Nach Beschwerden aus Meinerzhagen

KVWL bestätigt landesweiten Impfstopp in Demenz-WGs

Mit zahlreichen Maßnahmen hatte die Demenz-WG „Aurelia“ bereits im Frühjahr 2020 auf die Pandemie reagiert.
+
Mit zahlreichen Maßnahmen hatte die Demenz-WG „Aurelia“ bereits im Frühjahr 2020 auf die Pandemie reagiert.

Die Nachricht vom Impfstopp in Demenz-Wohngemeinschaften Nordrhein-Westfalens schlägt weiter hohe Wellen. Auch Jochen Sting, Vermieter der WG „Aurelia“ an der Mühlenbergstraße, ärgert sich massiv über die Ungleichbehandlung von ambulanten und vollstationären Pflegeeinrichtungen.

Meinerzhagen - Dabei sei das Konzept dieser WGs einer Senioren-Einrichtung wie dem benachbarten Wilhelm-Langemann-Haus nicht unähnlich.

„In der WG leben maximal zwölf Personen zusammen, die gemeinsam die Hauswirtschaft durch den Pflegedienst organisieren lassen und hierbei mithelfen, so gut sie können und möchten. Es wird mittags gemeinsam in der großen Wohnküche gekocht, sodass man zum Beispiel beim Kartoffelschälen helfen oder aber dabei zusehen kann. Man lebt zusammen wie in einer Großfamilie und verbringt den Tag gemeinsam im Wohnzimmer, Wohnküche oder dem großen Balkon. Die Zimmer der Mieter werden überwiegend nur als Schlafzimmer genutzt“, beschreibt Sting den Alltag bei „Aurelia“. Auch neue Pflegeheime würden nach dem Vorbild solcher Wohngemeinschaften als „Wohngruppenkonzept“ organisiert.

Die ältesten Mieterinnen sind Jahrgang 1926

„Aktuell sind die beiden ältesten Mieterinnen 95 Jahre alt. Beide sind auf den Rollstuhl angewiesen. Eine Mieterin mit Pflegegrad 4 und weit fortgeschrittener Demenz ist blind und immobil. Eine weitere Mieterin hat vor einer Woche eine künstliche Hüfte bekommen und erholt sich von der OP.“ Einige wenige Mieter könnten zwar durchaus zu einem Impftermin transportiert werden, aber „der Mix der Mieter ist der gleiche wie im Pflegeheim“, betont der „Aurelia“-Vermieter.

„Dass diese Mieter nun in ein Impfzentrum geschickt werden sollen, wobei das direkt gegenüberliegende Pflegeheim von einem Impfteam besucht wurde, zeigt sehr deutlich das Versagen der Verantwortlichen im Märkischen Kreis“, so Sting. Dass es sich bei Aurelia um eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz handelt, sei dem Märkischen Kreis natürlich bekannt gewesen. Dennoch sei der Termin letztlich abgesagt worden.

Kreis: KVWL ist für Impftermine zuständig

Ein Sprecher des Märkischen Kreises hatte gegenüber der Redaktion betont, dass die Koordinierungsstelle des Impfzentrums letztlich für die Streichung des für 15. Januar angesetzten Termins verantwortlich zeichnete. „Der zuständige Arzt handelt aber im Auftrag der Kassenärtzlichen Vereinigung Westfalen-Lippe“, hieß es weiter.

Die KVWL wiederum bestätigte jetzt auf MZ-Anfrage, was der Fachverband „Wohnen in Gemeinschaft“ in einer Stellungnahme kritisiert hatte: Demnach habe das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW (MAGS) durch einen Erlass festgelegt, dass „sich die Corona-Impfungen über mobile Teams derzeit auf vollstationäre Pflegeeinrichtungen beschränken“. Hinsichtlich der nun eigentlich doch anberaumten Impfung bei „Aurelia“ heißt es weiter: „Für die Bestellung der Impfdosen für die Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen sind mittlerweile die Koordinierungseinheiten der Impfzentren zuständig. Diese sind an die Weisungen des MAGS gebunden.“ Eine Impfung der WG-Bewohner dürfte also vorerst hinfällig sein.

Es ist ein Skandal, dass dieses Engagement durch die von Behörden verzögerte Impfung in keinster Weise respektiert wird.

Jochen Sting, Vermieter „Aurelia“

Ein unhaltbarer Zustand, wie Jochen Sting sagt. Pflegepersonal und Bewohner hätten sich bei „Aurelia“ bereits im Frühjahr isoliert und danach hohe Sicherheitsstandards umgesetzt. Man habe als erstes Unternehmen Schnelltests durchgeführt und für 4500 Euro einen hochwertigen Luftreiniger angeschafft. Sting: „Es ist ein Skandal, dass dieses Engagement durch die von Behörden verzögerte Impfung in keinster Weise respektiert wird und der Gesundheit der Mieter so unnötig gefährdet wird.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare