Erste Ratssitzung nach der Pause

Ein Bild wie in Vor-Corona-Zeiten: Im Rat gelten keine Abstandsregeln

Ratssitzung nach Corona-Pause im Ratssaal Meinerzhagen.
+
Alles wie immer? Der Blick in den Ratssaal ließ das am Dienstag vermuten. Für die Ratsmitglieder galt die Abstandsregelung nicht, für die Besucher im Eingangsbereich aber schon. Die Verwaltung erklärt das mit der besonderen Rückverfolgbarkeit, die im Saal sichergestellt sei.

Abstand, Maske, Namenslisten - vielen sind die Regeln in Zeiten von Corona in Fleisch und Blut übergegangen. Es gibt aber einen Ort in Meinerzhagen, an dem sie nicht gelten: im Ratssaal. Aus einem besonderen Grund, wie Helmut Klose von der Stadtverwaltung erklärt.

Lieber restriktiv regulieren als höhere Corona-Fallzahlen: Mit dieser Herangehensweise, so sagte Bürgermeister Jan Nesselrath (CDU) am Dienstag in der Ratssitzung, sei man in Meinerzhagen zuletzt gut gefahren.

Und so erklärte er auch das Probenverbot etwa für den heimischen Fanfarenzug, für den sich Nesselraths Parteifreund Frank Schmitt vehement einsetzte. Wer sich indes zeitgleich im Ratssaal umsah, mag sich gewundert haben: Abstand? Nicht für die Kommunalpolitiker. Aus gutem Grund, wie Fachbereichsleiter Helmut Klose auf MZ-Anfrage erklärte.

Besondere Aufgaben kommunaler Gremien

„Die Sitzungen kommunaler Gremien gehören laut Erlass vom 10. August nicht zu den untersagten oder zu untersagenden Veranstaltungen, da sie der Ausübung und dem Erhalt der zu gewährleistenden kommunalen Selberverwaltung dienen“, so Klose. Für Gremien wie Rat oder Ausschüsse genüge zudem eine besondere Rückverfolgbarkeit, die durch die Schriftführerin zu dokumentieren ist. Sprich: Bis zu vier Wochen nach der Sitzung ist nachzuvollziehen, wer im Sitzungssaal auf welchem Platz saß. Auf Abstände könne daher verzichtet werden, erklärte Helmut Klose. Tatsächlich sind die Verhaltensregeln bei Ausschuss- und Ratssitzungen entsprechend definiert.

Fanfarenzug würde gerne proben

Lieber auf Nummer sicher gehen will die Verwaltung indes bei musiktreibenden Vereinen – wie eben beim Fanfarenzug Meinerzhagen. Der, so betonte Ratsherr Frank Schmitt in der Sitzung am Dienstag, würde alle Vorgaben, die für einen Probenbetrieb in Corona-Zeiten notwendig sind, einhalten. Nicht nur durch verschiedene Schutzvorrichtungen, sondern auch – wenn denn die Stadthalle für die Proben freigegeben würde – hinsichtlich des Abstands der Musiker untereinander.

„Es liegt ein ordnungsgemäßes Hygienekonzept gemäß der gesetzlichen Bestimmungen vor und dennoch wird einem Probenbetrieb nicht zugestimmt“, sagte Schmitt, der sich darüber wunderte, dass der Stadt Kierspe dieses Konzept offenbar genügt, der Stadt Meinerzhagen aber nicht. „Aus Kierspe haben wir das Angebot bekommen, in der Jahnhalle zu proben. Warum bekommen wir keine Genehmigung aus Meinerzhagen für die Stadthalle?“

Die Mitarbeiter laufen auf der letzten Rille.

Jan Nesselrath (CDU), Bürgermeister

Die Antwort vom zuständigen Fachbereichsleiter Heinz-Gerd Maikranz und Bürgermeister Jan Nesselrath: aus reiner Vorsicht. „Wir sind in Meinerzhagen vielleicht restriktiver als die Nachbarstadt“, so Nesselrath gegenüber Frank Schmitt, „aber zugleich sind wir seit Monaten von morgens bis abends mit dem Thema Corona beschäftigt. Die Mitarbeiter laufen auf der letzten Rille“, bestätigte er Heinz-Gerd Maikranz´ Hinweis auf eine ständig sich ändernde Corona-Schutzverordnung, auf die man regelmäßig reagieren wolle.

Wenn Meinerzhagen in Sachen Corona-Fallzahlen recht gut dastehe, müsse man sich auch fragen, warum das so sei. „So kann ich mir Proben in einer städtischen Schule, die am nächsten Tag zahlreiche Kinder besuchen, einfach nicht vorstellen. Alles andere prüfen wir“, sagte der Bürgermeister. Und Heinz-Gerd Maikranz machte dem Fanfarenzug immerhin Hoffnung, indem er auf weitere Lockerungen nach den Herbstferien verwies – wenn die Situation dies erlaubt.

Auch leere Kirche ist offenbar keine Lösung

Zu einer Idee von Karl Hardenacke (Grüne), die leer stehende katholische Kirche St. Martin als Probenraum zu nutzen, äußerte sich Jan Nesselrath skeptisch. Er rechne nicht damit, dass die Eigentümerin einer solchen Nutzung zustimmen würde.

In Kierspe proben – das kommt für den Fanfarenzug offenbar nicht infrage. „Wir sind Meinerzhagener und hier wollen wir bleiben“, sagt Schmitt, der selbst im Musikverein engagiert ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare