Lockerung mit vielen Fallstricken

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Das Freibad Meinerzhagen im Normalbetrieb: Bei einer Wiedereröffnung müsste in Zeiten von Corona eine Menge beachtet werden. Die Liste der Vorgaben ist lang.

Meinerzhagen – Freibad-Spaß trotz Corona? Nach Meinung der NRW-Landesregierung durchaus möglich. Ab heute sollten die Bäder wieder öffnen dürfen, heißt es im viel beachteten NRW-Plan. Doch nicht nur in Meinerzhagen ist dieser Termin nicht zu halten.

Rückblende: Die Vorfreude nicht nur bei passionierten Frühschwimmern, sondern auch Kindern, Jugendlichen und Familien mag vor zwei Wochen groß gewesen sein, als Ministerpräsident Armin Laschet in der vergangenen Woche seinen Lockerungsplan für Nordrhein-Westfalen vorlegte – ebenso wie bei den Kommunen, in dessen Trägerschaft sich diese Bäder oftmals befinden. Schließlich steigern sich die roten Zahlen in den ohnehin defizitären Anlagen ohne Besucher ins Unermessliche. 

Der in Meinerzhagen für die Bäder zuständige Fachbereichsleiter Heinz-Gerd Maikranz erklärt daher weiterhin, grundsätzlich „Gewehr bei Fuß zu stehen“, was die mögliche Öffnung der Freibäder in Meinerzhagen und Valbert betrifft. Allerdings hat sich seine Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zum Badebetrieb nach der Lektüre diverser Erlasse und Pandemiepläne mittlerweile verflüchtigt.

Lange Liste der Regularien

Fest steht: Eine Öffnung der Einrichtung ist nur unter Einhaltung strengster Hygiene- und Abstandsregeln möglich. Der Betreiber – sprich in Meinerzhagen: die Stadt – muss einen „anlagenbezogenes Infektionsschutz- und Zugangskonzept“ erstellen und umsetzen. Das heißt laut Erlass vom 16. Mai unter anderem, dass auch im Freibad ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden, die Namen der Gäste dokumentiert werden müssen, um Infektionsketten zurückverfolgen zu können, und Räume in kurzfristigen Intervallen zu reinigen sind. 

"Pandemieplan Bäder"

Weiter geht der „Pandemieplan Bäder“, den die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen am 23. April verfasst hat – und den die Betreiber nicht ignorieren wollen und können. Zwar wird darin unter anderem betont, dass nach vorliegenden Erkenntnissen Viren durch das Chlor „sicher abgetötet werden“ und es in Schwimmbädern kein größeres Ansteckungsrisiko als in anderen Einrichtungen gebe. 

Doch die Liste der Maßnahmen, die der Betreiber eines Schwimm- oder Freibades zu treffen hat, um die Pandemie einzugrenzen, ist in diesem Regelwerk lang. Bei einer Wiedereröffnung empfiehlt die Gesellschaft unter anderem: 

  • Abstandsmarkierungen auf dem Boden für Warteschlangen, 
  • Acrylglas im Kassenbereich, 
  • Möglichkeiten des bargeldlosen Bezahlens, 
  • Zähleinrichtungen zur Feststellung der aktuellen Besucherzahl in der Einrichtung, 
  • mobile Spritzschutzwände in Duschbereichen, 
  • geöffnete Türen von Einzelumkleiden, damit nicht jeder Gast diese berühren muss. 

Während die Landesregierung keine maximale Personenzahl in den Becken benennt, rät die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen dazu „Schwimmerbecken“ mit einer Größe von 25 mal 12,20 Metern für maximal 52 Personen zu öffnen, bei Mehrzweckbecken für 65. Das Meinerzhagener Becken hat eine Länge von 50 Metern. 

"Personal trägt Mitverantwortung"

Heikel für Mitarbeiter des Freibads wie deren Arbeitgeber, in diesem Fall also die Stadt: „Grundsätzlich trägt das Personal eine Mitverantwortung, Ansteckungen, ob außerhalb des Bades oder innerhalb des Personalstamms, zu vermeiden“, heißt es in dem Pandemieplan weiter. 

Erste Hilfe unter speziellen Bedingungen

Selbst bei Erste-Hilfe-Maßnahmen müsste das berücksichtigt werden. Eine Beatmung von verunglückten Personen sei stets mit Blick auf ein Infektionsrisiko vorzunehmen. Retter sollten sich gegebenenfalls „nicht dem Gesicht des Betroffenen nähern“. Und weiter: „Wenn keine Brustkorbbewegungen erkennbar sind, ist davon auszugehen, dass der Betroffene nicht atmet.“ Bei Reanimation durch Herzdruckmassage könne das Gesicht sogar „zusätzlich durch ein Tuch oder Kleidungsstück bedeckt werden“, empfiehlt die Gesellschaft. 

"Vorgaben, die unser Personal kaum bis gar nicht kontrollieren kann"

Auch der Abstand der Freibadbesucher auf der Liegewiese „muss durch das Aufsichtspersonal (...) überwacht werden“, heißt es weiter. „Das alles sind Vorgaben, die unser Personal doch kaum bis gar nicht kontrollieren kann. Unter diesen Umständen ist es natürlich schwer, einen Betrieb aufzunehmen, ohne ein Haftungsrisiko einzugehen“, sagt Heinz-Gerd Maikranz angesichts dieser Vielzahl an Regularien, von denen hier nur wenige aufgeführt wurden. 

Dennoch prüfe man einen Neustart sowohl in Meinerzhagen als auch in Valbert weiterhin. „Wir müssen aber sehen, was machbar und verantwortbar ist.“

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