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3G, 2G, oder freier Eintritt?

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Von: Jürgen Beil

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Die American Footballer der Lüdenscheid Lightnings kontrollierten bei der Großveranstaltung Valberta Colonia am Eingang der Ebbehalle, ob alle Besucher die 3G-Regeln erfüllten.
Die American Footballer der Lüdenscheid Lightnings kontrollierten bei der Großveranstaltung Valberta Colonia am Eingang der Ebbehalle, ob alle Besucher die 3G-Regeln erfüllten. Zwei Gästen wurde der Einlass verwehrt, weil sie lediglich Schnelltests vorzeigen konnten. © Klaus Schliek

2G oder doch besser 3G? Oder vielleicht nichts davon? Reicht ein Test aus, um eine Veranstaltung besuchen zu können, oder dürfen nur Genesene oder Durchgeimpfte die Security passieren? Diese Fragen werden zurzeit heiß diskutiert.

Meinerzhagen – Wie sind die Meinungen dazu in Meinerzhagen? Die MZ hörte sich um.

Dirk Rebein ist Vorsitzender des RSV Meinerzhagen. Bei Fußballspielen im Stadion an der Oststraße werden die Besucher nicht kontrolliert, 2G oder 3G sind keine Voraussetzungen, um eine Partie live erleben zu können. Und dennoch: „Wohler würde ich mich bei Veranstaltungen schon fühlen, wenn die 2G-Regel gelten würde. Da ist man dann auf der sicheren Seite“, ist Rebeins persönliche Meinung.

Kontrollen kosten Geld

Sein Verein sei durchaus darauf vorbereitet, strengere Regeln umzusetzen: „Beispielsweise durch unsere E-Tickets, die personalisiert sind. Das würde aber für uns als Verein vor den Spielen mehr Arbeit durch Kontrollen bedeuten – und wohl auch Zuschauer kosten, die dann fernbleiben.“ Würde Rebein zurzeit ein volles Bundesligastadion mit zehntausenden Fans besuchen? „Wohl kaum. Gerade in diesen Zeiten nicht, in denen die Infektionszahlen steigen“, überlegt der RSV-Funktionär.

Auch in der katholischen Kirche spielt bei den Gottesdiensten die 2- oder 3G-Regel keine Rolle. Pfarrer Peter Kroschewski setzt damit eine Anweisung der Bischofskonferenz um, nach der in den Gemeinden nur in besonderen Fällen 2G und 3G eingeführt werden darf. In „normalen“ Gottesdiensten hat der Geistliche ob dieser Freizügigkeit manchmal auch „ein ungutes Gefühl“. „Dabei geht es weniger um mich, als vielmehr um jeden einzelnen Gottesdienstbesucher. Ich stehe bei der Predigt in einiger Entfernung zu den Menschen. Ich möchte aber nicht, dass sich jemand aus der Gemeinde in den Kirchen ansteckt“, sagt der Pfarrer. Zurzeit gelten „Nachverfolgungs-Liste, Maske und Abstand“ – und sonst nichts.

Weihnachten mit 3G

Weihnachten könne sich das in St. Marien allerdings ändern, kündigt Peter Kroschewski an: „Dann werden wir wohl die 3G-Regel in den Gottesdiensten einführen. Aber bis dahin muss man natürlich die Entwicklung abwarten.“ Generell hat der katholische Seelsorger im Moment kein gutes Gefühl, was die Pandemie angeht: „Man hört von Impfdurchbrüchen, die Zahlen steigen wieder an. Niemand weiß, wo das hinführt.“

Dominik Busch hat am Samstag reichlich Erfahrungen gesammelt, was die 3G-Regel angeht. Etwa 600 Besucher vergnügten sich beim kölschen Konzert „Valberta Colonia“ auf Einladung des Elferrates in der Ebbehalle. Und hinein durfte nur, wer genesen und/oder geimpft war. Auch ein aktueller PCR-Test berechtigte zum Eintritt – ein Schnelltest hingegen nicht. „Wir haben tatsächlich zwei Gäste nach Hause schicken müssen, die lediglich einen Schnelltest gemacht hatten“, berichtet Busch. Ansonsten zog er aber nach der Großveranstaltung ein sehr positives Fazit: „Das war von allen Beteiligten wirklich super. Die American Footballer der Lüdenscheid Lightnings haben den Sicherheitsdienst gestellt, die Motoballer des MBC Kierspe den Thekendienst übernommen. Sie alle und die Künstler mussten sich selbstverständlich auch einer Einlasskontrolle unterziehen und alle Bedingungen erfüllen.“

Vertrauen in die Medizin

Dominik Busch hatte angesichts der vielen Hundert Menschen in der Halle auch kein „komisches Gefühl“: „Ich bin geimpft, vertraue der Wissenschaft und Medizin. Aber man hat schon gemerkt, dass sich die Besucher anders verhalten haben als früher. An der Theke hat es sich zu keinem Zeitpunkt gedrubbelt, wie das sonst immer der Fall war. Und alle haben fast automatisch auf Abstand geachtet. Man drückt sich nicht mehr die Hand und fällt sich nicht mehr um den Hals.“

Das Konzept habe funktioniert, wenngleich der finanzielle und personelle Aufwand groß gewesen sei. „Aber durch den frühen Einlass und die zwei Kontroll-Schleusen haben sich auch keine Schlangen am Eingang gebildet“, freut sich Dominik Busch. Er hofft nun, dass die Erfahrungen vom vergangenen Wochenende auch im kommenden Jahr hilfreich sein werden. Denn 2022 soll endlich wieder das Schützenfest gefeiert werden. „Die Leute haben Bock, sind durstig nach diesen Veranstaltungen“, hat der Valberter am Samstag festgestellt.

Unterschiedliche Regeln

Wer eine öffentliche Rats- oder Ausschusssitzung besuchen will, der muss sich in Meinerzhagen an die 3G-Regel halten. Allerdings: Rats- und Ausschussmitgliedern darf die Teilnahme an der Sitzung nach einem Gerichtsurteil nicht verwehrt werden – auch dann nicht, wenn sie weder geimpft noch genesen sind. Fachbereichsleiter Helmut Klose weiß, was in einem solchen Fall zu tun wäre: „Wir halten am Eingang Selbsttests bereit. Den müsste ein solches Ratsmitglied dann durchführen.“ Besuchern, die nicht genesen oder geimpft sind, würde ein solcher kostenloser Selbsttest allerdings nicht zustehen.

Behördengänge sind im Meinerzhagener Rathaus längst wieder möglich. Wer zum Beispiel ins Bürgerbüro möchte, der muss sich weder an die 3G noch 2G-Regeln halten. Dort gelten die „einfachen“ Hygienevorschriften. „Alles andere wäre eine Einschränkung der Freiheiten. Ich erhoffe und erwarte allerdings verbindliche Regeln oder Empfehlungen, entweder aus Düsseldorf oder vom Städte- und Gemeindebund. In Meinerzhagen werden wir in dieser Beziehung keine Alleingänge machen. Aber wir halten natürlich die örtliche Infektionslage im Auge. Wenn die Zahlen hier vor Ort wieder stark ansteigen würden, müssten wir überlegen, entsprechend zu reagieren“, erläutert Helmut Klose.

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