Wechselunterricht

Nach Rückkehr in die Schulen: Die Sorge bleibt

Corona-Hinweisschild in der Sekundarschule Meinerzhagen
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Hinweisschild in der Sekundarschule Meinerzhagen: Dass die Infektionszahlen in der Region wieder steigen, bereitet den Schulleitungen Sorgen.

Sinnvolle Rückkehr zur Normalität oder verfrühter Aktionismus? Wenn es um die Rückkehr zum Präsenzunterricht geht, gehen die Meinungen weit auseinander.

Meinerzhagen - So sind sich selbst Lehrerverbände nicht einig, ob sie den Unterricht im Wechselmodell an weiterführenden Schulen grundsätzlich für sinnvoll halten (Deutscher Lehrerverband) oder nicht (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft). Restlos überzeugt vom „Alltag light“ sind aber auch die Leitungen der weiterführenden Schulen in Meinerzhagen nicht. An der Sekundarschule kommen seit gestern Sechst- bis Neuntklässler im tageweisen Wechsel, während Fünft- und Zehntklässler an jedem Tag in der Woche vor Ort sind. Intern wird die Klasse dann ebenfalls geteilt. So will man das Risiko eines Ausbruchs möglichst minimieren – doch ob das gelingt, wird sich zeigen.

In Schulleiterin Christiane Dickhuts Brust schlagen zwei Herzen, wie sie sagt: „Ich betrachte die hohe Zahl an Infektionen, die wir gerade haben, mit großer Sorge. Andererseits weiß ich auch, was der Distanzunterricht mit den Kindern macht. Sie brauchen ihre sozialen Kontakte und den Tagesrhythmus, den sie jetzt durch den Präsenzunterricht wieder erlangen können“, sagte Dickhut gestern an „Tag 1“ des Schul-Neustarts im Wechselunterricht. Dass Schülerinnen oder Schüler mit jeglichen Erkältungssymptomen zuhause geblieben sind, sei daher nur folgerichtig.

Kritik an Impfreihenfolge

Zumal Lehrer der Sekundarstufe I immer noch nicht zur Gruppe der zu impfenden Personen zählen – was für die Schulleiterin etwa mit Blick auf die Förderschulen nur schwer verständlich ist. Auch an der Sekundarschule würden schließlich Förderschüler unterrichtet, sodass allein diese Klassifizierung kaum ausreiche, um den Sekundarschullehrern eine Impfung zu verweigern. „Und auch wir müssen doch zu den Schülern hingehen, wenn sie etwas nicht verstehen oder sie darum bitten, dass wir uns mal etwas anschauen“, sagt Dickhut, die an ihrer Schule einen ähnlichen Kontakt zu Schülern sieht wie an Grundschulen, wo Lehrkräfte bereits geimpft wurden. Doch ihr 51-köpfiges Kollegium wird bis auf Weiteres auf den Schutz verzichten müssen – und dazu gehören auch drei Kollegen mit Vorerkrankungen, die für den Präsenzunterricht nicht infrage kommen.

Am Evangelischen Gymnasium (EGM)werden seit gestern die Klassenverbände der Klassen 5 bis 9 in zwei Hälften aufgeteilt, die im Zwei-Tage-Rhythmus unterrichtet werden. In den Jahrgängen 11 und 12 ist dank der kleineren Kurse eine Aufsplittung der Unterrichtsgruppen nicht erforderlich. Stattdessen wird die komplette Stufe im täglichen Wechsel unterrichtet. Die Schülerinnen und Schüler der Einführungsstufe sind vollzählig (in großen Räumen) vor Ort, um sich auf wichtige Klausuren vorbereiten zu können.

Mit der Rückkehr in die Schulen hätten wir ruhig bis nach Ostern warten können.

Sven Dombrowski, Schulleiter EGM

Logistisch hat das EGM also seine „Hausaufgaben“ gemacht – doch wirklich begeistert ist Schulleiter Sven Dombrowski von der Rückkehr auch der restlichen Schüler in die Klassenräume nicht. Er könne verstehen, dass sich einige Bürgermeister in NRW gegen den Präsenzunterricht in der aktuellen Phase der Pandemie ausgesprochen haben. „Wir befinden uns mitten in der dritten Welle und hätten mit der Rückkehr in die Schulen meiner Ansicht nach ruhig noch bis nach den Osterferien warten können“, sagt Dombrowski.

„Wir haben ja auch zuvor pädagogische Angebote gehabt, um Eltern in Nöten zu helfen und die Kinder betreuen zu können“, sagt der EGM-Schulleiter. An seiner Einrichtung habe der Distanzunterricht gut funktioniert „und diese zwei Wochen hätten wir das auch weiterhin gut hinbekommen“, betont Dombrowski, der auch von vielen Eltern weiß, die ihre Kinder lieber noch zuhause gelassen hätten. „Sicher lag es bei uns auch an der Klientel, dass der digitale Unterricht funktioniert hat. Die Sorge, dass gerade jetzt bei steigenden Infektionszahlen der Präsenzunterricht wieder angezeigt ist, kann ich gut verstehen“, sagt Sven Dombrowski. Auch andere Schulleitungen in der Region würden das ähnlich sehen, „aber wenn selbst die Interessensvertretungen der Lehrer unterschiedlicher Meinung sind, ist es natürlich schwierig, das der Politik zu vermitteln“.

Selbsttest stellen Schulen vor neue Herausforderungen

Bei den Selbsttest-Kits für Schüler, die heute erwartet werden, sieht Dombrowski weitere Probleme auf die Schulen zukommen. Eine gestern veröffentlichte Schulmail des Ministeriums nennt diverse Dokumentationspflichten und Vorgaben, die die Schulen intern umzusetzen haben. Schüler mit positivem Schnelltest sollten unter anderem „unverzüglich und in altersgerechter Weise unter Einhaltung der allgemeinen Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen isoliert werden“, heißt es in der Schulmail.

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