Coronavirus breitet sich in Meinerzhagen weiter aus

Nach „diffusem Infektionsgeschehen“ in Firma: Gesamte Belegschaft getestet

Voswinkel-Werkleiter Jürgen Trenner gehörte zu den ersten Teilnehmern der Reihentestung, die in einer separat dafür abgesperrten Fertigungshalle im Werk in Neugrünenthal stattfand.
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Pünktlich um 8.30 Uhr ging es los: Voswinkel-Werkleiter Jürgen Trenner gehörte zu den ersten Teilnehmern der Reihentestung, die in einer separat dafür abgesperrten Fertigungshalle im Werk in Neugrünenthal stattfand.

Hat eine Corona-Mutation mittlerweile auch den Märkischen Kreis erreicht? Um diesem Verdacht nachzugehen, fand am Freitag in einem Meinerzhagener Unternehmen eine groß angelegte Reihentestung statt.

Meinerzhagen - Wie es aus der Firma Voswinkel heißt, habe es in den vergangenen Wochen ein „diffuses Infektionsgeschehen“ gegeben, dem nun in Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Labor Wahl aus Lüdenscheid nachgegangen werden soll. Auf dem Firmengelände in der Ortslage Neugrünenthal, wo sich das größte der beiden Meinerzhagener Voswinkel-Werke befindet, wurden nun 180 Mitarbeiter auf das Coronavirus hin untersucht.

Leider belastet uns das Corona-Geschehen in unseren beiden Meinerzhagener Werken stark.

Dr. Matthias Papenfuß, Geschäftsführer Stauff-Gruppe

„Leider belastet uns das Corona-Geschehen in unseren beiden Meinerzhagener Werken stark“, erläutert Dr. Matthias Papenfuß, Geschäftsführer der Werdohler Stauff-Gruppe, zu der auch die Voswinkel GmbH gehört. Aufgrund eines „diffusen Infektionsgeschehens“ innerhalb der vergangenen zwei Wochen habe man sich in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Märkischen Kreises dazu entschieden, einen Reihentest unter sämtlichen Beschäftigten durchzuführen. Diese Maßnahme sei erforderlich geworden, um die Gesundheit der Mitarbeiter auch weiterhin bestmöglich zu schützen und sicherzustellen, das Geschehen im Betrieb unter Kontrolle zu behalten.

Auch Überprüfung auf Mutation

Hintergrund der umfangreichen Testung ist die im benachbarten Oberbergischen Kreis bereits festgestellte Coronavirus-Mutante H69/V70 („dänische Variante“). Wie es aus dem Unternehmen heißt, kommen die Beschäftigten der beiden Voswinkel-Werke aus dem erweiterten Umkreis Meinerzhagens – unter anderem eben auch aus dem Oberbergischen Kreis. Zu Beginn des Jahres war dieser mit einem Inzidenz-Wert von fast 300 einer der Hotspots in ganz Deutschland. Die sogenannte dänische Variante wurde erst in dieser Woche in den benachbarten Kommunen Bergneustadt und Marienheide nachgewiesen. Ein Umstand, der am Mittwoch auch im Krisenstab des Märkischen Kreises bereits Thema war.

Seit Anfang Januar drastische Zunahme an Corona-Fällen in Meinerzhagen

Auffällig ist in Meinerzhagen eine seit Monatsanfang drastisch gestiegene Infektionszahl: Hatte der Märkische Kreis am 3. Januar noch 53 akute Corona-Fälle in der Volmestadt gemeldet, so lag die Zahl zwischenzeitlich bei 103 (22. Januar). Damit kam der landesweit zu beobachtende Trend eines wirksamen Lockdowns in Meinerzhagen offenbar nicht an. Ob diese Entwicklung in direktem Zusammenhang mit den Voswinkel-Werken steht, konnte gestern jedoch zunächst nicht bestätigt werden. Hendrik Klein, Pressesprecher des Märkischen Kreises, sagte gestern auf Anfrage, dass bislang auch in Meinerzhagen noch keine bestätigte Mutation des Virus festgestellt worden sei. „Nach aktueller Aussage aus unserem Gesundheitsamt ist die dänische Variante des Virus außerdem auch nicht ansteckender als die normale“, so Klein. Gestern meldete das Gesundheitsamt des Kreises für Meinerzhagen 82 akute Covid-19-Infektionen, 190 Meinerzhagener werden als Kontaktpersonen aufgeführt.

Ausbruch trotz umfangreichen Hygienekonzepts

Was die Gesundheitsbehörde zum besonderen Mittel dese Reihentests greifen lässt, sei das eigentlich ausgereifte Hygienekonzept bei Voswinkel, das dennoch keine hohen Fallzahlen verhindern konnte. „Im Moment beobachten wir eine große Dynamik mit einer über die vergangenen zwei Wochen stark schwankenden Zahl an Betroffenen – also Mitarbeitern in Quarantäne – im niedrigen bis mittleren zweistelligen Bereich“, so heißt es aus dem Unternehmen auf Anfrage der Redaktion.

Bei Voswinkel werde das Infektionsgeschehen aber durch eine Taskforce laufend kontrolliert und bewertet. „Daraus werden dann die erforderlichen Schutzmaßnahmen punktgenau abgeleitet, eingeführt und umgesetzt.“ Zu den im gesamten Unternehmen geltenden Regelungen zählten unter anderem Maskenpflicht für Mitarbeiter und externe Besucher, deren Präsenz zwingend vor Ort erforderlich ist, besondere Vorsichtsmaßnahmen bei der Schichtübergabe, Meldepflichten, Einsatz von Aerosol-Messgeräten, die Durchführung rein virtueller Meetings und erweiterte Mobile-Office-Regelungen. Damit sei es bisher gelungen, sowohl den Eintrag des Virus in das Unternehmen als auch die Ausbreitung im Betrieb weitestgehend zu kontrollieren und zu verhindern, sagt Stauff-Geschäftsführer Dr. Matthias Papenfuß. So seien auch schon zwei Infektionsketten im engen Austausch mit dem Gesundheitsamt des Märkischen Kreises nachverfolgt und zu isoliert worden.

Ergebnisse in der kommenden Woche

Die Reihentestung soll es ermöglichen, auch die aktuelle Infektionslage zu kontrollieren. Papenfuß lobte die Zusammenarbeit der Mitarbeiter des Gesundheitsamtes. Mit den Ergebnissen der PCR-Tests, auf deren Basis eine Neubewertung der Situation und gegebenenfalls die Einleitung weiterer Maßnahmen erfolgen kann, rechnet der Kreis Anfang der der kommenden Woche.

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