Das Virus hat auch die Partnerstädte im Griff

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Jean-Luc Ourgaud, Bürgermeister von Montigny, ist mit der Disziplin seiner Bürger zufrieden.

Meinerzhagen/Kierspe - 2500 Neuansteckungen und 1102 Todesopfer (Stand gestern, 14 Uhr), mehr als 22 000 Infizierte: Die Corona-Pandemie hat auch Frankreich fest im Griff. Aber wie sieht die Lage in den Partnerstädten von Meinerzhagen (St. Cyr sur Loire) und Kierspe (Montigny) aus?

„Das Leben bei uns ist augenblicklich sehr traurig”, übermittelt Francine Lemarié aus St. Cyr sur Loire nach Deutschland. Sie ist stellvertretende Bürgermeisterin in der 16 000 Einwohner zählenden Stadt im Département Indre-et-Loire und zuständig für Partnerschaften zu anderen Städten. 

Wie viele Corona-Infizierte es in St. Cyr zurzeit gibt, weiß Francine Lemarié nicht genau. Subjektiv bewertet sie die Lage in der Kommune, die mit Meinerzhagen freundschaftlich verbunden ist, als nicht ganz so dramatisch wie in anderen Landesteilen. 

Keine Autos, keine Fußgänger

Über Karin Makereel, die 2. Vorsitzende des Meinerzhagener Partnerschaftskomitees, hält die Französin Kontakt ins Volmetal. Was sie von der Loire berichtet, klingt besorgniserregend: „Auf den Straßen sieht man keine Autos, auch Fußgänger sind so gut wie gar nicht unterwegs. Jeder Bürger von St. Cyr muss die Situation halt so akzeptieren, wie sie ist.”

Auch Francine Lemarié hat ihr Leben in Zeiten der Ausgangssperre umgestellt. Weil sie noch gesund ist, darf sie zumindest zum Einkaufen selbst vor die Tür. Die freie Wahl hat sie bei den Geschäften allerdings nicht. „Die Franzosen dürfen nur den am nächsten gelegenen Lebensmittelmarkt aufsuchen”, weiß Karin Makereel, die weiter berichtet, dass sich Francine Lemariés Leben hauptsächlich im und um das eigene Haus herum abspielt.

„Das alles ist für sie noch erträglich, weil die Familie am Haus einen eigenen Garten hat. Verlässt die Bürgermeister-Stellvertreterin allerdings die eigenen vier Wände, gehören Desinfektionsgel und Handschuhe zur Schutzausrüstung. Und ein Tipp wird in Frankreich überall beherzigt: „Abstand halten”. 

Montignys Bürgermeister auf Patrouille

In Montigny hat Bürgermeister Jean-Luc Ourgaud drei Tage lang an Patrouillen der Stadtpolizei teilgenommen, um die Disziplin der Ausgangssperren zu überprüfen. Sein Fazit: Im Allgemeinen würden die Bürger die Regeln einhalten und sich hauptsächlich nur mit dem dafür notwendigen Zertifikat auf den Straßen bewegen. Dieses Zertifikat ist notwendig, um etwa zur Arbeit oder einkaufen zu gehen. 

„Das Bewusstsein nimmt zu und die Zahl der Widerspenstigen nimmt täglich ab.“ Vereinzelt seien Zertifikate jedoch nicht immer korrekt ausgefüllt worden, andere Bürger hätten ihren Ausweis nicht dabei. 

Und so ist das öffentliche Leben auch in Frankreich nahezu zum Erliegen gekommen. Alle öffentlichen Einrichtungen sind geschlossen, Veranstaltungen finden nicht mehr statt, die Zugänge zu den Wochenmärkten werden stark kontrolliert – wie am vergangenen Samstag in Montigny (siehe Foto). Zeitung und Fernsehen sind daher die wichtigsten Informationsquellen. 

Die guten Nachrichten lassen allerdings noch auf sich warten. Und dennoch blickt St. Cyrs stellvertretende Bürgermeisterin Francine Lemariés bereits in die Zukunft. Sie freut sich auf unbeschwerte Tage nach der Pandemie. Bis dahin schickt sie über die MZ einen „ganz herzlich Gruß an die deutschen Freunde in Meinerzhagen”.

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