Versuch des „Alltags“ auch bei wenigen Kindern

Kitas arbeiten an vorderster Corona-Front

Möglichst „normal“ will auch der evangelische Kindergarten „In den Bäumen“ in Valbert das Leben für die Kinder gestalten.
+
Möglichst „normal“ will auch der evangelische Kindergarten „In den Bäumen“ in Valbert das Leben für die Kinder gestalten. Die, die derzeit nicht die Einrichtung besuchen, können gemalte Bilder in eine Box legen. Die Werke werden dann gut sichtbar aufgehängt.

Es war ein Aufruf, nicht mehr: Mitte Dezember hatte die Landesregierung Eltern dazu aufgerufen, ihre Kinder möglichst nicht in den Kindergarten oder die Kita zu schicken. Eine kurze Umfrage in einigen heimischen Einrichtungen wenige Tage später zeigte: Nicht alle, aber viele Mädchen und Jungen wurden daraufhin nicht mehr in die Betreuung geschickt. Vor Corona-Fällen schützte das die Einrichtungen aber nicht, was gut anderthalb Monate später deutlich wird.

Meinerzhagen - Beispiel DRK-Kita Korallenriff: Die Einrichtung am Schulplatz musste über die Weihnachtsfeiertage komplett schließen, nachdem fast alle Erzieherinnen und einige Kinder Corona-positiv getestet worden waren. Schwere Verläufe musste Einrichtungsleiterin Martina Scharnholz zum Glück nicht vermelden – doch diese Fälle führten offenbar zu noch größerer Vorsicht bei den Eltern. Hatten am 14. Dezember, kurz nach dem Aufruf der Landesregierung, noch 21 Kinder das „Korallenriff“ besucht, sind es derzeit nur sechs. „Die Eltern sind sensibilisiert worden“, vermutet Scharnholz einen Grund für die geringe Zahl der zu betreuenden Kinder.

Deutlich wird: Eine Corona-Infektion ist in Kindertagesstätten längst keine Ausnahme mehr. Siehe in der Awo-Kita „Farbenspiel“ am Brannten. Nachdem Anfang November eine Erzieherin positiv auf das Virus getestet worden war und 58 der 72 Kinder in Quarantäne mussten, hat es die Einrichtung nun erneut erwischt. Immerhin: Durch die strikte Trennung der Gruppen konnte die Zahl der nun von Quarantäne betroffenen Kinder und Erzieher stark eingegrenzt werden.

Es kann Tage geben, an denen ein Kind alleine in einer Gruppe ist

Anke Makowski, stellv. Kita-Leiterin

Fünf Kinder sowie die Erzieherinnen einer Gruppe seien nun betroffen, berichtet Anke Makowski, die stellvertretende Leiterin der Awo-Kita „Farbenspiel“. Ende der Woche ende die Quarantäne jedoch. Derzeit würden im Haus Lyck, wo die Einrichtung derzeit noch untergebracht ist, 21 Kinder in fünf Gruppen betreut. „Es kann Tage geben, an denen ein Kind alleine in einer Gruppe ist“, berichtet Makowski von der mitunter besonderen Situation infolge der Pandemie.

Für die stellvertretende Kita-Leiterin steht fest: Eltern, die ihr Kind wieder in die Einrichtung schicken wollen, haben jedes Recht dazu. Die Entscheidung sollte nicht hinterfragt werden. „Wir haben den Eltern gesagt, dass sie ihre Kinder wieder schicken können, sobald es bei ihnen die Situation verlangt. Dafür sind wir da“, sagt Anke Makowski. So lange auch die älteren Kinder nicht in die Schule gehen können und somit oftmals gleich mehrere Kinder daheim sind, würden viele Eltern aber alles möglich machen, um selbst zuhause zu sein.

Keine akuten Fälle, dafür aber ebenfalls vergleichsweise wenige Kinder betreut das Team des evangelischen Kindergartens „In den Bäumen“ in Valbert. Zwischen 12 und 15 Mädchen und Jungen würden derzeit in die Einrichtung geschickt, berichtet Leiterin Simona Busch-Brock, nächste Woche kämen zwei weitere hinzu.

Zusätzliche Betreuungstage sind hilfreich

Als hilfreich für die Eltern habe sich jedoch die Möglichkeit erwiesen, zehn weitere Tage für die Kinderbetreuung vom Arbeitsplatz fernzubleiben. War zunächst von zusätzlichen „Krankenbetreuungstagen“ für Arbeitnehmer die Rede, habe sich nun gezeigt, dass der Bedarf lediglich mit Krankenkasse und Arbeitgeber abgestimmt werden muss. „Alles andere wäre auch nicht gegangen“, sagt Busch-Brock. „Welcher Kinderarzt schreibt schon ein gesundes Kind krank, nur damit Mutter oder Vater zuhause bleiben können?“

Doch auch mit weniger Kindern als üblich – insgesamt 61 besuchen eigentlich die Einrichtung in Valbert – versuche man, den Alltag so normal wie möglich zu gestalten und zugleich alle Kinder, die zuhause sind, zu beschäftigen. Sei es in Form kreativer Angebote, die als Bastelpaket oder Mail gemacht werden, oder per Telefon. „Wir telefonieren die Kinder auch ab und bringen ihnen kleine Geschenke vorbei, wenn sie Geburtstag hatten“, berichtet Simona Busch-Brock aus dem Corona-Alltag, der den Mädchen und Jungen so normal wie möglich gestaltet werden soll.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare