Erstaunliche Entwicklung

Billiges Holz ist auf einmal heiß begehrt

Normalerweise spricht niemand über Paletten. Doch wenn diese auf einmal knapp und teuer werden, wird ihre Bedeutung bewusst – auch den Firmen im Volmetal.
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Normalerweise spricht niemand über Paletten. Doch wenn diese auf einmal knapp und teuer werden, wird ihre Bedeutung bewusst – auch den Firmen im Volmetal.

„Paletten interessieren eigentlich niemanden, es sei denn, sie fehlen“, bringt es Frank Herrmann auf den Punkt. Der Mann ist als „Fachbereichsleiter International“ der Experte in Sachen Fracht bei der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer.

Kierspe – Das Fehlen der einfachen Holzunterlage macht sich derzeit bei den heimischen Firmen bemerkbar. Das berichtet auch Ingo Buckesfeld, Inhaber und Geschäftsführer des Kiersper Verpackungsspezialisten Tara.

Preissteigerungen

„Wir bekommen viele Sonderanfertigungen von einem Betrieb aus Hagen, der sich auf den Bau solcher Paletten spezialisiert hat, dort erleben wir derzeit Preissteigerungen von bis zu 40 Prozent“, erzählt der Kiersper Unternehmer. Zu dem deutlich gestiegen Preis kämen noch lange Lieferzeiten, nicht nur für Paletten, sondern auch für Verpackungskisten aus Holz. Als Beispiel nennt er ein Meinerzhagener Unternehmen, dass derzeit massiv durch die zusätzlichen Versandkosten belastet würde. „Bei einem Werdohler Betrieb betragen die zusätzlichen Kosten nur für Versandkisten aus Holz in diesem Jahr wohl rund 150000 Euro. Das kann im Moment niemand gebrauchen“, so Buckesfeld.

Während die Holzkisten meist nach einmaligem Gebrauch nur noch Brennmaterial sind, sieht es bei den Paletten anders aus. Buckesfeld: „Wir gehen von sechs bis acht Umläufen bei einer Palette aus.“ Üblicherweise bekommt das Unternehmen, wenn es auf einer genormten Europalette Waren versendet, vom Spediteur eine leere Palette im Tausch. Das Unternehmen, bei dem die Palette dann Schaden nimmt, muss sie ersetzen. Die Kosten pro Holzunterlage beziffert Buckesfeld zwischen 8,50 und 10 Euro – in normalen Zeiten und bei einer Abnahme von 600 bis 800 Paletten. Durch die gestiegenen Preise gebe es mittlerweile sogar einen Schwarzmarkt, auf dem gestohlene Paletten angeboten werden. „Damit beschäftigt sich vor allem der Zoll“, so der Unternehmer.

Verkauf nach China

Die Ursache für die gestiegenen Preise bei Paletten und Verpackungen sieht Buckesfeld in dem Verkauf des heimischen Holzes nach China und in andere asiatische Länder: „Da bleibt für die heimischen Sägewerker nichts übrig.

Das will der Kiersper Förster Uwe Treff so nicht stehen lassen: „Bei uns bekommt jeder Sägewerker so viel Holz wie er möchte. Allerdings wird gerade nicht viel bestellt.“ Aufgrund des massiven Waldsterbens durch den Borkenkäferbefall in den vergangenen Jahren und der extremen Trockenheit werde derzeit so viel Holz eingeschlagen wie noch nie. „Davon gehen rund zwei Drittel nach Asien, ein Drittel geht an die heimische Sägeindustrie. Das ist deutlich mehr als in früheren Jahren“, so Treff. Gerade erst habe er große Lieferungen für die heimischen Sägewerke bereitstellen lassen. „Wer sich meldet, bekommt was er möchte“, da ist sich Treff sicher.

Weit weg von Höchstpreisen

Allerdings bestätigt der Förster auch eine starke Nachfrage aus Asien nach Holz aus dem Sauerland, was sich im Preis niederschlage: „Bekamen wir Ende des vergangenen Jahres gerade noch 32 Euro für den Festmeter im sogenannten Standardsortiment, sind es jetzt schon 43 Euro.“ Damit sei man zwar immer noch weit von den Höchstpreisen entfernt, die vor vier Jahren noch an der 100-Euro-Marke kratzten, aber immerhin werden wieder mehr bezahlt.

So richtig erklären, woher die Knappheit beim Holz für Paletten und Verpackungen kommt, kann auch Till Eismann, Geschäftsführer der Vermarktungsgesellschaft „Wald und Holz Sauerland“ nicht: „Vielleicht liegt es auch daran, dass die größten Hersteller für solche Produkte nicht in NRW ihren Sitz haben und dann lohnt sich der Transport dieses doch eher minderwertigen Holzes über den weiten Weg nicht.“

Vielfältige Probleme

Licht ins Dunkle bringt schließlich Frank Herrmann. Der SIHK-Experte spricht von vielfältigen Problemen, bei denen die Ursachen auch in der Corona-Pandemie und dem Brexit zu suchen sind.

„Es gibt eine Norm, nach der Paletten behandelt werden müssen, um einen unabsichtlichen Transport von Schädlingen im Holz zu verhindern. Das interessiert aber innerhalb der EU kaum jemanden. Doch nun haben die Briten angekündigt, zukünftig auf diese vorsorgliche Behandlung zu bestehen. Und auch, wenn das jetzt noch nicht geschieht, wirkt sich die Ankündigung schon aus“, sagt Herrmann. Die Palettenhersteller würden Paletten aus dem Markt nehmen und sie entsprechend nachbehandeln.

Container an den falschen Stellen

Aber auch die Sägewerker seien an den steigenden Preisen nicht ganz unschuldig. Üblicherweise würden die sogenannten Seitenhölzer zur Produktion der Holzunterlagen verwendet. Herrmann: „Mittlerweile haben die Sägewerker aber auch Methoden gefunden, dieses Holz aufzuwerten und zumindest einen Teil an die Bau- und Möbelindustrie zu verkaufen. Dadurch steigen die Preise.“

Dazu käme, dass die Container derzeit an den falschen Stellen stehen würden. Und immer dann, wenn es keine Fracht für die Container gebe, würden diese mit Paletten gefüllt. „Derzeit boomt es vor allem in China und auch in den USA zieht die Wirtschaft wieder an. Doch die Container stehen in Europa. Allerdings wird von hier aufgrund der Corona-Pandemie deutlich weniger exportiert“, so der SIHK-Fachbereichsleiter.

Transport kostet viel Geld

Damit spricht Herrmann ein weiteres Problem an, mit dem die Exporteure, vor allem aber die Importeure derzeit zu kämpfen haben. Denn aus den fehlenden Containern ergeben sich weitere Kosten. „Wenn sich die Container in den europäischen Häfen stapeln, werden die Container in Asien natürlich teurer. Mittlerweile muss bis zum Vierfachen des üblichen Preises für den Transport gezahlt werden. Außerdem müssen die Container aus Europa als Leerfracht nach Asien gefahren werden, auch ein Grund für die steigenden Preise“, erklärt Frank Herrmann.

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