Arbeiten in Corona-Zeiten

Homeoffice mal anders: Hier kommt die Werkstatt nach Hause

Sortieren nach Vorlage und dann ab ins Tütchen: Wolfgang Volkmer arbeitet hier im Auftrag einer Meinerzhagener Firma.
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Sortieren nach Vorlage und dann ab ins Tütchen: Wolfgang Volkmer arbeitet hier im Auftrag einer Meinerzhagener Firma.

Das Home-Office war und ist in Corona-Zeiten ein Trend, den viele Arbeitgeber als Chance nutzen, um den Betrieb mit möglichst geringem Infektionsrisiko aufrecht zu erhalten. Das Studjo (ehemals Märkische Werkstätten des evangelischen Johanneswerkes) setzen sogar auf die „Home-Werkstatt“.

Meinerzhagen/Kierspe – Wolfgang Volkmer ist mehrfach gehandicapt. Er ist schon seit mehr als 25 Jahren im Studjo beschäftigt. Zunächst in Rönsahl, seit 2014 im neugebauten Komplex am Kiersperhagen.

Insgesamt 110 Menschen mit Behinderungen arbeiten derzeit dort, unterstützt und angeleitet von über 20 Betreuern. Großzügige Platzverhältnisse, bessere Arbeitsbedingungen für die Montagearbeiten und die Produktion und ein mit Hochregalen ausgestattetes und 850 Europaletten Platz bietendes Lager sind dort vorhanden. Ein idealer Arbeitsplatz, an dem unter anderem in den Gruppen Hauswirtschaft, Produktion, Verpackung, Montage und Garten und Landschaftspflege Leistungen erbracht werden, die auch am Markt konkurrenzfähig sind. So war Wolfgang Volkmer dort mit dem Verpacken von Kleinteilen beschäftigt, bevor es durch die Coronakrise zur vorübergehenden Schließung der Werkstatt kam. Ein Umstand mit Folgen.

Wirksam gegen schlechte Laune und Langeweile

Von jetzt auf gleich keine morgendliche, gemeinschaftliche Busfahrt mit den Arbeitskollegen und dadurch auch keine Rückreise am Nachmittag. Vor allem aber: keine Beschäftigung in der Zwischenzeit. Schlechte Laune und Unzufriedenheit waren programmiert. Und diese würde sicherlich noch anhalten, hätte man sich von der Betriebsleitung nicht im Zusammenspiel mit der vor einiger Zeit erfolgten Wiederaufnahme der Arbeit im Studjo Gedanken gemacht.

Für die Mitarbeiter, die das umfassende und mit zahlreichen visuellen Hinweisen und ständigen Anleitungen erarbeitete Hygienekonzept nicht selbstständig erfassen und umsetzen können, lagerte man deren Arbeit aus. Home-Werkstatt also statt Home-Office.

Willkommene „Arbeit für zuhause“

Neben dem Schutzaspekt erklärtes Ziel hierbei: Der Kontakt zu den Betreuern und vor allem auch zur bisher ausgeübten Tätigkeit soll nicht abhandenkommen. Insgesamt 40 Mitarbeiter werden momentan derartig beschäftigt. Und so bekommt auch Wolfgang Volkmer von seinem Betreuer Niko Kröcker „Arbeit gebracht“. „Durch die Arbeit zuhause und die Materiallieferungen und Abholungen bleibt der regelmäßige auch persönliche Kontakt erhalten“, sagt Kröcker.

Freudig erwartet Volkmer zuhause seinen Kollegen, der ihn auch sonst am Betriebssitz in Kiersperhagen betreut. Eintüten von Zubehörteilen eines Meinerzhagener Herstellers ist angesagt. Damit dabei alles richtig abläuft, ist die Anleitung in Form einer kleinen Bilderreihe gleich mit dabei.

Das ist doch besser, als nur rumzusitzen oder in den Fernseher zu gucken.

Wolfgang Volkmer

Die Frage, ob ihm die Arbeit Spaß macht, beantwortet Wolfgang Volkmer mit einem zufriedenen Lächeln. „Das ist doch besser, als nur rumzusitzen oder in den Fernseher zu gucken.“ Und während er das sagt, denkt er ein wenig dabei schon an die Zukunft – wenn er seine Tätigkeiten wieder in der Gemeinschaft mit seinen Kollegen in der Werkstatt ausüben kann.

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