Weihnachten in Corona-Zeiten

Kirche „on tour“: Gemeinde plant Gottesdienste mit „Weihnachts-Lkw“

Weihnachtliche Innenstadt in Meinerzhagen - zum Fest 2020 könnten Open-Air-Gottesdienste stattfinden.
+
Weihnachtliche Innenstadt in Meinerzhagen - zum Fest 2020 könnten Open-Air-Gottesdienste stattfinden.

Weihnachten wird anders. In Meinerzhagen könnte Heiligabend in einer Weise gefeiert werden, die es noch nie vorher gegeben hat – open Air.

Meinerzhagen - Statt vor dem Altar in der Kirche predigen stehen die Pfarrer bei der Predigt draußen auf dem Anhänger eines Lastwagens.

Evangelische Kirchengemeinde Meinerzhagen

„Wenn Menschen nicht in die Kirche kommen können, muss die Kirche zu den Menschen kommen“, beschreibt Pfarrer Klaus Kemper-Kohlhase die Idee der Evangelischen Kirchengemeinde Meinerzhagen mit wenigen Worten. Dahinter verbirgt sich allerdings ein Vorhaben, das bei aller Weihnachtsfestlichkeit fast spektakulär klingt. Denn um am heiligen Abend auch während der Pandemie möglichst vielen Menschen die Weihnachtsbotschaft überbringen zu können, werden, sofern es die Corona-Vorgaben der Feiertage zulassen, drei „Weihnachts-Lkw“ in der Stadt unterwegs sein.

Das Ordnungsamt sei über das Vorhaben bereits informiert worden. Man sei im Gespräch und habe die notwendigen Abstimmungen aufgenommen, hofft die Gemeinde, dass die Entwicklung der Pandemie und die sich daraus ergebenden Vorschriften eine Realisierung der besonder Open-Air-Gottesdienste zulassen. Ein Thema ist dabei beispielsweise die Rückverfolgbarkeit der Besucher, die gewährleistet werden soll.

Die Weihnachtswagen sollen jeweils drei Stationen in der gesamten Stadt ansteuern, „das können Parkplätze sein, aber auch Wohnsiedlungen“, so Klaus Kemper-Kohlhase. Denkbar seien der Platz vor dem Wilhelm-Langemann-Haus oder der Schulhof des Evangelischen Gymnasiums.

Wenn Menschen nicht in die Kirche kommen können, muss die Kirche zu den Menschen kommen.

Klaus Kemper-Kohlhase, Pfarrer

Neben Pfarrer Klaus Kemper-Kohlhase werden sich auch Petra Handke und Martina Kämper auf die „Weihnachtstour“ begeben, jeweils zusammen mit Musikern des Posaunenchores. Gepredigt und musiziert werden soll von der Ladefläche der Fahrzeuge. Für die feierliche Atmosphäre werden Weihnachtsbäume nicht fehlen. Die Gottesdienste, so betont der Pfarrer, seien jedoch nicht mit einer Christmette vergleichbar. „Sie werden deutlich kürzer sein und in etwa 20 Minuten dauern.“

Wer an Heiligabend auf den Besuch der Kirche nicht verzichten möchte, hat dazu ebenfalls Gelegenheit. Denn die Jesus-Christus-Kirche wird Gläubigen als Ort der Stille offen stehen zum Gebet, zur Einkehr und zur Meditation. Darüber hinaus wird es außerdem einen Online-Gottesdienst geben, damit jeder die Möglichkeit hat, Gottes Wort zu hören. Am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag sollen Gottesdienste in der Kirche stattfinden – unter Einhaltung der üblichen Corona-Besuchs-Regeln.

Weil man die Menschen erreichen wolle, sei man kreativ geworden, verdeutlicht Klaus Kemper-Kohlhase. Auf Bekanntes und Gewohntes müsse aber verzichtet werden. „Heiligabend sind die Gottesdienste voll, das ist jedes Jahr so. Dieses Jahr wird es einfach nicht möglich sein. Auf Gottes Wort soll aber niemand verzichten, und wir sind daher voller Vorfreude, unsere Planungen in die Tat umzusetzen.“

Katholische Kirchengemeinde St. Maria Immaculata

Dass am 24. Dezember viele Besucher in die Kirche kommen, weiß auch Pfarrer Peter Kroschewski von der Katholischen Kirchengemeinde St. Maria Immaculata. Die Planungen für die Feiertage hat daher auch die katholische Gemeinde aufgenommen. Bereits jetzt steht für die Verantwortlichen fest: „Spontan in die Kirche gehen, das wird Weihnachten nicht funktionieren.“ In allen größeren Gotteshäusern in Meinerzhagen, Valbert und Kierspe werde es jeweils drei Gottesdienste geben, für die sich die Gläubigen anmelden können und für die es dann auch Platzkarten geben wird. Neben einem Wortgottesdienst wird es auch einen Kindergottesdienst geben, allerdings nicht in der gewohnten Form mit einem Anspiel, aufgeführt von vielen Kindern, und Gesang.

Weihnachtslieder gehören jedoch bekanntlich zum Fest der Feste wie die Krippe zum Jesuskind. „Ich glaube nicht, dass wir an Weihnachten singen dürfen“, so die Vermutung Kroschewskis. Musik werden die Gemeindemitglieder daher wahrscheinlich nur hören können. Vielleicht könne draußen vor der Kirche ein gemeinsames Lied gesungen werden, aber ob dies tatsächlich möglich sein werde, stehe noch lange nicht fest.

Evangelische Kirchengemeinde Valbert

„Wir müssen die Entwicklung abwarten“, das weiß auch Peter Winterhoff von der Evangelischen Kirchengemeinde Valbert. Nichtsdestotrotz habe die Gemeinde in Valbert natürlich auch die Planungen für die Weihnachtsfeiertage aufgenommen, auch wenn die aktuellen Entwicklungen das Ganze erschwerten. Eines steht dabei bereits jetzt fest: „Weihnachten wird in diesem Jahr anders sein. Ganz anders, und nicht so, wie wir es aus den vergangenen Jahrzehnten gewohnt sind und wie wir es gerne gefeiert haben.“

Wenn der Besuch der Gottesdienste in Valbert auch während der Pandemie bisher ohne Anmeldung funktioniert habe, wird das an Heiligabend nicht möglich sein. Für den 24. Dezember wird man sich anmelden müssen. Über das genaue Verfahren wird die Gemeinde noch informieren. Um allen Gemeindemitgliedern die Gelegenheit zu geben, einen Gottesdienst zu besuchen, soll es mehrere Gottesdienste in der evangelischen Kirche geben. Das bedeutet auch: Alles wird kürzer. „Normalerweise dauern die Gottesdienste über eine Stunde, das wird so nicht gehen.“ Zwischen den einzelnen Gottesdiensten müsse den Hygienevorschriften nachgekommen und gelüftet und desinfiziert werden.

Von den coronabedingten Veränderungen ist neben der Christvesper im Ebbedorf auch der Familiengottesdienst am Nachmittag betroffen. In der Regel ist die Kirche dann bis auf den letzten Platz besetzt. Warten aufs Christkind – für kleinere und größere Kinder geschieht das in der Kirche mit einem Weihnachtsanspiel, bei dem meist über 20 Kinder mitwirken. „Auch dieser Gottesdienst ist natürlich von den Beschränkungen betroffen, auch er wird daher natürlich anders sein“, so Peter Winterhoff. Überlegungen gebe es darüber hinaus, die Gemeinde auf digitalem Weg zu erreichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare