Kleine Firma sattelt um

Desfinfektion made in Eseloh: Aus beschaulichen Dorf in die Kirchen des MK

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Virenkiller aus Eseloh: Benjamin Miß präsentiert das Desinfektionsmittel, das es in nur sechs Wochen zur Marktreife und Zulassung durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin geschafft hat.

Meinerzhagen - Manchmal ist es die Not, die erfinderisch macht, manchmal ist es ein Zufall – und manchmal eine Mischung aus beidem. So wie in Eseloh, wo Hans-Jürgen und Benjamin Miß in nur sechs Wochen aus einer Idee ein registriertes Produkt entwickelt haben, das in Corona-Zeiten wichtiger ist denn je.

„Eigentlich sind wir Hersteller von Etikettier- und Kennzeichnungsmaschinen“, sagt Hans-Jürgen Miß, Senior-Chef der CCE GmbH, die sich mit insgesamt sieben Mitarbeitern auf Vertrieb, Einrichtung und Wartung solcher Geräte spezialisiert hat. 

Ein wichtiger Rohstoff im Druckvorgang der Codiermaschinen, die CCE ebenfalls vertreibt: Druckertinte. „Als wir im März entsprechende Materialien nachbestellen wollten, stiegen die Preise ins Unermessliche“, erinnert sich Miß. Der Grund war schnell gefunden: „Hauptbestandteil bestimmter Tinten ist Ethanol – und das wird auch maßgeblich zur Herstellung von Desinfektionsmitteln genutzt.“

In sechs Wochen von der Idee zum Produkt

Aus dieser Erkenntnis erwuchs eine Idee, die nun nicht nur umgesetzt wurde, sondern auch auf große Resonanz stößt: Hans-Jürgen Miß und sein Sohn Benjamin sind – mithilfe eines Kunden aus der Chemie-Branche – in die Herstellung von Desinfektionsmitteln eingestiegen. 

„Wir haben uns mit dem Kunden hingesetzt und überlegt, welchen Beitrag wir zur stagnierenden Versorgung, aber natürlich auch zur weiteren Auslastung unserer Firma beitragen können“, erinnert sich Hans-Jürgen Miß an die Anfänge von „eseclean“. Denn das ist der mittlerweile eingetragene Name des Produkts, das auch von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zugelassen wurde – angelehnt an den Ursprungsort der Idee: Eseloh.

Ursprünglich im Etikettiergeschäft zuhause: Mit dem Verkauf und Vertrieb von Kennzeichnungsmaschinen hat sich das Eseloher Unternehmen CCE einen Namen gemacht. Seit einigen Wochen ist es aber auch auf dem Markt der Desinfektionsmittelhersteller aktiv. Die Etiketten dafür kommen natürlich aus einer eigenen Maschine.

Produziert wird das Desinfektionsmittel beim Kooperationspartner in der Eifel, konfektioniert und versendet wird es aber im beschaulichen Eseloh, das sich damit zu einer gefragten Adresse in Zeiten der Corona-Krise entwickelt hat. „Den eigentlich Boom haben wir vielleicht verpasst, weil sich die Lage seit März entspannt hat. Aber wir wollten nicht vorschnell auf den Markt, sondern ein Produkt entwickeln, das wir langfristig als zweites Standbein etablieren können“, sagt Hans-Jürgen Miß. 

Die Liste der Kunden ist bereits lang

Und so ist die Liste der Kunden bereits wenige Wochen nach Markteinführung von „eseclean“ lang: Städtische Abnehmer, soziale Einrichtungen, Kinderhäuser – und auch der Evangelische Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg hat bereits in Eseloh gekauft. „Eines Tages rief Superintendent Klaus Majoress an und fragte für die Wiederaufnahme der Gottesdienste nach Desinfektionsmittel. Alle Kirchen konnten damit versorgt werden.“

500 Liter pro Tag

500 Liter können derzeit maximal pro Tag produziert werden – doch Entwicklung und Investition werden fortgesetzt. „Heute lassen wir zwar von Lohnherstellern abfüllen, aber nachdem entsprechende Mengen verkauft sind, wollen wir auch das selbst machen“, sagt Benjamin Miß, Junior-Chef bei CCE. Schließlich habe man beste Voraussetzungen für den Bau solcher Maschinen. Und die Pläne für eine komplette Produktionslinie stehen bereits: „So wollen wir die eseclean-Marke noch mit Produkten der Flächendesinfektion und entsprechenden Handspendern ergänzen.“

Ob es mithilfe von eseclean gelingt, das Unternehmen ganz ohne Schaden durch die Corona-Krise zu führen? Hans-Jürgen und Benjamin Miß wissen es noch nicht. „Jedenfalls tun wir viel, um die eine Auslastung unserer Mitarbeiter zu gewährleisten und mit vielen eigenen Ideen der Krise zu begegnen“, sagen Vater und Sohn übereinstimmend.

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