Nach neuem Schließungs-Beschluss

Corona-Frust und Resignation bei den Gastronomen

Ibrahim „Brazzo“ Mrzljak vor der Gaststätte Theile.
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Ibrahim „Brazzo“ Mrzljak vor dem Gasthaus Theile.

Auch wenn die Entscheidung am Ende nicht überraschend kam – sauer sind die heimischen Gastronomen angesichts des angekündigten Lockdowns dennoch.

Meinerzhagen - Nach der Zwangsschließung im Frühjahr müssen sie ab Montag erneut für vier Wochen ihre Restaurants schließen. Zwar ist ein Liefer- und Abholservice weiterhin möglich, doch das – so ist die einhellige Meinung – wird die Verluste keinesfalls ausgleichen. Die MZ hörte sich um und holte einige Stimmen aus der Meinerzhagener Gastro-Szene ein.

Wirtshaus in der Altstadt

Inhaber Vassilios Spiroglou wird deutlich: „Man fühlt sich verarscht. Wir machen und tun, aber am Ende müssen wir dann doch schließen, während Kantinen weiter geöffnet haben dürfen. Den Widerspruch verstehe ich nicht.“ Er rechnet – wie im Frühjahr – mit einem Umsatzeinbruch von bis zu 80 Prozent, da der Liefer- und Abholservice, den er jetzt wieder gestartet hat, nur begrenzt helfen könne. „Wir sind aber natürlich dankbar, dass sich viele Stammkunden solidarisch zeigen und das Angebot nutzen“, sagt Spiroglu. Dass nun auch das Weihnachtsgeschäft ernsthaft in Gefahr ist, beunruhigt den Gastronomen noch mehr. „Die ersten Feiern waren schon für November gebucht – und ich befürchte, dass das alles nach vier Wochen immer noch nicht zuende ist. Wir haben im Sommer einen Schritt nach vorne gemacht und machen jetzt zehn zurück“, sagt Vassilios Spiroglou, der nur einen Weg sieht, wirtschaftlich überleben zu können: „Wir werden Kredite in Anspruch nehmen müssen.“

Gasthaus Theile

„Es ist traurig, dass wir uns erst alle Mühe geben, ein Hygienekonzept zu erarbeiten und einzuhalten und am Ende aber sowieso wieder diejenigen sind, die als erstes geschlossen werden.“ Ibrahim „Brazzo“ Mrzljak, der gemeinsam mit Mehmed „Karl-Hasan“ Mrzljak das Gasthaus Theile an der Derschlager Straße betreibt, ist frustriert. Aber den Kopf in den Sand stecken? Das kommt für ihn nicht infrage. „Wir werden jetzt wieder verstärkt unseren To-Go-Service bewerben, hatten zuletzt schon mit 20 Prozent Rabatt auf Außer-Haus-Bestellungen reagiert“, sagt Mrzljak. Von 17 bis 20 Uhr werden die Kunden ab kommenden Montag wieder Speisen aus dem Gasthaus unter Tel. 0 23 54/7 77 99 55 bestellen können. Dass dafür nicht annähernd so viel Personal notwendig ist wie für einen normalen Restaurantbetrieb, ist klar. „Von den acht Personen, die wir eigentlich beschäftigen, brauche ich dann maximal vier. Die anderen kann ich leider einen Monat lang nicht beschäftigen“, bedauert „Brazzo“ Mrzljak die Folgen, die der Lockdown für seine Mitarbeiter hat. Anders lassen sich die immensen Umsatzeinbußen, die er nun erwartet, nicht zumindest teilweise kompensieren. „Beim letzten Lockdown hatten wir einen Einbruch von etwa 70 Prozent“, erinnert sich der Gastronom.

Café, Snack und mehr

Halina Frankowski freut sich seit der Eröffnung ihres kleinen Cafés Zur Alten Post über immer mehr Stammkunden, die bei ihr gerne Kaffee, Kuchen und Snacks genießen. Nun muss auch sie aber ihren Laden geschlossen halten. „Die Bar nur für Abholung offenzuhalten, lohnt sich einfach nicht“, sagt Frankowski, die aber guten Mutes ist, den November wirtschaftlich zu überstehen. „Das geht zum einen, weil ich ja keine Mitarbeiter beschäftige, zum anderen dank der Hilfe meines Mannes.“ Ganz verzichten müssen ihre Kunden aber nicht auf Halina Frankowskis beliebten Snack-Platten: „Bestellungen dazu nehme ich natürlich weiter an und liefere dann auch.“ Frankowski ist per E-Mail unter frankowscy@online.de erreichbar.

Bäcker mit Herz

Wenig überrascht über die neuerlichen Einschränkungen ist Christian Räbsch. Der Betreiber des Cafés „Bäcker mit Herz“ wird nun zwangsläufig wieder auf den reinen Abholservice setzen müssen. „Der Cafébetrieb, der nun ab Montag ruhen muss, ist aber natürlich unser Kerngeschäft“, rechnet Räbsch mit bis zu 60-prozentigen Einbußen. „Sollte die Politik ihre Versprechungen halten und uns finanziell unterstützen, würden wir das aber überleben“, setzt er große Hoffnung auf Wirtschaftshilfen aus Berlin oder Düsseldorf.

Fischerheim

„Natürlich wird das wirtschaftlich kritisch“, sagt Friedrich Albert Lück, der mit seiner Frau Gudrun das Fischerheim in Windebruch betreibt. Auf finanzielle Hilfen der Politik will er aber keine zu großen Hoffnungen setzen. „Die 9000 Euro aus dem Frühjahr sind zwar schnell gekommen, aber immer noch ist nicht klar, wie viel wir davon zu welchen Konditionen zurückzahlen müssen.“ Zwar habe er recht zufrieden auf den Sommer schauen können, „aber das reicht bei Weitem nicht, um die Umsätze des Vorjahres zu erreichen“. Dass nun ausgerechnet das Weihnachtsgeschäft durch die Maßnahmen gefährdet ist und im November sogar komplett wegbricht, schmerze umso mehr. Und der Gastronom ärgert sich auch, dass alle Schutzmaßnahmen, die Infektionsherde in der Gastronomie verhindert hätten, letztlich nichts Wert seien. „Wir haben Kosten und Mühen gehabt, um die Vorgaben umzusetzen. Das nützt uns jetzt aber leider nichts mehr“, sagt Friedrich Albert Lück, der im November auf Anfrage einen Abholservice einrichten will (Tel. 0 23 58/2 70).

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